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Bakollo hat es geschafft
Bakollo ist das älteste von sechs Kindern. Als sein Vater starb, blickte der afrikanische Junge in eine düstere Zukunft. Seiner Mutter fehlte das Geld für Lebensmittel. An eine Schulausbildung für Bakollo war nicht zu denken. Durch einen Freund kam der Junge ins SOS-Kinderdorf Kara nach Togo. Dort bekam er nicht nur eine warme Mahlzeit, er konnte auch zur Schule gehen und eine Berufsausbildung machen. Heute leitet Bakollo ein gut gehendes, kleines Unternehmen.
Das Haus von Bakollos Familie steht in der Nähe des SOS-Kinderdorfes Kara. Viele von seinen Freunden waren SOS-Kinderdorfkinder. "Eines Tages ging ich meinen Freund besuchen", sagt er. "Ich fand einen Teller mit Essen vor dem Haus. Es war niemand in der Nähe, deshalb habe ich einfach alles aufgegessen. Als meine Freunde kamen und mich essen sahen, waren sie fassungslos. Das Essen war für den Hund bestimmt." Die Dorfleiterin setzte sich zu Bakollo. Als er ihr von seinem Leben erzählte, sorgte sie dafür, dass er ins SOS-Kinderdorf ziehen durfte.
Lernen, als Gemeinschaft zu bestehen
Da Bakollo mit seinen 15 Jahren schon relativ alt war, wohnte er nur acht Monate in einem Familienhaus und zog danach in eine SOS-Jugendeinrichtung. "Dort konnte ich eine Tischlerausbildung machen", erzählt er. "Wir wohnten zu neunt in einer Wohngemeinschaft. Das Leben in der Jugendeinrichtung war ganz anders als das Leben im Kinderdorf. Wir lernten, als Gemeinschaft zu bestehen, Vorräte einzuteilen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, um verantwortungsvoll und unabhängig zu werden. Wir fanden es spannend, dass man uns plötzlich wie Erwachsene behandelte – es war eine gute Vorbereitung."
Ein eigenes Unternehmen
1990, nach dem Abschluss seiner Berufsausbildung, verließ Bakollo die SOS-Jugendeinrichtung. Er zog in das Betreute-Wohnen-Projekt im Stadtzentrum und begann, sich nach einem Job umzusehen. Doch keine Bewerbung klappte – Bakollo bekam nur Absagen. Immer wieder suchte der Teenager Rat im SOS-Kinderdorf, wo ihm schon einmal geholfen worden war. Der damalige Dorfleiter ermutigte ihn, es mit einem eigenen kleinen Unternehmen zu versuchen.
"Ich war erst unsicher. Würde ich das schaffen? Aber der Dorfleiter half mir, und in der Verwaltung konnte ich mir sogar Geld leihen, um eine Tischlerwerkstatt zu eröffnen. Ich kaufte einige Materialien wie Bauholz, Winkel und Nägel." Bakollos ersten Tisch und die ersten Sessel konnte er sofort verkaufen. Von dem verdienten Geld zimmerte er ein Bett. "Ein Hotelbesitzer sah mein Werk, und weil es ihm so gut gefiel, bestellte er gleich 50 weitere. Es war unglaublich", erinnert sich Bakollo an die Anfänge seiner eigenen Werkstatt.
SOS-Kinderdorf hat mein Leben verändert
Heute besitzt er in Togo eine große Tischlerei. Bakollo hat zwölf Angestellte, verschiedene Praktikanten und über zehn Lehrlinge. Und auch privat geht es dem ehemaligen SOS-Kinderdorfkind bestens: Bakollo ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Ihnen erzählt er gerne von seiner Jugend im SOS-Kinderdorf. "Meine Beziehung zum Kinderdorf hat sich bisher nicht gewandelt. Ich helfe meinen ehemaligen Geschwistern und auch anderen, die meine Unterstützung brauchen. Ich weiß, dass ich das, was das Kinderdorf für mich getan hat, niemals zurückzahlen kann. Sehr oft frage ich mich, was ohne die Unterstützung von SOS-Kinderdorf aus mir geworden wäre. SOS-Kinderdorf hat mein Leben verändert und mir die Chance gegeben, ein Mann zu werden, auf den sich die Leute verlassen können."