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Muss man Kindern Grenzen setzen

Zwei asiatische Kinder lachen in die Kamera Immer wieder klagen Eltern, dass sie von ihren "lieben Kleinen" regelrecht tyrannisiert werden. So gibt es bei einer Familie seit Wochen nichts Anderes mehr als Pommes mit Ketchup, weil sich die Kinder weigern, etwas Anderes zu essen. In einer anderen Familie wird das Anziehen am Morgen oder das ins Bett gehen am Abend zum täglichen Machtkampf. Viele Eltern wissen keinen Rat mehr und fühlen sich dadurch verletzt und überfordert.

Aber setzen diese Eltern überhaupt Grenzen? Geben sie ihren Kindern Orientierung und Klarheit? Oder suchen diese vielleicht mit ihrem Verhalten gerade danach? Grenzen setzen bedeutet, den Kindern einen klaren Rahmen zu geben, innerhalb dessen sie selbst bestimmen dürfen. So könnten die Eltern zum Beispiel mehrere Essensvorschläge machen, aus denen ausgewählt werden darf. Wer dann das vereinbarte Gericht nicht essen will, muss bis zur nächsten Mahlzeit warten.

Manche Eltern stellen die Frage, ob Grenzen nicht die Entfaltung der Kreativität hemmen?

Vergleichen sie dazu einmal die Erziehung mit einer Bergwanderung. Ziel ist, das Kind zum Gipfel zu begleiten. Die Eltern haben dabei die Rolle eines Bergführers. Sie kennen die schönen und genussvollen Seiten der Bergwelt, aber auch die Gefahren. Bei einer solchen Wanderung trifft man auf bunte Blumenwiesen und sanfte Hügel, wo Kinder gefahrlos toben und sich selbst ausprobieren können. Aber es gibt auch viele Gefahren, z. B. steiles Gelände oder abschüssige Wege. Hier ist es wichtig, die Kinder konsequent auf dem Pfad zu halten und sie vor Gefahren zu schützen, notfalls sogar ans Seil zu nehmen.

Erziehung wie Bergwanderung sind anstrengend. Und es gibt viele Gründe, warum man dabei das Ziel verfehlen kann.

Sinnvolle Regeln und klare Grenzen sind keine Machtinstrumente, die Kreativität verhindern, sondern sie geben Sicherheit und Halt. Sie setzen einen Rahmen, innerhalb dessen sich Kinder frei entfalten können.Ohne diesen fühlen sich Kinder nicht wohl. Denn dann müssen sie probieren, wie weit sie gehen können. Kinder versuchen auch, Grenzen zu überschreiten oder Forderungen der Eltern einfach zu ignorieren. Folgende Hinweise können hilfreich sein kann, um Kindern Halt und Orientierung zu geben:

Stellen Sie Regeln nur dann auf, wenn Sie bereit sind, diese auch zu kontrollieren und durchzusetzen. Andernfalls werden Sie sehr schnell unglaubwürdig in den Augen der Kinder.

Versuchen Sie, mit wenigen Regeln auszukommen. Achten Sie darauf, dass diese eingehalten werden. Setzen Sie eindeutige Regeln und unmissverständliche Grenzen. Bleiben Sie standhaft in Ihrem eigenem Verhalten. Streiten sich etwa Kinder während einer Autofahrt so sehr, dass Sie sich nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren können, sollten Sie anhalten und warten, bis die Kinder ruhig sind. Handeln hilft oft mehr als langes Bereden.

Am leichtesten lernen Kinder aus den Folgen ihres Tuns. Übernehmen Sie selbst also nicht die Verantwortung, wenn sie vom Kind ohne Gefahr selbst übernommen werden kann. Wenn sich zum Beispiel der fünfjährige Oliver jeden Morgen weigert, sich zu waschen und anzuziehen, dann nützt alles Zureden, Schimpfen und Drohen wenig. Eine logische Konsequenz von Olivers Verhalten könnte sein, ihn nach einer vereinbarten Zeitspanne ohne weiteren Kommentar und nur mit dem Schlafanzug bekleidet in den Kindergarten zu bringen. Wahrscheinlich wird es dann nie mehr zu einem solchen Machtkampf zwischen ihm und seiner Mutter kommen. Um Kindern zu helfen, das Einhalten von Regeln und Grenzen zu erlernen, ist Bestrafung wenig sinnvoll. Besonders Schläge sind ungeeignet, denn sie verletzen die Würde des Kindes und vermitteln ihm, dass sich der Mächtigere und Stärkere durchsetzt. Kinder werden die Autorität der Eltern nur anerkennen, wenn sie sich wie gleichberechtigte Menschen behandelt fühlen.

Eine Erziehung ohne Regeln hat sich nicht bewährt. Verhaltensregeln sind für das Gemeinschaftsleben von größter Bedeutung.

Von DORIT PAETZOLD