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Wenn Hausaufgaben zur Bedrohung werden
Die Durchführung der Hausaufgaben zählt zu den schwierigsten alltäglichen Erziehungs-Situationen in Familien mit Schulkindern. Viele Kinder, und mit ihnen ihre Eltern, leiden unter Ärger und Stress dabei. Hausaufgaben beeinflussen also auch erheblich das Familienleben. Es ist daher wichtig, dass sich Eltern mit diesem Thema gründlich auseinandersetzen.
Erfahrungsgemäß können Hausaufgaben unter den folgenden vier Bedingungen zu Schwierigkeiten führen:
- Wenn die Hausaufgaben für das Kind zu schwierig sind, etwa weil das Kind Schwächen oder Leistungsmängel, zum Beispiel beim Rechnen, aufweist.
- Wenn der Kontakt oder die Beziehung zwischen Eltern und Schulkind gestört wird oder gestört ist. Probleme entstehen besonders durch zu viele Bestrafungen.
- Wenn die Aufgaben nicht den Interessen des Kindes entsprechen, wenn es also "keine Lust" hat, wenn es nicht lernen will. Ein Kind will dann etwas tun, wenn es mit Erfolg rechnen kann, wenn seine Bemühungen anerkannt, gelobt und bewundert werden.
- Schließlich bei Unzulänglichkeiten der Schule, des Unterrichts, oder Fehlern von Lehrern. Besonders sinnlose mechanische Paukerei vermiest vielen Kindern ihre ursprüngliche Lernfreude.
Machen Sie sich als Eltern also zunächst Gedanken über das häusliche Lernklima. Sprechen Sie mit dem Klassenlehrer über die Schwierigkeiten Ihres Kindes, auch über wichtige Vorgänge in der Familie. Nur so kann der Lehrer Ihr Kind verstehen und geeignete Hilfen mitüberlegen.
Ein Kind arbeitet nur effektiv in einer Umgebung, in der es sich wohl fühlt. Es kann sich nur dann wohl fühlen, wenn es akzeptiert wird, wenn es nicht überfordert wird, Hilfe bekommt, wo es Hilfe braucht, und wenn fundamentale Bedürfnisse nicht missachtet werden. Dazu gehören das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit, die Möglichkeit zu Eigeninitiative und eine klare, durchschaubare Ordnung, in der Konsequenzen der Eltern vorhersehbar sind, und ein gewisses Maß an Stabilität garantiert ist.
Es ist sicher nicht Aufgabe der Eltern, ihren Kindern die Rechenaufgaben zu lösen, ihnen die Aufsätze zu schreiben oder die Landkarte zu zeichnen, von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen. Davon hätte ein Kind auf Dauer nichts. Das Kind soll lernen, die Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen. Kinder brauchen dabei aber unbedingt den Beistand, das teilnehmende Interesse ihrer Eltern.
Einige Tipps und Vorschläge aus der Praxis:
- Jedes Kind ist einzigartig und unterscheidet sich damit von anderen. Sie müssen daher je nach Alter, Klassenstufe und Individualität des Kindes und der Situation der Familie abwägen und entscheiden.
- Achten Sie auf die Stimmung Ihres Kindes, wenn es aus der Schule kommt. Helfen Sie, Missstimmungen zu überwinden. Nehmen Sie sich genügend Zeit dafür.
- Ihr Kind soll selbst beurteilen lernen, wie gut ihm die Hausaufgaben gelungen sind. Wichtig ist: Zunächst muss Ihr Kind verstehen, begreifen, erfassen. Erst dann sind Übungen zur Festigkeit, Sicherheit, Geschwindigkeit sinnvoll.
- Lassen Sie sich von dem Gedanken leiten, dass Fehler nicht nur einfach falsch sind, sondern wertvolle Hinweise geben können, wie sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn mit den Lernaufgaben auseinandersetzt. Versuchen Sie, ihren oder seinen Gedankengang zu verstehen, dann können Sie auch richtig helfen.
- Überfordern Sie nicht die Konzentration Ihres Kindes! Konzentration bedeutet, die Aufmerksamkeit für eine bestimmte Zeit auf etwas richten zu können, eine Sache abzuschließen, bevor man auf etwas anderes abschweift, und sich nicht durch wechselnde Reize aus der Umgebung ablenken zu lassen. Ein Erstklässler kann sich etwa 15 Minuten, ein Viertklässler etwa 30 Minuten voll konzentrieren.
- Wenn Ihr Kind will, können Sie ihm helfen und mit ihm üben. Will das Kind aber nicht, schadet Üben meistens mehr als es nützt! Ihr Kind sollte also keine "Fleißaufgaben" machen, die die Eltern verlangen. Ob zusätzliche Übungsaufgaben, und gegebenenfalls welche und wie viele, notwendig, geeignet und hilfreich sind, erfordert genaue Überlegungen. Günstig ist es, wenn Sie sich dazu mit dem Klassenlehrer oder anderen Fachkräften beraten. Das gleiche gilt auch, bevor Sie sich privaten Lernzirkeln oder Pauk-Studios anschließen.
- Es gibt keine Pillen, die aus schlechten Schülern gute machen. Nur wenn ein Kind wirklich krank ist und Medikamente benötigt, ist dies gerechtfertigt. Diese Entscheidung aber gehört allein in die Verantwortung eines Arztes.
- Achten Sie mehr auf die Anstrengungen, das aktuelle Bemühen Ihres Kindes, weniger auf das Ergebnis, vor allem bei Noten. Zwischen der Note und der Anstrengung besteht oft nur ein geringer Zusammenhang.
- Reagieren Sie nicht mit Strafen wegen Hausaufgaben-Schwierigkeiten. Überlegen Sie besser, worin diese begründet sein können. Nur wer Freude am Leben hat, kann Freude am Lernen besitzen.
- Stellen Sie Ihr Kind niemals als zu klein, zu dumm, zu ungeschickt hin! Verhelfen Sie ihm lieber zur richtigen Einschätzung seiner Möglichkeiten. Diese realistische Selbsteinschätzung nennen wir Selbstvertrauen.
Eltern - und Lehrer - sollten immer das ganze Kind in seiner Persönlichkeit sehen, mit allen seinen außerschulischen und schulischen Fähigkeiten. Und das Kind muss immer ganz sicher sein, dass es seine Eltern in jedem Fall lieben, egal ob es gute oder schlechte Schulleistungen hat! Lernen Sie mehr das "leistungsfähige Kind" zu sehen, und weniger das "versagende Kind". Das bedeutet Vertrauen schenken.
Von F. X. MÜLLER