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Aktuelles

Aufruf anlässlich des Weltjugendtages am 12. August

11. August 2020

Straßenjugendliche brauchen mehr Perspektiven und Orientierung 

Rund 37000 junge Menschen* leben in Deutschland auf der Straße. Sie erleben die prägenden Jugendjahre ohne festen Wohnsitz, ohne verlässliche Bezugspersonen und ohne in Schule oder Ausbildung eingebunden zu sein. Darauf weist SOS-Kinderdorf e.V. zusammen mit der Freiburger StraßenSchule anlässlich des Internationalen Tags der Jugend am 12. August hin. „Jugendhilfe und Politik müssen die prekäre Situation von Straßenjugendlichen in Deutschland stärker in den Blick nehmen. Diese jungen Menschen brauchen die Perspektive auf ein abgesichertes und selbstbestimmtes Leben“, sagt Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts des SOS-Kinderdorf e.V.

Zwei junge Menschen sitzen auf einer Türschwelle und unterhalten sich

In Deutschland sind etwa 37.000 junge Menschen unter 27 Jahren wohnungs- oder obdachlos, davon sind etwa 7.000 noch minderjährig, so das Deutsche Jugendinstitut (DJI).

Der Internationale Tag der Jugend wurde 1985 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und erinnert an die Bedeutung der Jugend als wichtige Lebensphase. Schätzungen des Deutschen Jugendinstituts zufolge erleben allerdings rund 37000 junge Menschen bis zum Alter von 27 Jahren, davon ca. 7000 sogar unter 18 Jahren, diese so prägende Zeit ohne gesicherte Wohnsituation. „Die Jugend ist für das weitere Leben eine essentielle Phase. In diesen jungen Jahren komplett auf sich gestellt zu sein, ohne soziale Einbindung und Unterstützung von daheim oder durch die Jugendhilfe, kann eine Hypothek für das ganze Leben sein“, warnt Teuber davor, die jungen Menschen in diesen prekären Umständen allein zu lassen.

Wohnungslosigkeit bei Jugendlichen stärker in den Blick nehmen!

„Es braucht eine intensive Begleitung für betroffene junge Menschen durch speziell ausgebildete Sozialarbeiter*innen, um einfühlsam und gemeinsam mit ihnen Perspektiven abseits der Straße zu entwickeln“, appelliert Teuber an die Verantwortung der Jugendhilfe. Dem Thema Wohnungslosigkeit bei jungen Menschen werde fachlich und öffentlich noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Zuständigkeiten innerhalb des sozialen Sektors seien ungeklärt, niedrigschwellige Angebote wie Streetwork oder speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnittene Jugendtreffs seien oftmals unzureichend ausgebaut und unterfinanziert, so die Expertin.

Jugendliche in ausweglosen Situationen fliehen auf die Straße

Viele der betroffenen jungen Menschen haben Erfahrungen von Armut, häuslicher Gewalt, Verwahrlosung und Beziehungsabbrüchen gemacht. Manche haben verschiedene Stationen in der stationären Jugendhilfe, zum Beispiel in Pflegefamilien oder Heimen, hinter sich oder sind als so genannte Care Leaver mit der Volljährigkeit aus dem Jugendhilfesystem herausgefallen. All das bringt Jugendliche dazu, sich von dem, was man gemeinhin unter „normalen Lebensumständen“ versteht, abzuwenden. Das Leben auf der Straße – oder in vielen Fäl-en auch, das Leben „mal hier, mal dort“, bei Freunden, beim Couchsurfing, bei Bekanntschaften – ist ein Leben im Verborgenen und schließt die Betroffenen zunehmend aus der Gesellschaft aus. Der Weg zurück ist oft nicht gewollt oder sehr schwer

Freiburger StraßenSchule ist für wohnungslose junge Menschen da

In Freiburg kümmert sich der SOS-Kinderdorfverein zusammen mit dem Freiburger StraßenSchule e.V. seit vielen Jahren mit niedrigschwelligen Angeboten um diese vernachlässigte Gruppe Heranwachsender. Mit Streetwork und einer festen wie einer mobilen Anlaufstelle für die Betroffenen sowie individuellen Beratungshilfen begleitet die "Freiburger StraßenSchule" jährlich rund 500 Straßenjugendliche. Auch das SOS-Kinderdorf Saarbrücken unterstützt wohnungslose Jugendliche mit Streetwork und bietet in einem offenen Jugendtreff Beratung und Orientierung. Wenn die Jugendlichen wieder Vertrauen in sich selbst und das Umfeld gefasst haben, können sie an speziell auf sie zugeschnittenen Angeboten der Ausbildungsvorbereitung/-hinführung teilnehmen.

* Alle Zahlen stammen aus dem Bericht des Deutschen Jugendinstituts, München, 2017