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Die SOS-Beratungsstellen haben wertvolle Tipps für Eltern
Wissenswertes zu Essgewohnheiten

"Ich mag das aber nicht essen"...

Fragen Sie mal Ihre Eltern, wie oft Sie selbst diesen Satz als Kind gesagt haben. Mir wurde noch geantwortet, dass ich meinen Teller leer essen muss, denn woanders in der Welt würde gehungert. Oder ich wurde überredet: ein Löffelchen für die Oma, eins für Opa etc. Damals mochte ich keinen Rosenkohl, den ich heute gern esse. Zum Sauerkraut (damals bäh) mit Kartoffelbrei (hmm!) gab es oft Schweinshaxe, von dieser habe ich als Kleinkind am liebsten die fette Schwarte gegessen, nicht mal knusprig gegrillt, sondern gekocht - allein bei der Vorstellung schüttelt es mich heute....

Babys brauchen Zeit, sich an neue Dinge zu gewöhnen

Wenn ich aktuell die Babys beobachte, die ich kenne, essen sie meistens gerne (irgendwann) das, was ihre Eltern ihnen vor-essen. Auch die Babys, die sich anfangs mit der üblichen Möhren-Kartoffel-Rindfleisch-Beikost schwer tun, werden oft Gourmets und Vielfraße, wenn sie Mamas Blauschimmelkäse und Papas eingelegte Oliven bekommen. Das habe ich mir meist so erklärt, dass über die mütterlichen Essgewohnheiten in der Schwangerschaft und Stillzeit die Kinder auch schon die verschiedensten Geschmacksrichtungen kosten durften – und zwischen 10 und 18 Monaten den Großen ohnehin alles nachmachen (wollen). Einige Babys brauchen Zeit, sich an neue Dinge zu gewöhnen, auch geschmacklich oder von der Konsistenz des Essens her. Doch mit Geduld und immer wieder freundlichem Angebot sind sie meistens irgendwann doch bereit und manchmal auch begeistert über das neue Menü. 

In der Beratung gebe ich jungen Eltern folgende Tipps: 

  • bieten Sie einem empfindsamen Baby nicht zu schnell zu viele verschiedene Speisen an, lassen Sie mehrere Tage Zeit sich an neuen Geschmack zu gewöhnen. 
  • Generell sollte Essen nicht mit Druck und Stress verbunden sein, respektieren Sie Babys Grenzen, wie viel es essen möchte und lassen Sie Ablenkung sein. 
  • Essen anfassen, sich selbst (und die anderen) füttern und die Menge selbst bestimmen gehören ebenfalls zu lustvollem Essen. Das Kleinkind muss mit allen Sinnen erforschen, um ein gutes Gespür für sich und die Welt zu entwickeln. 
  • Und außerdem wirkt natürlich unser Vorbild, Sie kennen ja den Spruch: Erziehen hilft nicht, die Kinder gucken sie ohnehin alles ab.... 

Nudeln hui, Gemüse Pfui – der Selbstbestimmungswunsch des Kleinkindes

Ist die Beikost etabliert und isst das Kind am Familientisch mit, geht in der Regel einige Zeit alles gut. Doch plötzlich geht das Gemäkel los. Über „iiihh“-Kräuter in der Soße oder den angeblichen Gestank des Essens - beim Kleinkind wird eine Art Trennkost beliebt (Nudeln mit Kartoffeln und Reis, bloß kein Gemüse) oder das Pausbäckchen wird zum Spatz beim Essen, wo sonst immer beide Hände auf einmal gefüllt sein mussten. Mal abgesehen von der Erklärung mit dem Selbstbestimmungswunsch des ca. zweijährigen und älteren Kindes, das sein NEIN ausprobiert, und den wechselhaften Phasen ähnlich den Erwachsenen, wo Essen mal mehr, mal weniger wichtig ist, und dem Tipp mit der Geduld - hatte ich bisher nur folgende pädagogische Vorschläge anzubieten.

Tipp: Komm, wir kochen gemeinsam!

  • Bereiten Sie das Essen gemeinsam mit den Kindern zu, auch zweieinhalbjährige können schon Banane schneiden und Joghurt rühren; 
  • lassen Sie beim Einkauf das Kind etwas aus dem Regal holen oder auf die Waage legen und planen gemeinsam, was es geben soll; 
  • lassen Sie die Kinder beim Tischdecken helfen, sie werden schnell geschickter durch Übung oder 
  • ernten Sie selbst beim Bauern und ziehen selbst Tomaten oder Kräuter. 
  • Viele Kinder mögen Gemüse gern als Rohkost in Streifen, nach Farben sortiert und mit Dip. 
  • In einigen Kindergärten soll jedes Kind von jedem Gericht Probierhäppchen nehmen und reihum das Essen des Tages vorstellen, könnten Sie mal Zuhause nachmachen ? 
  • In (fröhlicher) Gemeinschaft schmeckt das Essen besser, nette Rituale (Kerze an, Handy aus, Tischspruch, Katze bekommt auch Futter....) werten das noch auf. 

Auf der Suche nach geschichtlichen Erklärungen...

Auf der Suche nach Erklärungen für diese recht verbreiteten plötzlichen Vorlieben und Abneigungen der Kinder mit etwa drei Jahren  habe ich entdeckt, dass der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster diese im Entwicklungszusammenhang zur Menschheitsgeschichte sieht: Als Nahrung noch nicht so verlässlich wie heute in unserer Welt verfügbar war, aßen die Menschen, sobald sie etwas vorfanden, und zwar viel. Wer wusste, wann es wieder etwas gab? Wichtig war damals, möglichst eiweißreich, fett und süß zu essen. Ich kenne das noch von den Groß-/Eltern mit Kriegs- und Mangelerfahrung.

Nach der (damals viel längeren Zeit der) Muttermilch mussten sich die Kinder der Frühgeschichte auf das verlassen, was sie in der Umgebung fanden und ließen Saures oder Bitteres (wie manches Obst oder Gemüse) links liegen, denn es war möglicherweise nicht reif oder giftig. 


Das heißt allerdings nicht, dass wir heutzutage diesem Drang nachgeben sollten, Fettes und Süßes zu essen, denn die zwangsläufigen Fastenzeiten der damaligen Menschen gibt es ja auch nicht mehr. Es erklärt nur, woher die kindlichen Vorlieben - Menschheitsgeschichtlich gesehen - rühren. Laut Dr. Renz-Polster ist das mit etwa sieben oder acht Jahren vorbei... (s. sein Buch „Kinder verstehen“).  Wie immer gilt: alles nur eine Phase... 

Tipps und Tricks von unserer Expertin

Ulrike Glingener,

Ulrike Glingener ist Dipl.-Sozialpädagogin in der Frühberatungsstelle Süd des SOS-Kinderdorf Bremen und ist dort seit über 20 Jahren beschäftigt.

Sie hat Erfahrungen in der Erziehungsberatung und Familienhilfe, im Familienkrisendienst, als PEKIP®-Gruppenleiterin für Eltern-Baby/Kind-Gruppen. Ulrike Glingener ist zudem SPIN® Video-Home-Trainerin und in der entwicklungspsychologischen Beratung tätig.

So erreichen Sie uns

Frühberatungsstelle Süd
Niedersachsendamm 20a
28201 Bremen

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Ulrike Glingener, Astrid Schwarz, Hildegard Wältermann, Fethiye Töngel, Petra Hock, Ruby Ebel

Telefon: 0421-5971270

fruehberatung.kd-bremen@sos-kinderdorf.de

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