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Mutter mit Kind auf dem Arm
Pädagogik im Wandel der Zeit

Erziehung früher und heute

Alle Eltern wollen, dass ihre Kinder in der Welt zurechtkommen und bereiten sie u.a. durch ihre Erziehung darauf vor. Die ist heute sehr verschieden von der, die die heutigen Großeltern (50-60 Jahre alt) erlebten. Denn die Überzeugungen, was Kinder brauchen für ein gutes Aufwachsen, waren andere. Die Bedürfnisse von Kindern wurden früher nicht so viel beachtet, heute sprechen wir sogar von Kinderrechten!
Ein paar Beispiele über die Veränderungen:

Vertrauen in sich und in die Welt stärken

Dass Kinder am Anfang ihres Lebens vor allen Dingen liebevolle und verlässliche Bindungspersonen brauchen, um Vertrauen in sich und die Welt zu bekommen, wurde in den letzten 20-30 Jahren aus der Entwicklungspsychologie bekannt. Schon das sog. Bonding, die ersten Stunden mit einander sind wichtig für die Mutter-und-Kind-Beziehung. Vor 50 Jahren gab es auf dem Land noch viele Hausgeburten mit Hilfe von Hebammen, dort wurde das vllt. so gehandhabt, in der Stadt aber ging die moderne Frau in die Klinik. Rooming-In in der Geburtsklinik gibt es erst seit den späten 70er Jahren, Stillen wurde nicht gefördert. Die Babys lagen alle in einem Kinder-Zimmer und wurden den Müttern alle 4 Stunden gebracht zum Füttern. Heute wird das Baby der Mutter nach der Geburt auf ihren Bauch und gleich an die Brust gelegt, wenn möglich und weiterhin nach Bedarf gestillt oder mit der Flasche gefüttert. Die damalige Überzeugung war, dass es einen festen Rhythmus für Füttern, Wickeln, Schlafen, Baden, Spazieren geben sollte, auch um die Kinder nicht zu verwöhnen. Ansonsten wurden die Kinder eben weinen gelassen. Ein Kind, das ins Krankenhaus musste, wurde dort allein versorgt, egal wie klein es war, Besuchszeit war 2x pro Woche und am Wochenende für 1-2 Stunden. Heute bekommen die Eltern ein Begleit-Bett im Krankenhaus.

Neue Rolle der Väter

Die Babys wurden regelmäßig an die frische Luft gebracht, im Kinderwagen von den Müttern geschoben, ein Vater hat sich selten so öffentlich gezeigt. Heute will ein werdender Vater häufig bei der Geburt dabei sein, Wickeln und Baden sind ihm auch vertraut und er beginnt nicht erst mit dem Kind zu spielen, wenn es schon einen Fußball treten kann.  Dadurch haben Väter vertrautere Beziehungen zu ihren Kindern als früher. Er raucht nur noch auf dem Balkon oder hört mit der Mutter in der Schwangerschaft auf, früher war das Risiko Mit-Rauchen noch unbekannt. Die Babys schliefen im eigenen Bett und, wenn sich die Familie das erlauben konnte, allein im eigenen Kinderzimmer, später zum Glück mit den Geschwistern.  Es gab Übungen zur Babygymnastik vor dem Baden, sonst lagen die Babys viel herum. In den 80er Jahren wurden traditionelle Methoden anderer Kulturen als natürlicher propagiert. Das Baby als „Tragling“ wurde entdeckt, das Familienbett für alle und die Bedeutung von Körperkontakt für die gute Entwicklung.  In Kursen wie PEKIP, Delfi, Babymassage, musikalische Früherziehung etc. bekommen kleine Kinder wichtige Anregungen. Das Denken und Fühlen heutiger Eltern kreist mehr um die Kinder als früher, ihr Potential soll gefördert werden, manche Eltern entwickeln sich zu „Helicopter-Eltern“, sie fühlen sich überverantwortlich und lassen dem Kind wenig Freiraum.

Pädagogik im Wandel der Zeit

Die sog. 68er Bewegung in West-Deutschland war wichtig, um autoritäre Haltungen zu überwinden. Damals entstanden die sog. Kinderläden, dort wurde den Kindern viel Freiheit zugestanden, sich in ihrem Tempo zu entwickeln und auszuprobieren, sie durften spielen und toben, frech und schmutzig sein, ihren Körper und die eigene Sexualität entdecken und wurden als Personen ernst genommen, die ihre Umwelt gestalten und mitreden durften. Auch dass Kinder durch die Erziehung bestimmte Rollen als Mädchen und Jungen lernen, kam ins Bewusstsein. Es sollten neue Rollenbilder gelernt werden, z.B.  Jungen auch weinen und Mädchen technische Fertigkeiten lernen. Seit vielen Jahren ist in der Mode und in der Spielzeugindustrie eine Gegenbewegung zu erkennen. Hübsch und gefällig sein ist den Mädchen vorbehalten, stark und die Welt gestaltend sollen die Jungen werden.

In der Erziehung wird jetzt wieder mehr darauf geachtet, dass Kinder auch Orientierung brauchen, dass sie Grenzen und Regeln und soziale Verantwortung lernen. Kinder dürfen sich am Familienleben beteiligen und mitbestimmen. Die Methoden sind aber nicht mehr strafend, wie vor 50  Jahren, sondern es geht mehr um das Vorbild und eigene konsequente Verhalten, mit dem Eltern ihre Kinder zur Zusammenarbeit erziehen. Mit Jugendlichen wird verhandelt, welche Freiheiten sie ausprobieren können, die Konflikte und Brüche zwischen Eltern und Kindern sind meist nicht mehr so heftig wie früher. Kinder haben inzwischen ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Vor 50 Jahren waren Schläge ins Gesicht, auf die Hände, den Po durch die  Eltern oder Lehrkräfte üblich und erlaubt. Manche Eltern sahen sich dazu im Recht oder zelebrierten das als notwendige Strenge, wenn der Papa abends nach Hause kam. Heute haben Eltern ein schlechtes Gewissen, wenn ihnen die Hutschnur platzt und sie ihr Kind schlagen und holen sich Hilfe in einer Erziehungsberatung, was sie anders machen können.

Erziehung in Ost und West

Heutzutage achten wir darauf, dass kleine Kinder nicht allein oder plötzlich mit fremden Personen gelassen werden. Die Eingewöhnung in den Kindergarten oder gar in die Krippe lässt dem Kind z.T. viel Zeit, sich an die neuen Betreuerinnen zu binden. Vor 50 Jahren gab es in der BRD noch nicht flächendeckend Kindergärten, manche Kinder gingen dorthin erst das Jahr vor der Schule, eine Eingewöhnung gab es nicht. Früher mussten Kinder, die in den Kindergarten gehen sollten trocken und sauber sein, d.h. die Toilette benutzen. Die sog. Sauberkeitserziehung begann früher etwa um den 1. Geburtstag des Kindes und war vor allem Dressur, d.h. die Mütter/Eltern oder die Krippenerzieherin passten die Zeiten ab, zu denen die Kinder aufs Töpfchen kamen, auch nachts, damit nicht so viele Stoffwindeln zu waschen waren, denn es gab noch keine Wegwerfwindeln. Heute wissen wir, dass die Kinder sich ab 11/2 Jahren für das eigene  kleine und große Geschäft interessieren und anfangen zu merken, was in ihrem Körper vor sich geht und wir warten, bis ein 3jähriges Kind seinen Haufen  hergeben  möchte. Oder in einer neuen Mode lernen heute Eltern,  von Anfang an die Signale ihres Babys zu verstehen, wann es Wasser lassen oder Stuhlgang machen möchte und es dazu abzuhalten.

Medienkonsum beschränken

Als Spielzeug gab es  früher für die Babys vielleicht eine Rassel, für Kleinkinder eine Puppe oder einen Teddy und für größere  Kinder Holzeisenbahn, Lego, kleine Autos, Puppenwagen und Roller, 1Brettspiel. Es gab gar nicht einen solchen Markt an Kinder-Artikeln wie seit etwa 20 Jahren. Dadurch gibt es ganz neuartige Entwicklungsrisiken. Eine Tafel Schokolade war früher etwas Besonderes, heute sind die Regale im Supermarkt meterlang voll mit Süßigkeiten und wir müssen die Kinder vor Fettleibigkeit und Diabetes bewahren. Heutzutage müssen sich Eltern Gedanken machen, wieviel Medienkonsum ab welchem Alter gut ist für die Kinder, damit sie noch ausreichend Erfahrungen mit allen ihren Sinnen und ihrem Körper in einer realen Welt machen, gut sprechen lernen und Fantasie entwickeln. Früher gab es max. 1-2 Kindersendungen am Wochenende auf zwei TV-Programmen, heute gibt es Spiel-Apps mit und ohne Werbung auf dem (eigenen) Smartphone.

Unsere westliche Lebensart hat ihre Risiken, wir sind individualistisch und konsumorientiert, unsere Kinder sollen selbstbewusst und leistungsbereit werden. Andere Gesellschaften sind eher familienorientiert und verlangen von den Kindern mehr Anpassung und solidarisches Verhalten. Ich denke, wir müssen uns in einer globalisierten Welt ausbalancieren zwischen beiden Stilen, damit die Kinder in der Welt zurechtkommen. Und wir Erwachsene auch!

Tipps und Tricks von unserer Expertin

Ulrike Glingener ist Dipl.-Sozialpädagogin in der Frühberatungsstelle Süd des SOS-Kinderdorf Bremen und ist dort seit über 20 Jahren beschäftigt.

Sie hat Erfahrungen in der Erziehungsberatung und Familienhilfe, im Familienkrisendienst, als PEKIP®-Gruppenleiterin für Eltern-Baby/Kind-Gruppen. Ulrike Glingener ist zudem SPIN® Video-Home-Trainerin und in der entwicklungspsychologischen Beratung tätig.

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Frühberatungsstelle Süd
Niedersachsendamm 20a
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