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In Stein gemeißelt

Die Teilnehmer des Bildhau-Workshops stehen gemeinsam am Werkplatz. 15 Bewohner der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth schufen eine Skulptur für ihren Weinberg

„Steine zu bearbeiten ist kein einfacher Job“, sagt Peter Gopp. Umso beeindruckter ist der Hausvater der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth, wie gut seine Schützlinge mit Hammer und Meißel umgehen können. „Ausdauer und eine gute Motorik“ bescheinigt der gelernte Steinmetz den 15 Teilnehmern des einwöchigen Bildhau-Workshops. Selbstverständlich ist das nicht, schließlich leben und arbeiten in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.

Ein richtig guter Rhythmus

Eine Hohenrotherin bemalt ihre Skulptur. „Einige unserer Betreuten haben gleich einen guten Rhythmus beim Schlagen gefunden“, sagt Peter Gopp. Das sei wichtig beim Umgang mit dem spröden Material. Ein falscher Schlag und der Stein platzt weg. Manche Hohenrother waren zwar vorher aufgeregt wegen der ungewohnten Arbeit, doch bereits nach dem zweiten Workshoptag herrschte gespannte Konzentration. Am Ende des Seminars nahm jeder der Teilnehmer eine eigene kleine Skulptur mit nach Hause.

Gemeinsame Arbeit an einer Skulptur

Peter Gopp selbst lebt seit eineinhalb Jahren in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth. Gesundheitliche Probleme zwangen den Steinmetz, seinen Beruf aufzugeben. Er entschied sich, gemeinsam mit seiner Frau eine Hauselternstelle anzunehmen. Dass ein Steinmetz in der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth lebt, sprach sich schnell herum. „Wann klopfen wir denn mal Steine?“, wollten die Hohenrother wissen.

Zentrales Thema: Ein Bildstock

Die Skulptur Lange mussten sie nicht warten. Peter Gopp besorgte Werkzeuge und roten Sandstein, ein typisches Gestein für diese Gegend. „Hohenroth steht auch auf solchen Steinen“, erzählt er. Die zentrale Arbeit des Workshops, an dem sich alle Teilnehmer beteiligten, war ein fränkischer Bildstock. Das Thema dafür hatte sich Karlheinz Weigand, Leiter der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth, gewünscht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Dieser Vers aus dem Johannes-Evangelium wurde zentrales Merkmal für den Entwurf - eine Figur des segnenden Christus. Den Sockel zieren Weinreben.

Bildhauerkunst für den Weinberg der Gemeinschaft

Dass dieser Vers aus dem Neuen Testament die Arbeit der Hohenrother Nachwuchs-Bildhauer geprägt hat, hängt vor allem mit dem Standort der Skulptur zusammen: dem Weinberg, den die SOS-Dorfgemeinschaft von der Stadt Gmünden gepachtet hat. Mehr als drei Meter hoch ragt die Skulptur zwischen den Weinstöcken hervor. In Einzelteilen haben Peter Gopp und einige Helfer den Bildstock in den Weinberg gebracht. Immerhin wiegt das Gebilde insgesamt rund drei Tonnen.

Die 15 Workshop-Teilnehmer seien stolz auf ihre Arbeit, sagt Peter Gopp. Und sie freuen sich, sagen zu können: „Da habe ich mitgemacht.“