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Portrait

SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth - Ein Ort zum Leben

Die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth liegt oberhalb von Rieneck bei Gemünden am Main. Sie entstand im Jahr 1978 aus dem ehemaligen Hofgut „Hohenroth“. Mittlerweile wird eine Fläche von 100 Hektar Äcker, Wiesen und Wald bewirtschaftet. In der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth leben in 21 Wohnhäusern 162 erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung in Hausgemeinschaften zusammen. Betreut werden sie von Hauseltern, die gemeinsam mit ihren Kindern in den Hausgemeinschaften wohnen.

Zur Dorfgemeinschaft Hohenroth gehören auch der Zollberghof sowie der Talhof in Schaippach und die Villa Adelmann in Burgsinn. Hohenroth ist ein Ort zum Leben, ist Heimat. Zusammen wohnen, miteinander arbeiten, gemeinsam Kulturelles schaffen – das sind die drei wesentlichen Elemente der SOS-Dorfgemeinschaft. Hier gehen eine christliche Grundhaltung, ein humanistischer Geist und die anthroposophische Sozialtherapie eine enge Verbindung ein. Die äußere Gesamtgestaltung des Dorfes und die Architektur der Wohnhäuser und der Arbeitsstätten unterstützen die Anliegen der Dorfgemeinschaft. Hier hat eine menschengemäße Bauweise eine wichtige therapeutische Funktion.

In der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth werden Milchkühe nach biologisch-dynamischen Richtlinien gehalten, Brot in der eigenen Bäckerei gebacken und Milch in der dorfeigenen Molkerei verarbeitet. Naturbelassene Lebensmittel kommen auch aus dem großen Bereich der Gärtnerei. DEMETER – ist unser Qualitätssiegel. Dieser Bio-Qualität sehen wir uns verpflichtet. Die Hohenrother Erzeugnisse erfreuen sich großer Nachfrage.

Unsere Ziele

Ziel der Betreuung und Begleitung in der Dorfgemeinschaft ist, den Menschen mit Behinderung in seiner individuellen Würde zu achten und ihm ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen. In den Dorf-eigenen Werkstätten wird jeder entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt und gefördert.

In der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth leben und arbeiten 150 erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung in 19 Hausgemeinschaften, mit jeweils einem Hauselternpaar und deren Kindern, in familienähnlichen Strukturen zusammen.

Auf dem Zollberg drei Kilometer von Hohenroth entfernt, befindet sich eine weitere Hausgemeinschaft für acht Bewohner mit einer Milchschafehaltung als Arbeitsfeld. Seit 2003 betreiben wir auf unserem denkmalgeschützten Talhof eine Außenwohngruppe für sechs Bewohner.

In mehr als zwölf Arbeitsbereichen und Werkstätten können unsere Menschen einer sinnvollen Arbeit, entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten nachgehen. Jeder Mensch wird als Persönlichkeit ernst genommen, auch wenn er seine Kräfte nur zu einem Teil einsetzen kann. Unterstützt und begleitet werden die zu betreuenden Mitbewohner von qualifizierten Fachkräften. Alle haben in Hohenroth vielfältige Möglichkeiten, mitzugestalten und mitzuwirken. 

Unsere Ziele sind:

  • den Menschen mit Behinderung in seiner individuellen Würde zu achten und ihm ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen
  • "die vorhandene Behinderung und deren Folgen zu beseitigen oder zu mildern, dem behinderten Menschen die Ausübung einer angemessenen Tätigkeit zu ermöglichen und ihn soweit wie möglich unabhängig von Pflege zu erhalten" (SGB XII). Notwendige, anfallende Pflege ist integraler Bestandteil der ganzheitlichen Betreuung in den Hausgemeinschaften.
  • die angemessene Teilhabe und Mitwirkung im Gemeinwesen Dorfgemeinschaft und darüber hinaus in der umgebenden Region.

Inklusion - Einbeziehung ist der Fachbegriff dazu.

Die Grundlage, dieses Ziel zu erreichen, bilden aufeinander abgestimmte Hilfs-, Unterstützungs- und Fördermaßnahmen. Die Perspektive des Aufenthalts ist langfristig: Ab Volljährigkeit und auch über das Erreichen des Rentenalters hinaus sowie bei Eintreten von Pflegebedürftigkeit können betreute Menschen, soweit irgend möglich, im Dorf bleiben.

Zielgruppen

In die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth aufgenommen, werden Frauen und Männer mit geistigen Behinderungen und / oder Mehrfachbehinderungen ab dem 18. Lebensjahr. Voraussetzung ist die Beendigung der Schulpflicht. 

Vorrangig wird die Dorfgemeinschaft solchen Menschen Hilfe anbieten, für die eine Beheimatung auf Dauer der vorausschaubaren Lebensperspektive entspricht und deren Hilfe durch eine familienähnliche Lebens- und Dorfgemeinschaft besonders gut entsprochen werden kann. Die betreuten Bewohner sollten mindestens zu geringen Arbeitsleistungen befähigt sein und mit den besonderen Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen des Dorfes gefördert werden können.

Zusammenleben

In den 20 familienähnlichen Hausgemeinschaften leben gemeinsam jeweils acht bis zehn Menschen mit geistiger Behinderung (Männer und Frauen) und ein Ehepaar (Hauseltern) und dessen Familie. Eine Familienhelferin, die die Hauseltern vertritt (20 Stunden pro Woche), eine Haushaltshilfe (18 Stunden pro Woche) und gegebenenfalls eine Praktikantin oder ein Zivildienstleistender ergänzen die Hausgemeinschaft.  

In einer Hausgemeinschaft werden Wohnmöglichkeiten angeboten, die einerseits Autonomie, andererseits soziale Bindungen fördern. Der behinderte Mensch findet einen Lebensrhythmus vor, der ihm das Leben überschaubar macht, innere Kräfte in ihm weckt und ein Grundvertrauen zu seiner Lebensführung in ihm stärkt und aufrechterhält. Er wird dabei vorrangig von den Hauseltern als verlässliche Bezugspersonen begleitet.

Sie vermitteln Sicherheit und Rückhalt und geben ihm bei der Erfüllung seiner Aufgaben Unterstützung. Sie tragen Sorge für sein körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden. Sie geben in diesem Rahmen Hilfen zur Orientierung in Raum und Zeit, zum Umgang mit Geld und Besitz, bei der Beziehungsgestaltung, bei der Kompensierung der Behinderungen und der Entwicklung der vorhandenen Talente.

Aufnahme

Sie interessieren sich für die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth? Hier finden Sie alle Informationen zu unserem Aufnahmeverfahren.

Das Aufnahmeverfahren sieht vor: Vorlage eines Aufnahmeantrages (durch Eltern, gesetzliche Betreuer) mit ausführlichen Unterlagen. Bei freier Platzkapazität entscheidet die Dorfleitung unter Einbeziehung eines Aufnahmegremiums über einen Vorstellungstermin. Dem Aufnahmeersuchen und Vorstellungsgespräch in der Dorfgemeinschaft folgt verpflichtend ein vierwöchiger probeweise Eingliederungsaufenthalt. Er dient dazu, im Rahmen der Hilfekonzeption und einer Förderplanung abzuklären, ob das Leistungsangebot der Einrichtung und der Hilfebedarf des Bewerbers übereinstimmen. Dies ist sowohl für die persönliche Perspektive des behinderten Menschen notwendig, als auch für die Kostenträger aus wirtschaftlicher Sicht langfristig ein Vorteil.

Erst danach ist eine endgültige Aufnahmezusage möglich. Die Aufnahme erfolgt nach Eingang der entsprechenden Kostenzusicherung durch den zuständigen überörtlichen Sozialhilfeträger der aufzunehmenden Person. Bei Aufnahme wird zwischen dem künftigen Bewohner, dem gesetzlichen Betreuer und der Dorfgemeinschaft Hohenroth ein Heimvertrag geschlossen, der Leistungen und Verfahrensregelungen beinhaltet.

Angehörige

Die Pflege des Kontaktes der behinderten Menschen mit ihren Eltern, Geschwistern, Verwandten, gesetzlichen Betreuern und Freunden gehört wesentlich zum Konzept der Dorfgemeinschaft. Gleichzeitig tragen wir Sorge für das Gelingen einer gesunden Ablösung von Seiten des Elternhauses als Grundlage für eine möglichst eigenständige erwachsene Lebensführung im Rahmen der Möglichkeiten der Betreuten. 

Von Seiten der Einrichtung gibt es regelmäßige informelle und formelle Kontakt- und Austauschmöglichkeiten sowie das Angebot individueller Beratungsgespräche. Die Ablösung vom Elternhaus und das Einleben in die Dorfgemeinschaft sind immer mit persönlichen Entwicklungen verbunden. Dabei zu vermitteln, dadurch ggf. entstehende Konflikte zu bearbeiten und Angehörige wie Bewohner beratend zu begleiten, ist Aufgabe der Dorfgemeinschaft.

Die Beziehungen der betreuten Mitbewohner zu ihren Familien und Bezugspersonen werden unterstützt und gefördert. Diese werden in vielen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft (kulturelle Veranstaltungen, Jahresfeste, Arbeitskreise) einbezogen und z. B. durch eine Dorfzeitung über das Leben der Dorfgemeinschaft informiert. Ein Angehörigenrat aus Vertretern des Angehörigen- oder Betreuerkreises steht unterstützend zur Verfügung. Regelmäßig treffen sich der Angehörigen- und Bewohnerrat der SOS-Dorfgemeinschaft und beraten über Aufgaben zur Unterstützung bei der Gestaltung des Lebens in der Dorfgemeinschaft. Ebenso gibt es regionale Elternkreise (Oberbayern, Franken, Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Norddeutschland). Im Falle des Todes von Angehörigen begleiten die Mitarbeiter der Dorfgemeinschaft die betroffenen Bewohner in der Trauerarbeit.

Integration

Die in der SOS-Dorfgemeinschaft lebenden Menschen sind in die Nachbarschaft eingebunden. Die Bewohner und Mitarbeiter nehmen Anteil am gesellschaftlichen Leben, zum Beispiel durch Verbindung zu Kirchengemeinden und Freizeitgruppen, durch kulturelle Veranstaltungen in und außerhalb der Dorfgemeinschaft. 

Ein Teil der fest angestellten Mitarbeiter wohnt außerhalb der Einrichtung, damit wird die Vernetzung der Dorfgemeinschaft mit dem Umfeld unterstützt. Umgekehrt ist Integration und Normalität dadurch verwirklicht, dass nichtbehinderte Mitarbeiter und deren Kinder im Dorf wohnen und hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Auch die Auslieferung und der Verkauf der Produkte ermöglichen gegenseitiges Wahrnehmen und Kontakte.

Das öffentliche Café und der sich daran anschließende Naturkostladen sowie der große Veranstaltungssaal bieten weitere Möglichkeiten der Begegnung von Menschen der Umgebung, den Besuchern und den Bewohnern der Dorfgemeinschaft.

Lebensort

Die Feste im Jahreslauf sind Höhepunkte des Lebens in der SOS-Dorfgemeinschaft. Feste beglücken Körper, Seele und Geist. Sie verbinden uns Menschen durch gemeinsam erlebte Freude zu einer Gemeinschaft. Diese Ereignisse heben uns aus dem Alltag heraus. Jeder Mensch wird als Persönlichkeit ernst genommen - auch wenn er seine Kräfte nur zu einem Teil einsetzen kann. 

Unterstützt und begleitet werden die zu betreuenden Mitbewohner von qualifizierten Fachkräften. Diese sehen ihre Aufgabe darin, den einzelnen Menschen in seinem Streben nach Selbstständigkeit und Selbstbewusstheit zu unterstützen und zusammen mit ihm und anderen ein Miteinander zu schaffen, das die unterschiedlichen Lebenssituationen zu einer Einheit verbindet. Die Angehörigen sind in Entwicklungsprozesse eingebunden.

Der Bewohnerrat und der Angehörigenrat sind soziale Mitgestaltungskräfte in der Dorfgemeinschaft. Für die Dorfältesten wird gemeinsam gesorgt. Die Stiftung „Hohenroth – Heimat im Alter“ trägt dazu bei. Voraussetzung für eine Aufnahme in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth ist, dass der Mensch mit geistiger Behinderung in einem gewissen Rahmen gemeinschaftsfähig ist und mitarbeiten kann.

Finanzierung

Zwischen der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth und dem Bezirk Unterfranken als zuständiger überörtlicher Sozialhilfeträger besteht eine Leistungsentgeltvereinbarung. Die Arbeitserlöse der SOS-Dorfgemeinschaft sind Bestandteil der Finanzierung. Spendenmittel des SOS-Kinderdorf e.V. gewährleisten die besondere Qualität der Betreuungsform der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth.

Konzept

Unsere Arbeitsbereiche sind ökologisch, wirtschaftlich und menschenwürdig gestaltet und zeichnen sich durch folgende Kriterien aus:

  • Große Bandbreite unterschiedlicher Arbeitsstätten und Handwerksbetriebe
  • Möglichkeit, in verschiedenen Tätigkeitsfeldern zu arbeiten
  • überschaubare Arbeitsgruppen
  • zeitlich begrenzte Ausgleichsarbeiten zur Abwechslung im Arbeitsalltag
  • Verzahnung der Arbeitsstätten untereinander
  • Integration in eine natürliche Umwelt
  • Strukturierung der Arbeit durch wiederkehrende alltägliche Abläufe und jahreszeitliche Rhythmen
  • Gleichgewicht zwischen produktiver Arbeit und einem möglichst hohen Maß an Förderung der Betreuten (angepasste Arbeit)

"Societas Socialis": Menschen mit geistigen Behinderungen können hier selbständig leben und gleichzeitig Geborgenheit und Unterstützung erfahren.

So erreichen Sie uns

SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth
Einrichtungsleitung: Mario Kölbl

Hohenroth 4
97737 Gemünden am Main

Telefon: 09354 9099-0 *
Fax: 09354 9099-18
dg-hohenroth@sos-kinderdorf.de

* Unser Telefon ist besetzt:
Mo. – Do.: 8:00 – 16:30 Uhr
Fr.: 8:00 – 12:00 Uhr

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