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„Familien brauchen Wertschätzung“

15. Mai 2019

Heute, am 15. Mai, ist der Internationale Tag der Familie. Die Vereinten Nationen riefen ihn zum ersten Mal 1993 aus, um auf die Bedeutung der Familie als wichtigste Grundeinheit jeder Gesellschaft hinzuweisen. Elke Wimpelberg ist Bereichsleiterin der Interdisziplinäre Frühförderstelle und Frühen Hilfen von SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech und verantwortlich für den Familientreffpunkt MiniMax in der Spöttinger Straße 2a in Landsberg. Sie trifft täglich auf Familien und kennt deren Sorgen, Nöte und Bedürfnisse gut.

Alexandra Brown und Elke Wimpelberg aus dem SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech

Im Elterncafé sind Mütter und Väter mit ihren Babys und Kleinkindern vom Montag bis Freitag nachmittags willkommen. Alexandra Brown (links im Bild) koordiniert den Familientreffpunkt MiniMax, für den Elke Wimpelberg (rechts) zuständig ist.

Frau Wimpelberg, was ist Familie heute?

Es gibt heute ganz viele Formen von familiärem Zusammenhalt. Fast jedes vierte Kind wächst in einer „Einelternfamilie“ auf. Dann gibt es immer mehr Patchwork-Familien und so genannte Regenbogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Außerdem haben wir in Deutschland viele Familien mit ausländischen Wurzeln, die zum Teil ein völlig anderes Kultur- und Erziehungsverständnis mitbringen.

Was hat sich damit für Familien verändert?

Die Gesellschaft hat sich hin zu einer Leistungs- und Konsumgesellschaft gewandelt.

Dies birgt auch ganz erhebliche Veränderung für die Familien. Heute sind Frauen oft ebenso gut ausgebildet, wie ihre Männer, und können ihren Beruf ausüben. Gleichzeitig haben sie nach wie vor und oft in einem wesentlich stärkeren Maße als ihre Partner die Haushalts- und Familienbelastung zu tragen.

Welchen Herausforderungen müssen sich junge Familien in der heutigen Zeit stellen?

Unser ganzes Leben ist vielfältig geworden. So müssen sich Familien mit vielen Herausforderungen auseinandersetzen, wie zum Beispiel hohe Mieten in Städten. Wenn sie alternativ aufs Land ziehen wollen, müssen sie pendeln. Dafür braucht es Infrastruktur. Dann haben etliche Familien ausländische Wurzeln und kämpfen mit Sprachbarrieren oder drohender Armut.

Familien gelten als Sockel unserer Gesellschaft. Was brauchen sie, damit es ihnen gut geht?

In erster Linie brauchen die verschiedenen Familien-Modelle Wertschätzung. Wenn eine Mutter zu Hause bei ihren Kindern bleiben möchte, ist das genauso gesellschaftlich zu akzeptieren und wertzuschätzen wie arbeitenden Mütter, daheimbleibende Väter, Patchwork- Konstrukte etc. Wir müssen ja nicht alle gleich leben, so lange es sich auf der Basis unseres Kinderschutzgesetzes bewegt. Wir brauchen Familien und Familien dürfen durchaus bunt sein!

Wie sieht es mit den Rahmenbedingungen vor Ort aus?

Familien brauchen heute gute Betreuungsmöglichkeiten und eine angemessene Infrastruktur. Die Verantwortlichen kommen nur leider fast nicht mehr hinterher. Wir haben in Landsberg die Situation, dass mehrere Kinderärzte so stark frequentiert sind, dass sie keine neuen Familien mehr aufnehmen können. Auch bei der außerfamiliären Betreuung kommt der Landkreis kaum hinterher. Dazu müssen Räumlichkeiten bereitgestellt werden und man braucht Erzieherinnen und Erzieher. Auch hier gilt, die sozialen Berufe viel mehr wertzuschätzen, sonst wird das niemand mehr machen wollen.

Wie ist die Situation für Familien im Landkreis?

Wenn man die Zahlen von vor vier Jahren mit heute vergleicht ergibt sich ein starker Zuzug in den Landkreis und vor allem in die Stadt Landsberg, insbesondere aus München. Viele pendeln in die Großstädte. Natürlich ist die Infrastruktur in Landsberg grundsätzlich gut, gleichzeitig hat das aber auch zu steigenden Mieten und zu einem Engpass an Betreuungsplätzen für Kinder geführt.

Der Familientreffpunkt MiniMax in Landsberg greift Familien insbesondere mit kleinen Kindern unter die Arme. Welche Art von Unterstützung bieten Sie konkret an?

Wir möchten der zunehmenden Anonymisierung entgegentreten, der Eingewöhnung ganzer Familien im Zuzugsgebiet entgegenkommen und bieten sowohl ein Elterncafé für junge Familien mit kleinen Kindern, als auch Kleinkinderspielgruppen mit und ohne ihre Eltern an. Und wir leisten Integrationsarbeit im Sozialraum, zum Beispiel durch einen kostenlosen Deutschkurs für Frauen mit integrierter Kinderbetreuung.

Was ist der Familientreffpunkt MiniMax genau?

Das Familien- und Beratungszentrum gibt es heuer schon seit 40 Jahren. Aus dem Bereich interdisziplinäre Frühförderstelle hat sich der Familientreffpunkt Minimax entwickelt und ist heute ein völlig eigenständiges Angebot an Familien mit kleinen Kindern. Aus den Wertegrundlagen unseres Trägers, des SOS-Kinderdorfs, heraus, haben wir uns immer stark für die Unterstützung aller Familien eingesetzt. Darum ist beispielsweise das Format Elterntalk ein so großes Erfolgsmodell. Die Eltern können meist in ihrer Muttersprache „talken“. Neben Familien aus dem arabischen und afrikanischen kommen auch viele Familien aus dem innereuropäischen Raum. Für uns steht im Mittelpunkt, die Integration in unser deutsches System und in die deutsche Kultur zu erleichtern und damit einer Parallelgesellschaft entgegenzuwirken. Aber selbstverständlich sind auch deutsche Familien willkommen!

Wer betreut den MiniMax?

Hauptamtliche Koordinatorin ist Sozialpädagogin Alexandra Brown. Sie steckt viel Herzblut in ihre Arbeit. Sie ist die Ansprechpartnerin der Ehrenamtlichen. Die Ehrenamtlichen sind unser Kapital, aus der eine Struktur wie der MiniMax schöpft. Ohne sie ginge es nicht. Ganz oft werden Frauen, die sich gute Deutschkenntnisse angeeignet haben, unser Spielgruppenleiterinnen. So ist es ein wunderbares Geben und Nehmen.

Wie können interessierte Familien Kontakt mit dem Familientreffpunkt aufnehmen?

Eltern können mit ihren Babys und Kleinkindern einfach und unkompliziert in die Spöttinger Straße 2a kommen und das Angebot Elterncafé von Montag bis Freitag von 15.30 bis 18 Uhr kennenlernen. Hier gibt es für sie Kaffee sowie selbstgebackenen Kuchen zum Selbstkostenpreis und ein Spielzimmer für die Kleinen. Die Eltern können sich so ungezwungen und entspannt kennenlernen und über ihre oft ähnlichen Situationen in ihren Familien ins Gespräch kommen. Zu sehen, dass die anderen Mütter und Väter, trotz vielleicht unterschiedlicher Familiensituation, vor ähnlichen Herausforderungen stehen, erleichtert vielen den Alltag.

So erreichen Sie uns

SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech
Einrichtungsleitung: Andreas Brommont

Hermann-Gmeiner-Straße 1
86911 Dießen

Telefon: 08807 9241-0
Fax: 08807 9241-28
kd-ammersee@sos-kinderdorf.de

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