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Stimme 24

Interview mit Berthold Grenz

Berthold Grenz (53) arbeitet seit 24 Jahren im SOS-Kinderdorf Zwickau, dem ersten SOS-Kinderdorf in den neuen Bundesländern. Er ist tätig im sozialpädagogischen Fachdienst und zuständig für Querschnittsthemen, wie Beteiligung, Kinderschutz, Öffentlichkeitsarbeit, EDV, Rechtemanagement.

Warum ist Beteiligung wichtig?

Beteiligung ist das A und O fürs Leben. Wenn man Kinder zu mündigen Menschen erziehen möchte und eine Grundlage dafür legen möchte, dass sie ihr Leben meistern, auf ihre Rechte und Interessen achten und diese auch verfolgen können, dann ist es notwendig, dass man beizeiten damit anfängt. Beteiligung ist für uns Pädagogen anstrengend, aber für die Kinder ist es ein riesiger Gewinn.

Wie leben und erleben Sie Beteiligung mit den Kindern?

Ich selbst bin nur für die strukturellen Beteiligungselemente zuständig, wie den Dorfrat, die Beschwerdestelle u.ä. Aber die eigentliche Beteiligung wird im Alltag gelebt. Das geht schon los bei der Auswahl des Mittagessens, beim Entwickeln von Familien- und Hausregeln oder Ausgehzeiten. Was kann ich anziehen, muss ich meine Haare offen tragen oder zusammen? Wann darf ich ein Handy haben? Das sind Themen, die die Kinder brennend interessieren. Das sind alles keine starren Regeln. Das sind alles Dinge, die man aushandeln muss. Wenn man alles vorgibt, dann werden die Kinder zu hörigen Menschen und nicht zu selbst denkenden Menschen.

Entscheiden die Kinder dann tatsächlich über diese Fragen?

Beteiligung ist eine Haltungsfrage. Selbstbestimmung oder Mitbestimmung ist niemandem in die Wiege gelegt. Das muss entwickelt werden. Wir sind diejenigen, die im Prinzip die Grundlagen dafür legen, gehen müssen die Kinder selbst.

Konkret in meiner Arbeit heißt das: Ich bin Mentor für den Dorfrat. Das ist ein Gremium, in dem Kinder und Jugendliche aus jedem Haus oder aus jeder Abteilung sitzen. Ich kümmere mich darum, dass die Sitzungen stattfinden, dass ordentlich moderiert wird und ein gutes Gesprächsklima herrscht. Ich eruiere vorher, welche Themen anstehen und kümmere mich auch darum, dass am Ende mit dem Thema auch tatsächlich etwas passiert. Nur reden reicht ja nicht, es muss ja etwas passieren.

Und in meinem Privatleben bin ich Mentor des Jugendbeirats in einer Stadt. Das vereint sich ganz gut. Den habe ich damals aufgebaut, weil Jugendbeteiligung in Kommunen absolut nichts Selbstverständliches ist. Funktionierende Jugendbeiräte gibt es ganz wenige. Und ich muss sagen, bei SOS sind wir mit den Dorfräten und was es hier sonst gibt, beim Thema Beteiligung ganz weit vorne.

Sicher können die Kinder nicht alles entscheiden, das wäre auch an der Realität vorbei. Es muss für die Kinder und die Erwachsenen deutlich sein, wo es „nur“ um Information, wo es um Mitsprache und Mitentscheidung geht oder wo es darum geht, selbst zu entscheiden. Das sind übrigens auch einige der Beteiligungsstufen, von denen jede ihre Berechtigung hat.


Hier geht's weiter zum Interview mit Sebastien Wietz aus dem SOS-Kinderdorf Harksheide.