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Raus aus der Einsamkeit

Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum unterstützt alleinerziehende Hartz IV-Empfängerinnen

Eine Mutter liegt mit ihrem baby im Gras Ein Leben ohne Arbeit, ohne Freunde und ohne Hobbys. Viele arbeitslose Mütter leiden unter dem Gefühl, in den eigenen vier Wänden abgeschottet zu sein. Sie fühlen sich von der Situation überfordert. Ein Zustand, unter dem oft auch die Kinder leiden. Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum München will Müttern und Kindern helfen und bietet deshalb eine ganz spezielle Krabbelgruppe an.

Das Gefühl, an den Problemen zu ersticken

Marina Ahrens hat ihren Job verloren, als ihr Arbeitgeber sein Restaurant aufgeben musste. Ihr Freund verließ sie kurz darauf, als er erfuhr, dass sie schwanger ist. Marina Ahrens entschied sich trotzdem für ihr Baby. Heute leben die gelernte Restaurantfachfrau und ihr Sohn Collin von Hartz IV. "Wir beide kommen ganz gut über die Runden", sagt die junge Mutter. "Nur manchmal fällt mir zu Hause einfach die Decke auf den Kopf, dann habe ich das Gefühl an meinen Problemen zu ersticken."

Den Kontakt zur Außenwelt verloren

Kinderbetreung Elfriede Seus-Sebrich, ehemalige und langjährige Leiterin der SOS-Beratungs- und Familienzentrums München kennt das Problem. „Viele alleinerziehende Frauen, die Hartz IV bekommen leiden unter dem Gefühl des Abgeschottetseins. Durch den Verlust des Arbeitsplatzes haben viele auch ihre Kontakte zur Außenwelt verloren. Ihr Leben spielt sich schnell nur noch innerhalb der eigenen vier Wände ab.“ Vor allem Frauen, ohne soziales Netzwerk seien von diesem Problem betroffen. Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum versucht mit einem ganz besonderen Angebot zu helfen: zweimal pro Woche können alleinerziehende Frauen, die von Hartz IV leben, ihre Kinder in die so genannte Krabbelgruppe bringen. Dort werden die kleinen von einer Erzieherin betreut. Die Mütter wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind und haben ein wenig Zeit für sich selbst.

Zeit, um aufzutanken

Marina Ahrens: „Für mich sind die Stunden, in denen Collin die Krabbelgruppe besucht sehr wichtig. Ansonsten verbringe ich ja jede Minute mit ihm. Zeit zum Auftanken bleibt da nicht.“ Oft fühle sie sich am Ende ihrer Kräfte. Eine Situation, unter der dann auch Collin leidet. Elfriede Seus-Seberich: „Eine Frau, die kurz vor dem Zusammenbruch steht, kann auch ihrem Kind nichts mehr geben. Viele Fälle von Vernachlässigung haben hier ihren Ursprung.“ Wer den Frauen die Möglichkeit gäbe, Kraft zu tanken, helfe auch den Kindern.

Beim gemeinsamen Frühstück die Sorgen teilen

Frühstück Während Collin in der Krabbelgruppe spielt, geht Marina Ahrens zum Arzt, macht Besorgungen oder nimmt sich einfach Zeit für sich selbst. So schöpft sie Kraft, um sich später wieder liebevoll mit ihrem Sohn beschäftigen zu können. Manchmal besucht Marina Ahrens auch das Frühstück des SOS-Beratungs- und Familienzentrums. Bei Kaffee und Brötchen kommt sie mit anderen Müttern ins Gespräch. Die Frauen plaudern über ihr Leben und tauschen sich über Probleme aus. „Wer den ganzen Tag alleine mit seinem Kleinkind verbringt, sehnt sich nach Kontakten zur Außenwelt und Gesprächen mit Menschen in ähnlichen Lebenssituationen“, sagt Elfriede Seus Seberich und Marina Ahrens ergänzt: „Mit den anderen Frauen, kann ich über meinen Alltag sprechen. Wir überlegen, wie wir Arbeit finden können oder tauschen Erziehungstipps aus.“

Beim Frühstück teilen die Frauen ihre Sorgen miteinander. So manche Freundschaft ist auf diesem Weg entstanden. „Ganz wichtig ist, dass die Mütter erkennen, dass sie mit ihrer Situation nicht allein dastehen“, sagt Elfriede Seus-Seberich.

Die Kinder profitieren in zweifacher Hinsicht

Gemeinsam spielen Das gemeinsame Frühstück ist auch für die Mitarbeiterinnen des SOS-Beratungszentrums eine gute Gelegenheit, ganz unverbindlich mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Manchmal erkennen die Mütter auf diesem Weg auch, dass sie professionelle Hilfe brauchen und entschließen sich dazu, das Beratungsangebot der SOS-Einrichtung in Anspruch zu nehmen. Und die Kinder? Elfriede Seus-Seberich weiß: „Sie profitieren doppelt von unserem Angebot. Erstens wartet nach der Spielstunde eine gut erholte Mutter auf sie und zweitens werden sie in der Krabbelgruppe optimal betreut. Viele Kinder haben im SOS-Beratungszentrum zum ersten Mal Kontakt zu Gleichaltrigen. Sie lernen gemeinsam zu spielen, sich an Regeln zu halten und auch mal zu teilen. Außerdem wird Sprachförderung in der Krabbelgruppe groß geschrieben. „Collin hat in der Krabbelgruppe viel gelernt“, bestätigt auch Marina Ahrens. „Neulich durfte er sogar seinen Geburtstag dort feiern.“

Hier geht es zur Internetseite des

SOS-Beratungs- und Familienzentrums München