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Hermann Gmeiner: "Die Kinder haben ihn verehrt"
Zum 25. Todestag erinnern sich Zeitzeugen an Hermann Gmeiner
Wer ihn in Dießen kennen gelernt hat, hat ihn nie vergessen: "Er hatte eine sehr starke Ausstrahlung", sagt Rosina Irlacher und: "Er besaß Charisma", meint Beate Bentele. Für Altbürgermeister Alfons Schad war er einfach "ein Pfundskerl". Hermann Gmeiner, "Vater" der SOS-Kinderdorf-Idee, hat in der Marktgemeinde am Ammersee nicht nur durch Deutschlands erstes SOS-Kinderdorf seine Spuren hinterlassen, sondern auch durch seine Person. Am 26. April jährt sich sein Todestag zum 25. Mal.
Rosina Irlacher hat Gmeiner zum ersten Mal 1959 persönlich erlebt, als sie ihren Mütterkurs in Hinterbrühl bei Wien absolvierte. Damals gab es nur die SOS-Kinderdörfer in Österreich und das in Dießen und so hatte Gmeiner noch Zeit, bei der Ausbildung der Mütter persönlich dabei zu sein. "Er hat uns oft beobachtet, aber auch viel erzählt", erinnert sich die frühere SOS-Kinderdorfmutter.
Die künftigen Mütter hätten Gmeiner "alle verehrt", so Irlacher. Denn Gmeiners Idee von der familienähnlichen Betreuung der Kinder "war damals eine Sensation": Üblich waren zu dieser Zeit noch Kinderheime mit sterilen Schlafsälen für 25 Buben oder Mädchen. Aber auch Gmeiner selbst begeisterte die Mütter: "Er war sehr ruhig und zurückhaltend, aber ist von seiner Idee nicht abgewichen, weil er absolut überzeugt von ihr war", erinnert sich Irlacher. Gmeiner konnte aber auch "recht lustig" sein, so die frühere SOS-Kinderdorfmutter.
Ein „Pfundskerl“ mit Charisma und Beharrlichkeit
Das bestätigt Beate Bentele, die Gmeiner Anfang der 1980er-Jahre in Dießen kennen lernte: "Er hatte unheimlich viel Charme und ein unverschämt nettes, freches Grinsen". Die Redakteurin berichtete damals über die größeren Begebenheiten im Dießener SOS-Kinderdorf und traf so wiederholt mit Gmeiner zusammen, mit dem sie viele interessante Gespräche führte. Fasziniert hatte er sie allerdings schon während ihres Pädagogikstudiums, als sie erfuhr, wie er mit ‚Einem Pfennig pro Tag pro Kinderdorffreund’ das weltgrößte Kinderhilfswerk aufbaute.
Für sie ist die Erfolgsgeschichte von SOS-Kinderdorf international untrennbar mit Gmeiners Persönlichkeit verbunden. "Er war ein Kosmopolit, der das Leben in allen Facetten kannte" und sein Werk durch die "Präsenz seiner Persönlichkeit" – aber immer zurückhaltend und bescheiden – in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte, meint sie. Zu dieser Zeit war SOS-Kinderdorf bereits weltweit aktiv und ihr Gründer ständig unterwegs. Nach Dießen allerdings kam er oft auch inoffiziell: "Hier war seine Kraftquelle und die Quelle für neue Ideen", so Bentele.
"Immer ein offenes Ohr..."
Für die SOS-Kinderdorfmütter wie die Buben und Mädchen im Dorf waren Gmeiners Besuche jedes Mal "Festtage", erinnert sich Irlacher: "Die Kinder sind ihm immer nachgelaufen, auch sie haben ihn verehrt", sagt sie. Aber auch für die Gemeinde Dießen hatte Gmeiner "immer ein offenes Ohr", so Altbürgermeister Schad: "Er war ein Mensch, den muss man suchen – von seltener Bescheidenheit, aber voller Energie". Obwohl er in den 80-er Jahren schon sehr unter Druck stand, habe er sich stets Zeit genommen, für ein offenes und geradliniges Gespräch. Und: "Dießen hat durch das SOS-Kinderdorf echt gewonnen", betont Schad.
Der Altbürgermeister erfuhr wie Bentele aus den Nachrichten von Gmeiners Tod. Rosina Irlacher dagegen hatte bereits ein paar Wochen zuvor erfahren, dass es schlecht um Gmeiner stand, der an Krebs erkrankt war. Sie erinnert sich noch gut an die Beerdigung, zu der sie mit einem Bus voll Menschen von Dießen nach Imst gereist war. Ein wunderschöner Maientag sei es gewesen und das kleine Dorf in Österreich "war übervölkert mit Menschen". Trotz aller Trauer herrschte "Festtagsstimmung", als Gmeiners Sarg von sechs ehemaligen SOS-Kinderdorfkindern der ersten Stunde durch das SOS-Kinderdorf in Imst getragen wurde. Zuletzt gesehen hatte Irlacher Gmeiner bei einem Müttertreffen nahe Innsbruck Anfang der 80er-Jahre. Vergessen hat sie ihn nie – so wenig wie die anderen beiden Zeitzeugen aus Dießen.