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"Endlich hatte ich einen Platz"

Silvia Huber erzählt von ihrer Kindheit im SOS-Kinderdorf

Silvia Huber Silvia Huber war noch keine sieben Jahre alt, als sie 1967 ins SOS-Kinderdorf Oberpfalz nach Immenreuth kam. Zuvor hatte die gebürtige Münchnerin, die von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben wurde, bereits zahlreiche unglückliche Stationen in Heimen und Pflegefamilien hinter sich. "Der schönste Moment für mich war, als ich begriffen habe, dass ich wirklich erwünscht bin und bleiben darf", erinnert sich Silvia Huber an ihre Kindheit zurück.

Vorher ist sie oft herumgereicht worden

Bis sich die heute 44-Jährige wirklich heimisch gefühlt hat, hat es beinahe drei Jahre gedauert. Zu oft war sie herum gereicht worden, hatte keine Bezugsperson, zu der sie ein Vertrauensverhältnis hätte aufbauen können. An ihren ersten Tag in Immenreuth kann sich Silvia Huber noch genau erinnern. "Mir war zum Heulen zumute. Ich stand in einem fremden Haus, meine SOS-Kinderdorf-Mutter stand in der Tür und neben ihr fünf Buben, die fortan meine Geschwister sein sollten. Meine Angst, hier wieder weg zu müssen, war so groß, dass ich mich weigerte, meine Koffer auszupacken", lacht Silvia Huber heute über die schwierige Anfangsphase.

"Meine Vergangenheit war auf einmal normal"

Band Ganz behutsam nahm SOS-Kinderdorf-Mutter Hedwig Pollok Kontakt zu dem verstörten Mädchen auf. "Im Rückblick hat sich Hedwig so viel und liebevoll um mich gekümmert, dass ich gar nicht weiß, wann sie Zeit für meine Geschwister fand". Irgendwann brach das Eis. "Ich hatte eine Familie gefunden. Endlich einen Platz, an dem ich bleiben durfte. Das war eine heilsame Erfahrung".

Doch nicht nur die SOS-Kinderdorf-Familie gibt Silvia Huber Halt und Geborgenheit, auch in der Dorfgemeinschaft findet sie neue Freunde. "Ich war auf einmal so normal und habe gemerkt, dass ich mit meiner Geschichte nicht alleine bin. Dass es unzählige Kinder gibt, die noch viel Schlimmeres durchlitten haben".

Auf eigenen Beinen

Nach mehr als zehn Jahren im SOS-Kinderdorf verabschiedete sich Silvia Huber im Alter von 17 Jahren aus Immenreuth. Normalerweise folgt auf die Zeit in der SOS-Kinderdorf-Familie eine Übergangsphase im Jugendhaus – eine Art Wohngemeinschaft unter der Leitung von Erziehern -, um die Jugendlichen auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.

Doch der Teenager wollte auf eigenen Beinen stehen, nahm sich eine Wohnung und lernte für die Mittlere Reife: "Es war hart, plötzlich wieder ganz alleine zu sein. Manchmal frage ich mich, wie ich die Prüfungen geschafft habe". Nach der Schule erfüllt sich Silvia Huber ihren lang gehegten Berufswunsch. Sie arbeitet als freischaffende Künstlerin – "Mein Traumberuf", schwärmt sie noch heute.

"Wir telefonieren wöchentlich"

Immenreuth_Haus Obwohl seit ihrem Auszug aus dem SOS-Kinderdorf mehr als 20 Jahre vergangen sind und Silvia Huber mittlerweile verheiratet ist, hat die sympathische Oberfränkin noch immer Kontakt zu ihrer SOS-Kinderdorf-Familie. "Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht mit meiner SOS-Kinderdorf-Mutti telefoniere. Sie ist einfach meine Mutter und ich bin eines ihrer Kinder."

Für regelmäßige Besuche nehmen sich beide Frauen regelmäßig Zeit. Und auch ansonsten ist Silvia Huber eng mit ihrer Kindheit in Immenreuth verwurzelt: "Natürlich habe ich auch Kontakt zu meinen Geschwistern, insbesondere zu den Jüngeren. Aber eine Person ist mir besonders ans Herz gewachsen. In Immenreuth habe ich meine bis heute beste Freundin kennen gelernt, Sie ist die Tochter des damaligen Dorfleiters, der für mich wie eine Vaterfigur war. Seinen Geburtstag habe ich noch nie vergessen!"