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Bezahlbarer Wohnraum ist die halbe Miete

9. November 2018

„WOhnsinn Berlin!“ die 1. Jugendversammlung Moabit in der Botschaft für Kinder des SOS-Kinderdorf Berlin brachte am 31. Oktober über 100 Jugendliche mit LandespolitikerInnen und AkteurInnen aus der Wohnungsbauwirtschaft zusammen.

Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum in der Stadt ist in aller Munde und betrifft auch besonders jene Bevölkerungsgruppe, die es schwer hat, gesehen und gehört zu werden: Junge Menschen, die kurz vor dem Schulabschluss bzw. in Ausbildung sind und nur ein geringes Budget für den Start in ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zur Verfügung haben.

Von der Politik zum Tiny House – viele interessante Gespräche wurden geführt

1. Jugendversammlung Berlin Moabit

Katrin Lompscher (Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen) wurde von Kirsten Spiewack (Einrichtungsleiterin SOS-Kinderdorf Berlin) begrüßt


Auf der Jugendversammlung „WOhnsinn Berlin!“ hatten die jungen TeilnehmerInnen an diesem Tag die Möglichkeit, u.a. mit Frau Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, den jugendpolitischen Sprecherinnen der SPD (Melanie Kühnemann-Grunow) und der Bündnis90/Grünen (June Tomiak) aber auch mit dem Kreisvorsitzenden der CDU Mitte (Olaf Lemke) ins Gespräch zu kommen.  Es wurde nicht viel um den heißen Brei geredet. Zu sensibel und teilweise wirklich prekär ist die Lage vielerorts:
"Die Politik hat in den letzten Jahren viel falsch gemacht, geradezu verpennt.“; 
„Eine solch rapide Entwicklung Berlins war vor zehn Jahren nicht absehbar.“ 
Viele dieser Schlagwortsätze waren in den Gesprächen mit den politischen TeilnehmerInnen übereinstimmend zu vernehmen. Allerdings waren sie sich auch einig, dass die Fehler aus dem letzten Jahrzehnt nicht im Handumdrehen behoben werden können und die kritische Lage andere – eventuell – kreativere Wege verlangt.

1. Jugendversammlung Berlin Moabit

Viel Platz im Tiny House: Im Hintergrund: Van Bo Le-Mentzel(links) und Martin Püschel (rechts); Im Vordergrund: „WOhnsinn Berlin !“ Teilnehmer bei der Besichtigung des „Tiny Temple“

Die TeilnehmerInnen der Jugendversammlung konnten auch mit dem bekannten kreativen Wohnraumgestalter Van Bo Le-Mentzel sprechen. Er ist Begründer der Tiny House Bewegung und brachte eines seiner Tiny Häuser zur Besichtigung mit in die Botschaft für Kinder. Sein Ansatz ist, eine Möglichkeit zu schaffen im sogenannten Co-Being Haus, seinen privaten Wohnbereich zu haben und gleichzeitig in der Mitte der Gesellschaft gemeinschaftlich zu wohnen. Das soll alles für 100 € Miete möglich sein – indem durch gemeinsam genutzte Räume der Mietpreis des Einzelnen gesenkt wird. Zum anderen war es ihm sehr wichtig, mit den Jugendlichen die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle zum Thema Wohnen zu besprechen. Da er selbst ein Berliner mit Migrationshintergrund ist, konnte er sich sehr gut in die – teilweise verdeckten – zusätzlichen Probleme bei der Wohnraumsuche von Jugendlichen mit Migrations- oder Fluchthintergrund hineinversetzen. Wiederholend wies er dabei auf den Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes hin.  

Wertvolle Tipps zur Wohnungssuche

Außerdem gelang es während der Veranstaltung, den über 100 teilnehmenden Jugendlichen auch ganz praktische Tipps für ihre Wohnraumsuche mitzugeben. So könnten sie sich schon jetzt auf eine der begehrten Wartelisten als Anteilseigner bei Wohngenossenschaften, mit Aussicht auf guten geschützten und bezahlbarem Wohnraum, setzen lassen - auch wenn der eigene Auszug aus dem Elternhaus erst in ca. zwei Jahren geplant ist, denn so lange ist heutzutage die übliche Wartezeit. 

Welche Unterlagen gehören denn eigentlich in eine vollständige Bewerbungsmappe? Und wie ist das denn mit der Schufa? Fragen wie diese konnten mit den Experten, aber auch untereinander, thematisiert und diskutiert werden.

Insgesamt war unter den SchülerInnen und Auszubildenden der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum bzw. kontingentierten „Lehrlingswohnungen“  laut und berechtigt. Mit einem monatlichen Azubigehalt zwischen 300 bis 900 € wird es sonst schwer bis aussichtslos bleiben, den Sprung ins selbstständige Leben mit eigenem Wohnraum zu schaffen.

1. Jugendversammlung Berlin Moabit

Direkter Austausch zwischen jungen Menschen und PolitikerInnen bei der 1. Jugendversammlung Berlin Moabit.

Einige Stimmen der Teilnehmenden:

An die erste eigene Wohnung und das damit verbundene Gefühl von Unabhängigkeit, kann sich wohl jede und jeder Erwachsene noch gut erinnern. Mit steigendem Druck auf dem Wohnungsmarkt wird die Suche nach einer Wohnung aktuell immer schwieriger, insbesondere auch für Jugendliche. Es ist es daher die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass sie nicht an den Rand gedrängt werden."
Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwickung und Wohnen (Die Linke)

Ich wohne gerade bei meiner Mutter mit meiner Schwester und meiner Nichte in einer zweieinhalb Zimmerwohnung. Nach der Ausbildung suche ich mir erst mal einen festen Job und würde dann ca. ein Jahr arbeiten, um mir das überhaupt leisten zu können. Die Schere zwischen Arm und Reich wird in Berlin immer größer.. Berlin wird ein Reichenviertel, und wir armen Leute gehören halt alle an den Rand gedrängt.
Matthias, Auszubildender bei SOS-Kinderdorf Berlin

Ich wohne jetzt in einem Heim mit meinem Bruder. Wir haben ein Zimmer. Mit Susanne (Mitarbeiterin von SOS-Kinderdorf) haben wir mehrfach versucht eine Wohnung zu finden für mich. Meine Traumwohnung in Berlin liegt im Zentrum, am liebsten im Wedding.
Abdul, junger unbegleiteter Geflüchteter, lebt in Berlin in einer Unterkunft für Geflüchtete.

Die Jugendversammlung war Teil des Projekts „High Five! – jugendrechte im quartier“, das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mit EFRE-Mitteln im Rahmen des Programms „Bildung im Quartier“ gefördert und von SOS-Kinderdorf e.V. kofinanziert wird.

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SOS-Kinderdorf Berlin
Kinder- und Familienhilfen

Einrichtungsleiterin: Kirsten Spiewack

Waldstraße 23/24
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