Wunsch nach Liebe und Harmonie

Lena* war erst 15, als sie Mama wurde. Es sei "ein Wunschkind" gewesen, sagt sie heute. SOS-Kinderdorf hat geholfen – Lena und ihrer Tochter.

Warum sie mit der Versorgung der Kleinen nicht klarkam? Warum sie ihr Baby nicht ausreichend pflegen und ernähren konnte? Warum irgendwann das Jugendamt auf ihre Situation aufmerksam wurde? Lena zuckt mit den Schultern. Sie weiß es nicht, aber sie ist dankbar, dass die Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf ihr geholfen haben.

Selbst noch Kinder

Wolfgang Edlinger kennt viele Frauen wie Lena: Mütter, die beinahe selbst noch Kinder sind. "Es werden immer mehr", sagt der Leiter der SOS-Jugendhilfen Saarbrücken. Die Erklärung des Pädagogen: "In vielen dieser Frauen schlummert ein enormer Wunsch nach Liebe und Harmonie. Sie stammen aus schwierigen Familienverhältnissen und haben selbst nie Geborgenheit erfahren. Was ihnen fehlt, wollen sie an ihren eigenen Kindern wiedergutmachen und scheitern an ihren eigenen Erwartungen und der Realität.“ Vor allem Frauen, denen der Rückhalt einer Familie oder eines zuverlässigen Freundeskreises fehle, täten sich schwer.

Knallharte Realität

Eine Mutter liegt im Gras, ihr Baby auf dem Bauch, das in den blauen Himmel schaut Das Geld ist knapp. Der Traummann entpuppt sich als Enttäuschung. Das Kind schreit und weint viel, besonders in der Nacht. Das Leben der jungen Mütter sei "knallhart", sagt Wolfgang Edlinger, und habe mit den romantischen Vorstellungen von Familie oft nichts gemeinsam. Die Frauen sind schnell überfordert und begehen genau die Fehler, die sie ihren Eltern vorwerfen – eine Sackgasse.

"Da tickt eine Bombe", warnt Wolfgang Edlinger. "Nachdem diese Frauen nie eine funktionierende Familie kennengelernt haben, können sie in Krisensituationen auch nicht auf bekannte Verhaltensmuster aus ihrer eigenen Kindheit zurückgreifen. Sie brauchen Hilfe." Die Mitarbeiter der SOS-Jugendhilfen Saarbrücken unterstützen junge Mütter. Sie trösten, helfen, materielle Grundbedürfnisse abzusichern, beraten in Konfliktsituationen und vermitteln Betreuungsplätze.

Lebenssituation verbessern

Im SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin können junge Frauen mit Kind eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation machen. Das Projekt "Mütter lernen" hilft ihnen, Kindererziehung, Ausbildung und Haushaltsführung miteinander zu vereinbaren. Die Mütter arbeiten täglich sechs Stunden. Währenddessen kümmern sich die Mitarbeiter des Berufsausbildungszentrums um die Kleinen. Sozialpädagogen begleiten die Mädchen im Alltag und helfen bei finanziellen Sorgen, privaten Problemen sowie beim Umgang mit Ämtern und Behörden. Ziel des Projektes ist es, die Lebenssituation der jungen Mütter zu verbessern und sie – so gut wie möglich – zu entlasten, bis sie alleine für sich und ihr Kind sorgen können.

"Dabei ist unsere Botschaft nicht: 'Wir wissen, wie dein Leben auszusehen hat'", sagt Wolfgang Edlinger. "Wir sagen eher: 'Such dir deinen Weg, wir helfen dir dabei.'"

*Name geändert