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Aktuelles

SOS-Familien- und Erziehungsberatungsstelle Landsberg

20. Juli 2020

Leitungswechsel in der SOS-Kinderdorf Familien- und Erziehungberatungsstelle Landsberg

Margit Erades-Peterhoff (vorne rechts) übergibt Maria Stock (vorne links) den Staffelstab. Mit dabei sind Einrichtungsleiter Andreas Brommont (links), sowie das gesamte Team der Landsberger SOS-Familien- und Erziehungsberatungsstelle und der Fachstelle SeM.

Margit Erades-Peterhoff übergibt die Leitung der Landsberger Einrichtung an Sozialpädagogin Maria Stock

In diesen Tagen hat die langjährige Leiterin der Landsberger SOS-Familien- und Erziehungsberatungsstelle und Beratungsstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt, Margit Erades-Peterhoff, den Staffelstab an ihre Nachfolgerin Maria Stock übergeben. Erades-Peterhoff, die seit 2004 bei SOS-Kinderdorf tätig ist, geht in den Ruhestand.

Die ursprünglich aus München stammende Diplom-Psychologin lebte und arbeitete viele Jahre in Bonn, bevor sie mit ihrer Familie in ihre neue Wahlheimat Dießen zog, um bei SOS-Kinderdorf den psychologischen Fachdienst zu etablieren. In diesem Zuge sollte sie überprüfen, wie eine Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle in Landsberg, die ebenfalls 2004 mit SOS-Kinderdorf fusionierte, aussehen könne. Die vielfältige Arbeit mit den sehr unterschiedlichen Klienten in Landsberg gefiel ihr so gut, dass sie zwei Jahre später intern dorthin wechselte. „Das hat von Anfang an gut gepasst“, erinnert sich Erades-Peterhoff.

Wenn sie von ihrem Leben erzählt, erkennt man schnell ihr großes Interesse und ihre Neugier an Menschen. Neben ihrer Ausbildung als Psychologin und Psychotherapeutin hat sie sich in vielen Bereichen, wie Heilpädagogik, Familien- und Verhaltenstherapie, Mediation fortgebildet. „Mich interessiert, wie Menschen sind, was sie bewegt und welche Motivation sie haben“, so Erades-Peterhoff. Ihre beruflichen Sternstunden erlebte sie, wenn sie Klienten und Familien in für sie scheinbar ausweglosen Situationen durch wenige Sitzungen und Hilfestellungen helfen konnte.

Netzwerkarbeit mit Partnern im Landkreis

Sie ist stolz darauf, dass die Familien- und Erziehungsberatungsstelle im Landkreis „so gut eingesessen“ ist und sich nun schon die zweite und sogar dritte Familiengeneration hier beraten und helfen lässt. 2014 übernahm Erades-Peterhoff die Leitung. Dabei wurde die Netzwerkarbeit zu ihrem Steckenpferd. „Kurze Wege sind wichtig, um die Klienten in den unterschiedlichsten Lebenslagen zu unterstützen.“ Daher war sie in verschiedenen Arbeitskreisen aktiv und arbeitete mit Lehrern, Kinderpsychologen, dem Jugendamt, Jugendsozialarbeitern, Rechtsanwälten und Gerichten eng zusammen. Ihre beruflichen Herausforderungen umfassten Schrei- und Trotzphasen bei Kleinkindern, Ess- und Lernstörungen, Leistungsängste und Schulverweigerung, Trennungs- und Scheidungsthemen, verschiedene Suchtproblematiken sowie Mobbing bis hin zu Gewaltsituationen in der Schule und zu Hause. 

Dabei berichtet sie, dass im Vergleich zu den Anfängen die Unterstützung bei Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung sehr stark zugenommen habe. „Die Eltern sind heute mit Doppelt- und Dreifachbelastung oft sehr gefordert und manchmal so überfordert, dass sie für die Erziehung und Versorgung der Kinder nicht mehr ausreichend Energie und Zeit haben“, erklärt Erades-Peterhoff die Veränderung. Daher kann sie auch bis heute nicht nachvollziehen, warum vor einigen Jahren trotz dieser steigenden Problematik in einem Landkreis mit kontinuierlichem Familienzuzug Stellen in der Einrichtung durch Einsparungen gestrichen werden mussten. „Notwendig wäre eigentlich ein Mitwachsen gewesen“, so die ehemalige Leitung der Fachstelle.

Neue Leitung möchte Familien leichten Zugang bieten

Zusätzliche Mitarbeiter seien auch in der Fachstelle SeM - für Betroffene von sexualisierter Gewalt im Kindes-, Jugend- und jungem Erwachsenenalter dringend notwendig. Da eine solche Anlaufstelle im Landkreis fehlte, wurde diese Einrichtung 2016 bei SOS-Kinderdorf unter der Leitung von Erades-Peterhoff mit nur einer Fachkraft in Teilzeit etabliert. Die Kapazitäten seien jedoch viel zu gering.

Doch dieser und vielen anderen Herausforderungen wird sich nun die Nachfolgerin von Margit Erades-Peterhoff widmen. Auf die Diplom-Sozialpädagogin Maria Stock warten große Aufgaben. Durch die Folgen der Corona-Pandemie war die Übergabe anders, als ursprünglich geplant. Doch Stock, die schon seit 20 Jahren für SOS-Kinderdorf tätig und seit eineinhalb Jahren Mitarbeiterin der Beratungsstelle ist, kennt die Einrichtung gut. Auch sie bringt einen großen Rucksack mit Erfahrungen, zum Beispiel in der Familien- und Traumatherapie, in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Migranten sowie als Fachkraft für Kinderschutz und Qualitätskoordination mit.

Ihr ist wichtig, dass die Angebote, sei es die Familien- und Erziehungsberatungsstelle oder die Fachstelle SeM, leicht zugängig bleiben. Die Menschen in schweren Lebensphasen sollen es nicht schwer haben, Hilfe zu bekommen. So sei eine zeitnahe und ressourcenorientierte Grundversorgung für Familien in prekären Situationen ein zeitgemäßes Angebot, das weiter ausgebaut und angepasst werden solle.

Jeden in seinen Stärken sehen

Wichtig ist Maria Stock zudem die Präventionsarbeit, damit es bei vielen gar nicht erst zu Krisen kommt. „Manchmal hilft eine kleine Außenansicht, um in Familien nachhaltig etwas zu verändern“, so Stock. Da reichten nur wenige Beratungstermine aus. Sie arbeitet, wie ihre Vorgängerin, leidenschaftlich gerne mit Klienten. Jeden in seinen Stärken und nicht in seinen Defiziten zu sehen, ist dabei ihre Herangehensweise. Aber auch auf ihre neuen Leitungsaufgaben freut sie sich. Eine gute Vernetzung mit Partnern aus der Kinder- und Jugendhilfe liegt ihr sehr am Herzen.

Durch die Corona-Pandemie kam für die Beratungsstelle ein weiteres Zukunftsthema auf: die Digitalisierung der Einrichtung. „Wir haben in der Zeit gute Erfahrungen mit Telefon- und Onlineberatung gemacht“, so die neue Fachleitung. „Auch wenn wir in der Einrichtung jetzt wieder, unter Einhaltung aller Hygienevorschriften, vorsichtig zu einem Normalbetrieb zurückgekehrt und Treffen wieder möglich sind, kann ich mir zukünftig auch diese Art von Beratung als Angebot vorstellen.“

Info: Die SOS- Familien- und Erziehungsberatungsstelle und die Fachstelle SeM sind montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr telefonisch unter 08191/911890 zu erreichen. Hier können Kinder, Jugendliche und Eltern mit Sorgen und Problemen einen Termin zu einem ersten Beratungsgespräch vereinbaren. Die Beratung ist kostenfrei.