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Stimme 24

Mit einer App zu mehr Selbstbestimmung

Jugendliche aus sieben SOS-Kinderdörfern diskutieren über die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Morgens um 9 Uhr. In der vierten Etage der Botschaft für Kinder in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs sitzen 12 Mädchen und vier Jungen zwischen 11 und 17 Jahren mit acht Erwachsenen zusammen. Noch bevor sie zum eigentlichen Thema kommen, fragen die SOS-Mitarbeiter die Jugendlichen, ob sie mit ihrem Zimmer zufrieden sind. Eines der älteren Mädchen ist mit dem Fön unzufrieden, eines der jüngeren Kinder vermisst Spielsachen, andere finden die Betten zu hoch für Kinder. Es zeigt sich, dass sie geschult sind in der Mitbestimmung über ihr Wohnumfeld.

Denn die Teilnehmer des Workshops kommen aus allen Teilen der Republik. Ihre Wohnorte markieren sie jeweils mit einem Fähnchen auf einer Landkarte. Zwei sehr redegewandte und selbstbewusste Mädchen aus Wallrabenstein in Hessen erzählen, dass sie ihre betreute Wohngruppe lieber „Zuhause“ nennen. „Für uns ist es eine WG von Jugendlichen und Betreuern“, sagt eines der Mädchen, das auch die Sprecherin der Gruppe ist.

Während jeweils zwei Jugendliche ihr SOS-Kinderdorf oder ihre SOS-Wohngruppe vorstellen, geht es auch immer um Beteiligung. So erfahren die Jugendlichen etwa, was der Dorfrat in Zwickau tut, oder wie Kinder und Jugendliche aus einer anderen Wohngruppe mitentscheiden, wohin ein Ausflug geht.

Nach der Vorstellungsrunde wird das Thema „Beteiligung“ explizit, aber kindgerecht von den SOS-Mitarbeitern vertieft. Es geht um die UN-Kinderrechtskonvention und verschiedene Stufen der Beteiligung. Das führt zur zentralen Frage an die versammelten Jugendlichen: „Wo dürft ihr schon mitreden? Wo würdet Ihr gerne noch mitreden?“ Es zeigt sich, dass viele der Teilnehmer ohnehin bereits an Entscheidungsprozessen beteiligt sind. „Ab einem gewissen Alter sollte man überall mitentscheiden dürfen“, fasst ein Mädchen zusammen.

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Die Teilnehmerrunde bestand aus 2 Mädchen und vier Jungen zwischen 11 und 17 Jahren und acht Erwachsenen.

Nach der Mittagspause arbeiten die Jugendlichen in fünf Gruppen, um eine App oder Maschine zu entwerfen zu den vier Aspekten der Beteiligung: Information, Mitsprache, Mitbestimmung, Selbstbestimmung.

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Die Gruppen verteilen sich auf verschiedene Räume. Einige liegen auf dem Boden und zeichnen eine Maschine, andere sitzen um einen Tisch herum und diskutieren zunächst über sehr viele Begriffe, die auf Papierschnipseln stehen: Sicherheit, Verantwortung, Vertrauen, Austausch, Verlässlichkeit... Diese sortiert die Gruppe nach und nach in Sprechblasen auf einem Display. Fertig ist eine App zum Thema Information.

Am Ende des achtstündigen Workshops präsentiert jede Gruppe ihre Ergebnisse den anderen im freien Redevortrag oder anhand der angefertigten Zeichnungen auf Flipcharts. Die Ergebnisse veranschaulichen, dass Mitsprache nur dann möglich ist, wenn die Kinder dies auch wünschen und äußern. Sie sollten es nicht ihren Betreuern überlassen, ihre Wünsche zu erahnen, sondern sich selbst einbringen – wie es viele bereits tun.

Die Gruppe zum Thema Selbstbestimmung fasst ihre Arbeit mit einem Slogan zusammen, den alle unterstützen: „Stop! Mein Leben gehört mir.“

Beteiligungsworkshop Stimme 24 in der Botschaft für Kinder

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