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Taschengeld

Mädchen mit Sparschwein / Foto: Jesse Kuhnert/fotolia Wie viel darf sein?

50 Cent oder 5 Euro - die Meinung über die Höhe des Taschengelds geht auseinander. Wie viel Taschengeld ist in welchem Alter angemessen? Zahlt man wochentlich oder monatlich? Dürfen sich die Kleinen mit dem Taschengeld alles kaufen, was sie wollen oder darf man als Erwachsener auch hier Grenzen setzen? Hier erfahren Sie mehr.

Brauchen Kinder Taschengeld? Ja, denn Kinder brauchen Taschengeld als einen wichtigen Baustein, um mit Geld eigenverantwortlich und sinnvoll umgehen zu lernen. Der richtige Umgang mit Geld ist für das spätere Leben eines Kindes von entscheidender Bedeutung. Dies ist nur durch persönliche Erfahrung und rechtzeitige Übung möglich. Taschengeld ist also auch dann sinnvoll, nicht überflüssig, wenn die Eltern glauben, ihr Kind habe und bekomme doch alles, was es brauche. Für Eltern und Erzieher muss Taschengeld deshalb ein fester Bestandteil der Erziehung sein.

Um ihrem Kind Sicherheit zu vermitteln, sollten sie das Taschengeld regelmäßig zahlen. So fördert es die Selbstständigkeit, ermöglicht Entscheidungsfreiheit und trägt zur Selbstbestimmung bei. Man kann sich damit kleinere oder größere Wünsche selbst erfüllen und muss sich nicht alles erbetteln. Aber auch anderen - etwa Eltern, Geschwistern oder Freunden - kann damit Freude bereitet werden. Dies gibt die Chance, großzügig zu sein, ohne zum Verschwender zu werden. Wenn das Taschengeld erzieherischen Wert haben soll, muss das Kind frei darüber verfügen können. Es muss (sich) selbst entscheiden dürfen, wann, wie und wofür es dieses, sein eigenes Geld ausgeben oder sparen will. Nur so lernt es, bewusst und kritisch damit umzugehen. Auch wenn besonders kleinere Kinder ihr Geld scheinbar planlos ausgeben, ist das kein Grund zur Aufregung. Finden Sie sich damit ab, dass zum Lernen auch "Experimentieren" gehört.

Kauft sich ein Kind zum Beispiel am ersten Tag für sein gesamtes Geld Süßigkeiten, so wird es sich schon bald ärgern, dass es nichts mehr hat. Verliert es sein Geld, dann lernt es, damit sorgfältiger umzugehen. Verschenkt es sein Geld gedankenlos, dann ist es vielleicht traurig. Alle diese oder ähnliche Erfahrungen sind wichtig. Eltern sollten nicht versuchen, solche negativen und zum Teil auch schmerzlichen Erfahrungen vom Kind abzuwenden.

Darum gehört das Taschengeld, wie bereits der Name besagt, in der Regel auch in die Tasche - oder besser in einen Geldbeutel - und nicht in die Sparbüchse oder auf ein Konto! Das Kind soll sich damit ein Stück persönliches Glück beschaffen dürfen. Es ist allerdings auch wichtig, Ihr Kind zu einem planvollen und sparsamen Umgang mit Geld zu erziehen. Kinder sollen auch lernen, verzichten zu können. Sie sollen den Sinn des Sparens selbst erkennen und danach handeln lernen. Das Sparziel soll vom Kinde selbst gewählt werden! Nach dem Erreichen dieses Zieles muss sich das Kind dann auch seinen Wunsch erfüllen dürfen. Die Höhe des Taschengeldes bemisst sich grundsätzlich nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Sie sollte weder zu niedrig noch zu hoch sein. Geschwister sollten aber entsprechend ihrem Alter unterschiedliche Beträge erhalten.

Vorschläge aus der Praxis:

  • Die Erziehung zum richtigen Umgang mit Geld muss schon vor der ersten Auszahlung des Taschengeldes beginnen. Man sollte etwa schon frühzeitig für klare Besitzverhältnisse sorgen (z. B. eigene Spielsachen, eigene Bücher usw.). Wichtig sind verbindliche Regelungen.
  • Das Kind muss begreifen, was Geld ist. Die verschiedenen Münzen (Größe, Farbe, Aussehen, Beschriftung) müssen vom Kind unterschieden werden können. Eine gute Gelegenheit dazu bietet sich etwa, wenn Sie Ihr Kind zum Einkaufen mitnehmen.
  • Das erste Taschengeld sollte spätestens ein halbes Jahr vor Schuleintritt gegeben werden! Eine richtige Taschengeld-Erziehung erleichtert übrigens zusätzlich das Verständnis für Mathematik in der Schule.
  • Bis zum achten Lebensjahr empfiehlt sich eine wöchentliche Auszahlung. Dann kann man allmählich zur 14-tägigen und ab dem zehnten Lebensjahr schließlich zur monatlichen Auszahlung übergehen.
  • Sie sollten immer am gleichen Tag, möglichst zum gleichen Zeitpunkt, das Taschengeld auszahlen (z. B. am Sonntag nach dem Frühstück). Nur so lernen die Kinder damit planen.
  • Sie dürfen dem Kind niemals zur Strafe das Taschengeld kürzen, entziehen oder damit drohen! Erzieherisch vertretbar aber ist dies bei zwei Ausnahmen: 1. wenn das Kind leichtfertig oder mutwillig Schäden verursacht hat. Dann dient das nicht ausgezahlte Taschengeld, um diese damit wieder gutzumachen; 2. wenn das Kind Geldbeträge oder Gegenstände gestohlen hat. Es ist dann eine Art Rückzahlung. Das Taschengeld darf aber auch dann nicht weniger als die Hälfte des entsprechenden Satzes betragen!
  • Bei selbstverschuldeter Ebbe in der Kasse sollten Eltern niemals unüberlegt auffüllen. Einen Kredit in "finanzieller Notlage" sollten Sie ermöglichen. Vereinbaren und halten Sie aber konsequent die Rückzahlung ein!
  • Das Taschengeld darf auch nicht von Bedingungen abhängig gemacht werden, etwa von der Mithilfe im Haushalt, von guten Schulnoten oder vom Betragen.
  • Geld, das von Kindern oder Jugendlichen selbst verdient worden ist, oder das sie als besonderes Geschenk erhalten haben, gehört auch ihnen. Es zählt nicht als Taschengeld. Über deren Verwendung sollte offen mit ihnen gesprochen werden:
  • Besprechen Sie ab und zu mit dem Kind Ausgaben. Erklären Sie, was man alles mit dem Geld machen kann. Aber bevormunden Sie das Kind nicht. Kinder brauchen und wollen Planungs- und Entscheidungshilfen, aber sie wollen selbst entscheiden dürfen.
  • Beachten Sie immer auch das eigene Beispiel und Vorbild! Man muss selbst mit dem eigenen Geld zurecht kommen können, wenn man die Kinder dazu erziehen will. Sprechen Sie immer wieder gemeinsam mit den Kindern über Anschaffungen, Ausgaben, Lebensunterhalt, aber auch über Dinge, die Sie sich selbst auch nicht leisten können. Vorleben ist besser als belehren.