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Aktuelles

Von der Straße zum Bestsellerautor

20. April 2021

Gut zu wissen

  • Corona-bedingte Verschiebung der Lesung von 6.5. auf einen späteren Zeitpunkt
  • Weitere Informationen bis Ende Juni hier!
  • Lesetipp für die Wartezeit: Dominik Bloh, „Unter Palmen aus Stahl. Die Geschichte eines Straßenjungen“, Ankerherz Verlag, 2017

Die Autobiografie des früheren Straßenjugendlichen Dominik Bloh ist ein Augenöffner

Für viele Menschen ist es unbegreiflich, wieso in Deutschland jemand auf der Straße leben muss. Besonders, wenn es um Straßenjugendliche und junge Erwachsene geht: „Wie kann es so weit kommen?“ Wer die Geschichte von Dominik Bloh kennt, versteht es besser. Der inzwischen 32-Jährige landete mit 16 Jahren zum ersten Mal auf der Straße. In seiner Autobiografie zeigt er sich heute als begabter Erzähler, in seinen Lesungen reißt er mit.

Autor Dominik Bloh

„Unter Palmen aus Stahl“ beginnt mit Dominiks Kindheit. Die endet spätestens, als ihn seine Mutter auf die Straße setzt – einen 16-Jährigen, der nun heimlich in Schrebergärten übernachtet und es in den nächsten Jahren trotzdem schaffen wird, sein Abi zu bestehen.

Dominik Blohs Worte sind klar, prägnant, frei von Gefühlen oder Interpretationen. Fast so, als habe er das Geschilderte nicht selbst erlebt, sondern von außen beobachtet. Er erzählt von seiner Mutter, die jeden Cent umdrehen muss, um das Leben der Familie zu finanzieren. Die trinkt, den Sohn erst sich selbst überlässt und später von einer psychologischen Praxis zur nächsten schickt, überzeugt, dass er „das Problem“ sei. Bis einer der Psychologen sagt, er mache sich Sorgen um sie, nicht den Jungen.

Emotionale Armut als Auslöser

Er erzählt von seinen Vätern: Von dem leiblichen, den er nie kennenlernte, nur einmal hört er seine tiefe Stimme auf dem Anrufbeantworter. Vom Stiefvater, der ihn schlägt, mit der Hand, mit der Faust, mit Gegenständen. Und vom Opa, der ihn liebt, wie er ist, der für ihn kocht und ihn schützt, wie ein echter Vater – bis die Oma stirbt, und er nicht mehr kann.

Ausgebremst durch einen Teufelskreis der Regularien

Und dann „Vater Staat“. Das sind Menschen, die ihn mit 18 Jahren aus dem betreuten Wohnen in eine eigene Bruchbude schicken, unmöbliert, ohne Heizung, eine Stunde Bahnfahrt vom Gymnasium entfernt. Die ihm nicht glauben, dass er in seiner Wohnung lebt – weil dort nur eine Matratze und eine Tasche mit Habseligkeiten liegen. Deshalb bekommt er kein Hartz IV ausbezahlt, sondern bloß Lebensmittelgutscheine.

Immer wieder findet sich Dominik Bloh als drogendealender Kleinkrimineller oder auf der Straße wieder. An seiner Geschichte wird der Kreislauf der Armut klar: „Ohne Job, keine Wohnung. Also arbeiten, aber der Arbeitgeber braucht meine Steuernummer. Die bekomme ich beim Amt, aber nur mit gültigem Ausweis. Der vorläufige Ausweis gilt drei Monate, dann muss ich wieder einen neuen beantragen. Der Antrag kostet zehn Euro, der Ausweis 50, die Bilder sechs Euro. Bis ich die Bürokratiehürde übersprungen habe, ist der Job weg.“

Er hat es geschafft und will helfen!

In kleinen Schritten kämpft Dominik Bloh sich in ein neues Leben. Heute engagiert er sich für obdachlose junge Menschen in Norddeutschland, unterrichtet Schulabbrecher*innen in Deutsch und Englisch. „Ich will Lust am Lernen wecken!“, sagt er.

Er fasst in Worte, was auch Straßenjugendliche in Freiburg erleben – und zeigt, wieso es lohnt, an ihre Kompetenz zu glauben und sie nicht fallenzulassen!