Bleistift

„Fotografie ist die Abkürzung zur Seele eines Menschen“

Jim Rakete im Gespräch mit den Azubis

Die Bedeutsamkeit der analogen Fotografie, Lebensträume und -wege standen im Mittelpunkt des dreistündigen Besuchs von Jim Rakete im SOS-Berufsaus-
bildungszentrum Berlin. Der weltweit anerkannte Fotograf berichtete Ende Januar auf anschauliche und lebhafte Weise aus seinem Leben und stellte sich den Fragen der zwölf Auszubildenden aus der Medienabteilung. Diese erlernen in einer dreijährigen Verbundausbildung den Beruf des Mediengestalters Bild und Ton, so dass die authentsichen Einblicke in die Arbeitswelt eines Fotografen auf großes Interesse stießen.

Fasziniert hörten die Jugendlichen zu, wie Jim Rakete von der politisierten Gesellschaft Ende der 1960er Jahre und von unterschiedlichen Widerständen zur damaligen und zur heutigen Zeit erzählte. Vor allem die Veränderung der Gesellschaft war und ist für den Fotgrafen stets ein wichtiges Thema. Zu Beginn seines Berufslebens fotografierte er zunächst vor allem Konzerte und Musiker, anschließend arbeitete er für Tageszeitungen und Illustrierte und wurde auf diese Weise bekannt. Als „selbstgewähltes Elend“ bezeichnete er dann die Gründung einer Frauenzeitschrift in München, die er über viele Monate mit begleitete. Als er danach nach Berlin zurückkehrte, mietete er eine Fabriketage in Kreuzberg und baute eine Fotoagentur auf. In dieser Zeit traf er auch auf Nina Hagen und begann auch als Musikmanager zu arbeiten. Er betreute in den folgenden zehn Jahren prominente deutsche Künstler wie Nena und Die Ärzte. Doch die Fotografie behielt weiterhin einen großen Stellenwert in seinem Leben. Er nannte sie ein „selbsterklärendes Handwerk mit Seele“, denn die Fotografie ermöglicht es, Menschen sehr schnell kennen zu lernen. „Ich mache immer Fotos. Selbst wenn ich hier jetzt rede. Ich bin Fotograf mit Leib und Seele.“

Nach Aufenthalten in Hamburg und Los Angeles und Ausflügen in die Welt der Werbung und der Musikvideos kehrte Jim Rakete 2001 nach Berlin zurück. Seine langjährige Leidenschaft für das Porträtieren berühmter deutscher und internationaler Film- und Musikgrößen konnte er mit seiner aktuellen Ausstellung „Stand der Dinge“ gut verknüpfen. Von Februar bis März sind ca. 100 Porträts deutscher Filmschaffender in einer Berliner Kunsthalle zu sehen.

Schwarz-Weiß Porträt Jim Rakete Der Lebensweg des Fotografen beeindruckte die jungen Mediengestalter, sahen sie doch, dass es viele Möglichkeiten gibt, seine Träume zu verwirklichen und sich auszuprobieren. Interessiert befragte Jim Rakete die Azubis anschließend zu ihren Zielen und Wünschen: Von der Arbeit als Fotograf bis zum Cutter oder Kameramann, die Jugendlichen hatten meistens schon ganz konkrete Berufsbilder für sich im Kopf. Jim Rakete gab ihnen gute Tipps und hatte oftmals witzige Anekdoten aus seinem eigenen Erfahrungsschatz parat. „Mit dem Beruf ist es wie mit der Liebe: Die Sachen, in die man sich verliebt, sind die, die einem spätestens nach fünf Jahren auf den Wecker gehen“, so Rakete.

Der Fotograf war angetan von diesem offenen Gespräch mit den jungen Menschen. Er erklärte, er hätte ein großes Selbstbewusstsein bei ihnen wahr genommen und fand die Beschreibung ihrer Träume sehr bildhaft. Einen Ratschlag gab er ihnen zum Abschluss noch mit auf den Weg: „Kontrolliert, wie ihr weiter kommt.“ Denn erst an Hand von bemerkten Veränderungen lassen sich Fortschritte erkennen, was dann wiederum zu neuer Motivation führt.

Kennen gelernt hatte Jim Rakete das SOS-Berufsausbildungszentrum auf der Langen Nacht der Süddeutschen Zeitung Anfang 2011. Der Verlag hatte an dem Abend seine Gäste zur Spendensammlung für die Berliner SOS-Einrichtung aufgerufen.