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Jugendliebe im Künstlerort

Zwei Mädchen mit Kaninchen im Arm

Inge Göbbel leitet seit 22 Jahren das SOS-Kinderdorf in Worpswede

Inge Göbbel freut sich über Besuch. Junge Erwachsene kommen öfter vorbei, um die langjährige Leiterin des SOS-Kinderdorfes in Worpswede wiederzusehen. Es sei schön zu wissen, dass ehemalige Bewohner ihren Weg ins Leben finden, sagt Inge Göbbel. Mehr als 350 von ihnen sind bisher im Worpsweder Kinderdorf aufgewachsen. Eine Tonskulptur ziert den runden Besprechungstisch von Inge Göbbel. Der glasierte Hase darauf ist ein Geschenk einer ehemaligen Bewohnerin. Er erinnert Inge Göbbel an den Versuch einiger Kinder, mit einer „Kaninchenzucht“ die Taschengeldkasse aufzubessern. Das Engagement sei vergeblich gewesen: „Am Ende wollte kein ,Züchter’ das liebgewonnene Haustier hergeben“, verrät sie.

"Man ist daheim, wo man geliebt wird."

Porträt von Inge Göbbel Seit 1988 arbeitet Inge Göbbel im SOS-Kinderdorf; seit 1990 ist die Diplom-Pädagogin Leiterin der Einrichtung. Das Kinderdorf ist Kindern ein Zuhause, die nicht bei ihren Eltern wohnen können. Seit 1965 wohnen Kleinkinder und Jugendliche in Familien und Wohngruppen auf dem Gelände. Zurzeit sind etwa 60 Kinder dort untergebracht.

„Die Lage des Kinderdorfes ist einer, von vielen Vorteilen. Die Heranwachsenden brauchen unter anderem Raum für ihre Entwicklung“, so Inge Göbbel. Ebenso wichtig sei Integration. Die Einrichtungsleiterin freut sich über die Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen und Schulen in der Region. Diese Kontakte seien für die Jugendlichen wichtig – auch für den Auszug und eine spätere Lehre.

Durch das geöffnete Fenster hallen Hammerschläge aus den Werkräumen durch das Kinderdorf. Die Förderung des Handwerklichen hat große Bedeutung in der Philosophie der Einrichtung. Inge Göbbel, Jahrgang 1949, ist in der Nähe von Gelsenkirchen aufgewachsen. 1968 hat sie Abitur gemacht und im Anschluss Soziologie studiert. 1975 hat sie in Münster ihr Studium mit dem Diplom in Pädagogik abgeschlossen. Im gleichen Jahr hat sie geheiratet und ist nach Bremen gezogen. Sie war unter anderem Jugend-Bildungsreferentin bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und hat Familienseminare geleitet. „Mich interessieren Menschen und ihr Werdegang“, sagt Inge Göbbel. Die Frage „Wie wird man, was man ist“ habe sie immer beschäftigt. Als sie im Jahr 1988 aus Bremen mit Mann und Kind ins Worpsweder Kinderdorf einzog, sei die erste Zeit eine Umstellung gewesen. Heute, nach 22 Jahren, fühlt sie sich als Worpswederin. Das Leben auf dem Land sei unkompliziert und toll. „Es ist schön, zu dieser Gemeinschaft zu gehören“, hat Inge Göbbel erfahren. Seit 2003 wohnt sie im Ort. Auf ihrem Naturgrundstück mit vielen Pflanzen und Tieren findet sie Ausgleich zur Arbeit. Die Natur bringt Erholung. „Bei mir im Garten blüht immer etwas. Ich bin ein Genussgärtner“, bekennt Inge Göbbel. Als Leiterin eines von weltweit mehr als 300 SOS-Kinderdörfern beschäftigt sie sich im Beruf mit allen Dingen, die zu einer Familie gehören. Sie ist Mittlerin zwischen Behörden, Ämtern, Besuchern und den Wünschen der Kinderdorf- Bewohner. „Die Arbeit macht einfach Spaß. Hier ist das pralle Leben“, hat sie festgestellt.

Kinder rechen im Garten Naturerleben sei wichtig für Kinder. Eigene Erfahrungen möchte sie weitergeben. Als Kind sei sie barfuss über Stoppelfelder gelaufen und habe Kartoffeln über dem Lagerfeuer grillt. Kinder sollten erfahren, dass sie ihre Umwelt verändern und für sich nutzbar machen können. „Wir versuchen, den Kinder das zu geben, was sie in allen Familien erleben können“, so Inge Göbbel. Viele Jugendliche im SOS-Kinderdorf hätten in ihrem Leben erfahren, dass andere über sie entscheiden; viele hätten in Angst gelebt. „Hier können sie lernen, das Zusammenleben zu gestalten.“ Dazu habe man im Kinderdorf unter anderem eine Kinder- und Jugendkonferenz und einen Kinderdorfrat eingerichtet. Inge Göbbel möchte Kinder ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. „Man ist nicht daheim, wo man geboren ist, sondern da, wo man geliebt wird“, sagt sie.