Aktuelles

Wenn Harry Potter die Massentierhaltung wegzaubert

28. Oktober 2019

Einblicke in die zweite Moabiter Jugendversammlung

Einblicke in die zweite Moabiter Jugendversammlung

2. Moabiter Jugendversammlung des SOS-Kinderdorf Berlin

„Die Welt, in der wir leben wollen“ war das Thema, um das sich am 16. Oktober die 2. Jugendversammlung des Projektes „HIGH FIVE-jugendrechte im quartier“ im SOS-Kinderdorf Berlin drehte. Gefragt wurden dabei vor allem die Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren, für die es aus verschiedenen Gründen nicht selbstverständlich ist, sich zu engagieren und sich mit der eigenen Meinung Gehör zu verschaffen. „Bringt eh nichts.“ Oder „Mir hört ja sowieso keiner zu“, sind die Sätze, die am meisten geäußert werden.

Am 16.10. wollten dann gerne viele zuhören, denn auf dem Podium luden tolle Menschen mit tollen Ideen die jungen Leute zum kreativen Austausch ein. Dabei waren sechs Ideengeber*innen, die  bereits ungewöhnliche Projekte auf die Beine gestellt hatten – mit Hanna Legleitner, Lebensmittelretterin von „Restlos Glücklich e.V.“,  Stefanie Zillner, der Leitungswasser-Enthusiastin vom „Wasserkiez  Moabit, tiptap e.V.“ oder Rosa Theilig aus den „Prinzessinnengärten“ bis zu Arianna Nicoletti, Upcycling-Begeisterte der “Green Fashion Tours” und Karen Vogt, vom Projekt “Schule Klima Wandel” waren äußerst mitreißende Sprecherinnen auf der Bühne. „Natürlich ist es auch anstrengend, sich zu engagieren. Aber wenn man die anderen begeistern kann und alle zusammenhalten, macht es auch wahnsinnig viel Spaß“, erzählte Josi von Fridays for future, Ortsgruppe Berlin.

Ein Füllhorn an Ideen

Anschließend fanden Impulsworkshops statt, in denen die Jugendlichen selbst mit ungewöhnlichen Methoden nach Antworten suchten. Sie bewegten sich z.B. rückwärts von der Zukunft ins Heute oder schlüpften in die Rolle von Harry Potter, der ganz einfach die Massentierhaltung wegzaubern würde. Das Ergebnis war ein großes Füllhorn an Ideen und eine kleine Überraschung. Denn auch wenn Umwelt- und Klimathemen im Fokus des Tages standen, erntete ein Anliegen aus dem Workshop zum Thema Gleichberechtigung den größten Applaus und zeigte damit, welche Themen für die anwesenden Jugendlichen besonders dringlich sind.

Das Ergebnis: Junge Leute, die dunkle Haare und eine dunklere Haut haben, möchten nicht ständig als Erste und dann auch noch besonders gründlich von der Polizei kontrolliert werden. „Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, weiß ich, dass die mich als Erstes rauspicken, weil ich schwarze Haare, einen Bart habe und Käppi trage“, erzählte einer der Teilnehmer. Das einstimmige Nicken der anderen Teilnehmer*innen zeigte, wie akut das Thema im Alltag vieler ist. „Der Generalverdacht stört die jungen Leute am meisten. Hier sind wir von Gleichberechtigung noch recht weit entfernt“, resümieren die HIGH FIVE-Projektleiterinnen Anja Fiedler und Gruscha Rode.

Ein wichtiges Forum zum Austausch

Und was wollen die Jugendlichen dagegen tun? Ideen gibt es genug: In der (Berufs-) Schule ein Fach zum Thema „Meine Rechte“, damit jede/r weiß, wo die eigenen Rechte und Pflichten liegen.  Oder allen unschuldig Beschuldigten einen kostenlosen Rechtsbeistand ermöglichen. Oder die Begegnung der Jugendlichen mit Polizisten ermöglichen, damit beide Seiten ihre Wahrnehmung austauschen und hinterfragen können. Wir haben verstanden: Die Welt, in der ihr leben wollt, soll vor allem gleichberechtigter sein. Und dafür wird sich SOS-Kinderdorf Berlin gemeinsam mit den Jugendlichen weiter auf den Weg machen.

Die 2. Moabiter Jugendversammlung hat, wie auch ihre Vorgängerin im vergangenen Jahr zum Thema Wohnungsnot, gezeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen ein Forum zum Austausch und zur Meinungsbildung zu geben. Der Tag hat die Projektmacher*innen erneut in ihrem Engagement bestärkt und macht neugierig auf das von den Jugendlichen inspirierte Thema im nächsten Jahr.

„HIGH FIVE! jugendrechte im quartier“ wird im Rahmen des Programms Bildung im Quartier von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen aus EFRE-Mitteln gefördert.