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Das Bundesverdienstkreuz für Eltern
Dieses Beispiel könnte für eine Reihe alltäglicher Ereignisse stehen, über die sich die meisten von uns, Eltern wie Erwachsene, wenig Gedanken machen. Wahrscheinlich hat sich auch dieser Vater keine Gedanken gemacht, was er seinem Sohn soeben vermittelt hat. Eltern und Erwachsene sind immer Vorbilder, ob sie wollen oder nicht.
Unser erzieherisches Tun und Lassen ist von ganz bestimmten Normen und Spielregeln beeinflusst. Und diese werden auf die Kinder weitergegeben. Die Vermittlung derselben, also das, was jeder für richtig, gut, selbstverständlich oder wertvoll hält, geschieht im wesentlichen auf drei verschiedene Weisen:
- Ein großer Teil der Erziehung der Kinder erfolgt auf dem Wege der Belehrung, des Gesprächs und der Unterweisung. Hier handelt es sich um die Erziehung mit Hilfe der Sprache. Dies sind meistens bewusste und absichtsvolle erzieherische Tätigkeiten.
- Eine zweite wichtige Beeinflussungsart sind die vielfältigen Möglichkeiten, Kinder zu belohnen und zu bestrafen. Damit sind keineswegs nur auffällige Erziehungsmaßnahmen wie Körperstrafen oder Geschenke gemeint, sondern vor allem auch kaum bemerkbare Verhaltensweisen von Eltern.
- Ganz besondere Bedeutung kommt der dritten Möglichkeit der Beeinflussung, nämlich der Vorbildwirkung, zu. Man spricht hierbei auch vom Lernen am Modell. Gemeint ist damit: Wir tun etwas und unsere Kinder ahmen uns nach. Die Kinder schauen uns ab, wie wir uns verhalten. Sie merken und wissen aber meistens selbst nicht, dass sie uns nachahmen.
Dieser dritte Erziehungseinfluss geschieht meistens nicht absichtsvoll und bewusst, so wie im obigen Beispiel. So sind wir eben leider auch nicht immer gute Modelle oder Vorbilder. Wie also vermittelt man Werte in einer Zeit der Beliebigkeit, der Kälte und der Ichbezogenheit? Fragen wir uns doch selbst: Sind wir als Eltern, als Lehrer, als Erwachsene angemessene Modelle für soziales, gewaltfreies, emotionales und intellektuelles Verhalten? Was können wir selbst tun, in einer Zeit, in der nichts mehr heilig ist, in der die Schwächeren und Schwächsten, also auch die Kinder keine Chance mehr haben und erbarmungslos verletzt, gedemütigt, missbraucht, ausgebeutet oder sogar getötet werden, in der viele Kinder in der Familie, in der Schule, auf der Straße, im Fernsehen die verschiedensten Gewaltmodelle vorgeführt bekommen?
Sind wir etwa glaubwürdig, wenn wir einfach wegschauen? Vermitteln wir soziales Verhalten, wenn wir hinter dem Lenkrad andere Normen praktizieren, als wir sie predigen? Respektieren wir die Würde und Freiheit der Kinder und des Partners? Verzichten wir auf physische und psychische Gewalt, auch wenn wir Änderungen bei anderen durchsetzen wollen? Wie halten wir es selbst mit unserer eigenen Disziplin, mit unserer eigenen Kontrolle, z.B. bei Alkohol oder Nikotin? Wie gehen wir mit unseren eigenen Stimmungen um? Man kann vermuten, dass Eltern, aber auch andere Bezugspersonen wie Lehrer, Verwandte usw. in vielen Fällen noch deutlich davon entfernt sind, hinreichende Modelle für erwünschtes soziales, emotionales und intellektuelles Verhalten für ihre eigenen oder ihnen anvertraute Kinder und Jugendliche zu sein!
Den Menschen menschlicher zu machen, ist in unserer heutigen so lieblosen Zeit, eine der vordringlichsten Aufgaben. Gefragt sind also nicht egoistische Eigenliebe und struktureller Egoismus, sondern die Liebe zum Nächsten. Wenn alle Beteiligten in Angelegenheiten von Kindern, Jugendlichen und Familien kooperieren, gelingt viel mehr. Die Erfahrungen der Praxis haben mir gezeigt, dass nur dort befriedigende Ergebnisse zu erzielen waren, wo diese Bereitschaft und dieses Bemühen bestand.
Was wir brauchen, ist der Mut zur Verantwortung, zur Familie, zu Kindern und einem persönlichen und aktiven Einsatz, um zur Verbesserung der Lebensqualität von Kindern beizutragen, um Kindern Ermutigung, Hoffnung und lebensbejahende Hilfen zu geben. Beginnen Sie damit in Ihrer eigenen Familie. Machen Sie sich bewusst, welche Wirkung Ihr Vorbild bei ihnen hinterlässt. In der Beliebtheitsskala der deutschen Kinder rangieren nach wie vor immer noch die eigenen Eltern an erster Stelle. Nehmen Sie also Ihre elterliche Verantwortung wahr. Denken Sie daran, dass die Grundlagen für das Gelingen des späteren Lebens immer noch in der Familie gelegt werden. Bemühen Sie sich in allen Bereichen Vorbilder zu sein. Ihre Kinder danken es Ihnen mit ihrem "Bundesverdienstkreuz".
Von F.X. Müller