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Trauma und Traumabewältigung

Traumatische Erfahrungen von Kindern im vom verheerenden Erdbeben betroffenen Haiti und wie Kinder aus der emotionalen Lähmung und der seelischen Ausnahmesituation herausgeführt werden können.

Was fühlen Kinder in einer solchen Situation?

Ein trauriger Junge aus Haiti Kinder in den verwüsteten Gebieten Haitis sind von den traumatischen Erlebnissen in vielfacher Weise betroffen. Sie wurden unmittelbar mit Tod und Zerstörung konfrontiert, viele haben schwere körperliche, aber in gleichem Maße seelische Verletzungen erlitten. Sie wurden von ihrer Familie getrennt, wissen teilweise nicht, ob ihre Eltern und Angehörigen noch leben oder haben den Tod ihrer Eltern oder eines Elternteils und anderer Familienmitglieder erfahren müssen und/ oder den Verlust ihres Zuhauses. Die Folge solcher dramatischen Erfahrungen kann eine ganze Reihe unterschiedlichster Gefühle und Reaktionen sein. Unmittelbare Reaktionen auf die Geschehnisse werden als Schockzustand charakterisiert. Das Erlebte ist extrem, plötzlich, lebensbedrohlich und kann in bisherige Lebenserfahrungen nicht integriert werden. Es setzt sich daher (zunächst) unbearbeitet in der Erinnerung des Kindes fest. Diese tief in die Erinnerung eingegrabene Erfahrung kann in der Folge dahingehend zu einer Störung werden, als die Erinnerung an das Erlebte die Gedanken und Gefühle des Kindes sehr stark beeinflusst. Zu den wahrscheinlichen mittel- und langfristigen Auswirkungen gehören Angst, Verletzbarkeit, Depressionen, Wut und Schlafstörungen ebenso wie das wiederholte und unkontrollierbare Wiedererleben des Geschehenen selbst. Ein Kind, das eine solche traumatische Erfahrung gemacht hat, ist in besonderem Maße anfällig für die Entwicklung von psychischen Störungen. Seine Lebensqualität kann sich deutlich verringern, wenn das Trauma unbehandelt bleibt. Daher sollte mit der psychologischen (Nach-)Betreuung und der Aufarbeitung des Traumas so rasch wie möglich begonnen werden. Die Frage ist: wie und wo?

Klinische Erfahrungen und moderne Forschungsergebnisse zeigen, was zu tun ist

Zunächst ist die unmittelbare physische und medizinische (Über-)Lebenssicherung durch Ersthilfemaßnahmen zu gewährleisten; wenn ein Kind von seinen Eltern getrennt wurde, müssen praktisch zeitgleich bereits alle Möglichkeiten einer Familienzusammenführung (mit den Eltern, Geschwistern, Großeltern und/ oder anderen Verwandten) ausgeschöpft werden. Darüber hinaus braucht das betroffene Kind weit reichende, kontinuierliche Betreuungsmaßnahmen auf psychologischer Ebene. Die praktisch zeitgleiche Wahrnehmung aller Ebenen ist eines der Arbeitsprinzipien von SOS-Kinderdorf in solchen Situationen.

Was kann SOS-Kinderdorf darüber hinaus noch leisten?

Foto: Eduardo Munoz/ Reuters Experten sind sich einig, dass traumatisierten Kindern geholfen werden kann, wenn man sie mit jenen Situationen konfrontiert, die die emotionalen Reaktionen ausgelöst haben und sie dazu ermutigt, ihre Gedanken und Gefühle über die in ihrer Erinnerung verankerten Erfahrungen auszudrücken. In weiterer Folge müssen die gemachten Erfahrungen und die dazugehörigen Gefühle in fachlich begleiteter Form in die weitere Lebensgestaltung so integriert werden, dass eine konstruktive und sinnstiftende Lebensgestaltung möglich ist. Einige Methoden der Traumabearbeitung bei Kindern gehen davon aus, dass das Erlebte durchaus auch von "Laien" (Erwachsenen ohne facheinschlägige Spezialausbildung) sinnvoll bearbeitet werden kann. Dazu gehört, dass diese Erwachsenen die betroffenen Kinder ermutigen über das Geschehene zu sprechen und in der Folge aktiv zuhören, oder dass sie die Kinder zeichnen lassen. Auch die rollenspielerische Darstellung und die Auseinandersetzung mit Religion vor dem Hintergrund des Geschehenen sind dafür geeignet. Daneben gibt es spezifischere Methoden, die nur von Experten eingesetzt werden dürfen. SOS-Kinderdorf kann auf große Erfahrung in diesem Bereich zurückgreifen und bietet individuell zugeschnittene Unterstützungsleistungen für betroffene Kinder an. Genauso wichtig ist es aber auch, dem Kind "Pausen" zu gönnen, es nicht ständig über das Erlebte reden zu lassen, ihm Zeit zu geben, zu "vergessen" und ganz einfach nur Kind zu sein. Das bedeutet, ihm ein kleines Stück "Normalität" in einem geschützten und sicheren Umfeld zu geben. Daraus kann das Kind viel Kraft für die weitere Aufarbeitung ziehen. Es ist entscheidend, dass jene Menschen, die mit traumatisierten Kindern leben, für sie sorgen oder sie therapeutisch betreuen, die Ursachen und Folgen von Kindheitstraumata begreifen und darum bemüht sind, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zur Unterstützung und Behandlung traumatisierter Kinder kontinuierlich zu erweitern. Dies ist auch einer der Schwerpunkte in den verschiedenen Trainingsprogrammen von SOS-Kinderdorf.

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