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Kinderängste
Lena, 7 Jahre, weint, wenn die Mutter ohne sie das Haus verlässt. Tobias, 5 Jahre, läuft nach dem Schlafen gehen immer wieder zu den Eltern und berichtet, in seinem Zimmer seien Gespenster. Peter macht auf dem Schulweg regelmäßig einen großen Umweg, um einem Hund auszuweichen. Diese Beispiele kindlicher Angst sind beliebig erweiterbar. Doch wie kann man als Erwachsener damit umgehen?
Eltern reagieren darauf oft irritiert und besorgt, viele sagen beschämt, dass gerade ihr Kind so ängstlich ist. Angst wird oft mit Schwäche, Lebensuntüchtigkeit, mangelndem Selbstbewusstsein in Verbindung gebracht und mit Fehlern in der Erziehung.
Dabei hat Angst viele Gesichter. In vielen Lebensbereichen ist sie etwas ganz Normales, sogar Lebensnotwendiges. Sie hat uns Menschen seit Generationen geholfen zu überleben. So veranlassen uns ja gerade Angstgefühle, vorsichtig bei Gefahren und in neuen Situationen zu sein.
Natürlicherweise treten bei Kindern entwicklungsbedingte Ängste auf. So nehmen Kleinkinder und Vorschulkinder ihre Umgebung immer bewusster wahr und für vieles Unverständliche werden bisweilen unheimliche und magische Erklärungen gefunden, die dann oft bedrohlich wirken. In Schule und Kindergarten kommen neue Anforderungen auf das Kind zu. Das Kind muss sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, sich mit anderen auseinander setzen, erste Versagensängste treten im Vergleich mit anderen auf.
In besonderen Lebenssituationen, wie Trennung der Eltern, Krankheit und Tod im Bekanntenkreis, all den größeren und kleineren Katastrophen des Alltags ist es nur verständlich, dass Kinder verunsichert werden und Angst zeigen. Sind sie doch in ihrem Wohlbefinden von einer einschätzbaren Umgebung und stabilen Beziehungsgefügen abhängig. Viele Ängste sind jedoch erlernt und durch ein unangemessenes Vorbild wichtiger Bezugspersonen und durch verunsicherndes Erziehungsverhalten veranlasst. So brauchen Sie sich nicht über ein ängstliches Verhalten ihres Kindes beim Anblick einer Spinne wundern, wenn Sie selbst davon schreiend weglaufen.
Wenn Ihr Kind lernt, sich durch Ängste nicht entmutigen zu lassen, kann die Angst eine große Kraft darstellen, sein Selbstbewusstsein und sein Selbstvertrauen fördern. Eltern können durch ihr Verhalten Kinderängste günstig und ungünstig beeinflussen.
Hier ein paar Verhaltensregeln im Umgang mit der Angst:
- Nehmen Sie Ängste Ihres Kindes ernst und zeigen Sie Verständnis für seine Angst.
- Geben Sie Ihrem Kind Zeit, über die Angst zu reden, erklären Sie ihm Zusammenhänge und entwickeln Sie gemeinsam Möglichkeiten, diese in "kleinen" Schritten zu bewältigen.
- Seien Sie ihm ein gutes Vorbild. Zeigen Sie, wie Sie mit eigenen Ängsten umgehen.
- Machen Sie ihm Mut, Schwierigkeiten selbst zu meistern. Lösen Sie nicht jedes Problem für Ihr Kind.
- Loben und ermutigen Sie es. Anerkennung stärkt das Selbstbewusstsein.
Da dies alles leichter gesagt als getan ist, holen Sie sich fachliche Hilfe bei Ihrer Erziehungsberatungsstelle oder psychotherapeutisch geschulten Fachleuten.
Buchempfehlungen: Jan-Uwe Rogge: Ängste machen Kinder stark; M. Schmid, B. Kohlhepp: Keine Angst mehr; Susi Bohal: Selina Pumpernickel und die Katze Flora (Kinderbuch)