Ernährung und Armut gehen Hand in Hand
Viele Kinder kennen Obst und Gemüse nur noch aus Konserven
Wie schmeckt eine frisch aufgeschnittene Ananas? Welche verschiedenen Salatarten gibt es? Wie sieht eine Aubergine aus? "Viele Kinder kennen Obst und Gemüse fast nur noch aus Dosen oder Konserven - für frische Lebensmittel fehlt den Eltern das Geld", berichtet Gabriele Annen, pädagogische Leiterin aus dem SOS-Kinderdorf Berlin. Auch Deutschlands jüngste SOS-Einrichtung mitten im Kiez kennt die Problematik der steigenden Kinderarmut gut. "Ernährung und Armut gehen leider Hand in Hand."
Kinder sind entweder zu dünn oder zu dick
"Wir sind beunruhigt, wie ungesund sich die Kinder mittlerweile ernähren - weil einfach das Geld fehlt", berichtet Gabriele Annen. "Viele Kinder sind mittlerweile zu dünn, weil sie zu wenig zu essen haben oder zu dick, weil sie sich von günstigem Fastfood, Tütensuppen, Konserven, oder Weißbrot ernähren.
Auch können sich immer mehr Eltern die Essensbeiträge in Höhe von 23 Euro pro Monat für die Kindertagesstätte und den Hort nicht mehr leisten oder nehmen bei Festivitäten das Essen vom Buffet heimlich in Plastiktüten mit nach Hause."
Kochkurse für die Eltern, ein Mittagstisch für die Kinder
Ein Negativ-Trend, auf den die Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs Berlin und der angegliederten Beratungsangebote reagiert haben: Für Schulkinder gibt es einen begleitenden Mittagstisch mit kombinierter Hausaufgabenbetreuung und für die Eltern finden regelmäßig Kochkurse "für das kleine Budget" statt. Gemeinsam mit einer Krankenkasse organisieren die Mitarbeiter auch regelmäßig Projekte, die sich mit gesunder Ernährung in der Kindertagesstätte beschäftigen. "An unserem Mittagstisch nehmen regelmäßig 20 bis 30 Kinder teil. Wir hoffen, dass wir in Zukunft weitere Kinder - und besonders auch Eltern - mobilisieren können. Es muss allerdings ein Umdenken stattfinden. Sie müssen begreifen, dass es gesünder und somit sinnvoller ist, wenn die Kinder für 1,50 Euro pro Woche bei uns jeden Tag ein vollwertiges Mittagessen bekommen, als diesen Betrag an der Pommesbude auszugeben."