Bleistift

Tür an Tür mit anderen Familien

Ein neues SOS-Kinderdorfmodell in Honduras

Das SOS-Kinderdorf Santa Rosa de Copán ist das jüngste in Honduras. Als "integriertes Kinderdorf" gilt es als Pionier eines neuen Modells in Lateinamerika.

Nach der Schule spielen die SOS-Kinder mit den JUngen aus der Nachbarschaft Fußball "Meine Schulfreunde besuchen mich und wir machen gemeinsam Hausaufgaben. Manchmal laden sie mich auch zu sich ein", erzählt Darlin. Morgens fährt die 14-Jährige mit dem Bus zur Schule, nachmittags spielt sie mit Nachbarskindern und am Abend verbringt sie viel Zeit mit ihrer SOS-Kinderdorffamilie.
Darlin lebt seit 2006 im SOS-Kinderdorf Santa Rosa de Copán, in dem 126 Kinder ein neues Zuhause gefunden haben. 2005 errichtete SOS in Santa Rosa im Osten des Landes 14 Familienhäuser, ein Büro und ein Haus für die Dorfleitung. Die Kleinstadt wurde bewusst wegen ihres stabilen Lebensumfeldes ausgewählt. Auch einheimische Familien bauten rund umdieKinderdorfhäuser. So entstand einWohnviertel, in dem viele Familien wohnen und in das die SOS-Kinderdorffamilien ganz selbstverständlich eingebunden sind. "SOS bietet Kindern hier einen Ort, an dem sie sich wirklich zuhause fühlen und wo sie nicht als arme Kinder gelten, als Verlassene, als Waisen", sagt Adela Mejia, Kinderanwältin und Mitglied im örtlichen Unterstützungskomitee. "Das sind die Faktoren, die für mich die Organisation so besonders machen."

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Integration in die Gesellschaft

Zwei Mädchen aus dem SOS-Kinderdorf Santa Rosa SOS-Kinderdorfmutter Yaimy, selbst im SOS-Kinderdorf Tegucigalpa aufgewachsen, kennt beide Kinderdorfmodelle: "Das traditionelle SOS-Kinderdorf ist gut geschützt. Dadurch ist es leichter, auf die Kinder aufzupassen. In Santa Rosa müssen wir vorsichtiger sein. Aber die Kinder gewöhnen sich hier früh an den Kontakt mit Menschen außerhalb des Dorfes und bewegen sich ganz frei, wie alle Kinder. Ich persönlich finde dieses Modell großartig."

Offenheit, die ankommt

Im SOS-Kinderdorf Santa Rosa de Copán werden Offenheit und Integration gelebt, das prägt auch das Arbeitsklima: "Weder die Kinder noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen mich als Chef sehen, sondern vielmehr als Freund", sagt Dorfleiter Carlos Castillo. Langfristig erhofft er sich, dass das offene Zusammenleben im Stadtteil die Integration derKinder erleichtert. Dann ist ganz klar: "Wenn ein Kind mal mit einem anderen streitet, liegt das nicht daran, dass es ein Kinderdorfkind ist. Kinder tun so etwas eben manchmal."
Inzwischen erfährt das integrierte Kinderdorf Santa Rosa de Copán auch in der Gemeinde viel Zuspruch.

SOS-Kinderdorf ist seit den 1960er-Jahren in Honduras aktiv. Die Bevölkerung hatte schon häufig unter politischer Instabilität und Naturkatastrophen zu leiden; etwa ein Drittel lebt unterhalb der Armutsgrenze. 1998 zerstörte Hurrikan "Mitch" neben dem wirtschaftlichen Aufschwung des Landes auch das Zuhause von über 1,5 Millionen Menschen. Damals versorgte SOS-Kinderdorf durch Nothilfe 3.000 Familien und half beim Wiederaufbau ihrer Häuser. Aus dem Nothilfeprogramm gingen ein neues SOS-Kinderdorf und ein Sozialzentrum in Choluteca hervor.
Heute gibt es in Honduras sieben SOS-Kinderdörfer, fünf Jugendeinrichtungen, sechs SOS-Sozialzentren, ein Medizin- und ein Berufsbildungszentrum.

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