Aktuelles

Angekommen in der Arbeitswelt 

7. Februar 2019

Das Modellprojekt EVEREST für junge Geflüchtete zieht positive Zwischenbilanz und hat gute Aussichten für die Zukunft

Projekt Everest

In der Berufsorientierung steht im Modellprojekt EVEREST auch das Praxisfeld „Handwerk“ im Mittelpunkt.

Vor mehr als zwei Jahren startete das Modellprojekt EVEREST mit dem Ziel, junge geflüchtete Menschen zwischen 17 und 27 Jahren erfolgreich in Ausbildung und sozialversicherungspflichtige Arbeit zu vermitteln. Das Projekt der Jugendberufshilfe tragen die Kooperationspartner Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, das SOS-Kinderdorf Berlin, Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH, Charité CFM, BSR sowie die VHS Berlin Mitte. Jetzt ziehen die Partner nach 24 Monaten eine erfreuliche Zwischenbilanz, denn sie konnten bisher 15 junge Geflüchtete so qualifizieren, dass sie in betriebliche Ausbildung oder Arbeit übergehen konnten. Aktuell nehmen 38 Geflüchtete an EVEREST teil.

Senatsverwaltung Bildung, Jugend und Familie, Abt. III, Joachim Gröschke: "Die gesellschaftliche und berufliche Integration von jungen Geflüchteten steht auf unserer Agenda ganz oben. Das Modellprojekt EVEREST ist dafür ein sehr gelungenes Beispiel, denn von der Berufsvorbereitung bis zum Arbeits- bzw. Ausbildungsvertrag ziehen alle an einem Strang. Daher ist es auch notwendig, mit EVEREST aus der Modellphase in die Regelfinanzierung zu gehen.“

In 12 bis 18 Monaten durchlaufen die TeilnehmerInnen verschiedene Projektphasen. In der ersten Orientierungsphase  können sie sich im SOS-Kinderdorf Berlin in den Berufsfeldern „Gesundheit, Soziales, Pflege“, „Gastronomie/Hauswirtschaft“ oder „Handwerk“ auf den Einstieg vorbereiten. Dabei werden die EVEREST-Teilnehmenden sozialpädagogisch, schulisch und psychologisch durch das SOS-Kinderdorf Berlin begleitet und gefördert.

Nach der Orientierungsphase geht es unmittelbar in die Praxisphase bei den beteiligten Kooperationsunternehmen BSR, Charité CFM und Vivantes. Mit dem Ziel der betrieblichen Anbindung stehen den Teilnehmer*innen u.a. die Berufsfelder Büro/Verwaltung, IT, Gastronomie, Logistik oder Pflege offen. SOS-Kinderdorf  Berlin bleibt während der Praktika- und Ausbildungszeit fester Ansprechpartner für die jungen Geflüchteten.

SOS-Kinderdorf Berlin, Nicole Bethke, Bereichsleiterin Ausbildung und Qualifizierung: „Die Betriebe unserer Kooperationspartner sind sehr geeignet, um die Integration von Geflüchteten in der Berliner Arbeitswelt zu ermöglichen. Durch die Begleitung unserer pädagogischen Fachkräfte und das Feedback der Kooperationsunternehmen wächst bei den EVEREST-Teilnehmer*innen das Vertrauen in das eigene Können. Sie werden von Tag zu Tag selbstbewusster und motivierter.“

Die Bestätigung, die viele Teilnehmende während ihrer Praxisphase bei den Kooperationsunternehmen erfahren, bestärkt sie in ihrem beruflichen Weg. Wie z.B. Laila D.* (20) aus dem Libanon. 2013 kam sie als unbegleitete Geflüchtete nach Berlin. Ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, aber mit einer Duldung und dem Wunsch, im Gesundheitsbereich zu arbeiten, begann sie im März 2018 bei EVEREST. Seit Oktober 2018 ist sie glückliche Auszubildende bei Vivantes in der Gesundheits- und Krankenpflege.

Vivantes, Dr. Hagen Tuschke, Diplompflegepädagoge am Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen: „Laila* ist ein gutes Beispiel für das überzeugende Konzept von EVEREST. Die jungen Menschen bereiten sich gut auf die Ausbildung vor und loten aus, wo ihre Stärken und Interessen liegen. Das ist für beide Seiten ein Gewinn: Laila hat bei Vivantes eine sinnstiftende, erfüllende Tätigkeit gefunden und Vivantes braucht Fachkräfte wie diese jungen, motivierten Menschen, die sich bewusst für den Pflegeberuf entschieden haben.“

Ein intensiver Fokus wird auch zukünftig auf die Sprachförderung gelegt, um eine noch bessere arbeitsweltbezogene Sprachkompetenz zu entwickeln. Dafür besteht neben dem Einsatz von Lehrkräften aus dem SOS-Kinderdorf Berlin eine enge Kooperation mit der VHS Berlin Mitte.

VHS Berlin Mitte, Dagmar Müller: „Die deutsche Sprache ist das A und O für die jungen Geflüchteten. Im Kooperationsprojekt EVEREST können wir sehr gut auf den fachspezifischen Sprachgebrauch eingehen und die Teilnehmenden fit machen für ihren jeweiligen Beruf.“

BSR, Virginia Scharkowsky, Personal Entwicklung: „Bei der BSR ist das Konzept ‚Erst Praktikum, dann Ausbildung‘ z.B. bei Hani B. aus Syrien voll aufgegangen. Im letzten September hat er seinen Ausbildungsvertrag als Informatikkaufmann bei der BSR unterschrieben, nachdem er vorher bei uns ein zweimonatiges Praktikum sowie die Einstiegsqualifizierung von zwölf Monaten absolviert hatte.“

Charité CFM, Monika Wilczek, Stabstelle Ausbildung: „Die Qualifizierung von Geflüchteten verläuft im Projekt EVEREST auch für unser Unternehmen beeindruckend gut. Dieses Fazit lässt sich zwei Jahre nach dem Start des Modellprojektes ziehen. Unsere Bereiche Logistik und Catering eignen sich sehr gut für den Berufseinstieg der jungen Geflüchteten und sie kommen ja auch gut vorbereitet durch SOS-Kinderdorf und VHS zu uns.“

Alle Kooperationspartner sind sich einig: Nach der erfolgreichen Modellphase planen sie, EVEREST fest zu etablieren. Eine Regelfinanzierung nach § 13 (2) Sozialgesetzbuch VIII ist spätestens für den Herbst 2019 vorgesehen. Die sehr hohe Nachfrage der Berliner Jugendämter und der regionalen Standorte der Jugendberufsagentur nach Integrationsangeboten für junge Menschen mit Fluchthintergrund rechtfertigt diesen Schritt. EVEREST zeigt, dass Erfolge möglich sind, wenn die Berliner Jugendverwaltung gemeinsam mit Unternehmen und sozialen Trägern partnerschaftlich das Thema Integration von jungen Geflüchteten angeht.

*Name geändert

[---Image_alt---] Projekt Everest (2)

„Gesundheit und Pflege“ sind ein weiteres Praxisfeld, in dem sich die EVEREST-Teilnehmer erproben können.