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Allein Erziehen

Mutter hält Jungen auf dem Arm

Die Ein-Eltern-Familie - groß im Kommen

Die Ein-Eltern-Familie entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer neuen Lebensform mit Kindern. 1999 lebten in Bayern rund 19 Prozent der Familien als Ein-Eltern-Familie. Meistens sind es Frauen, die allein erziehend sind. Vielfach ist eine Krise wie Todesfall oder Trennung vorausgegangen.

Alle Familien haben das gleiche Ziel, nämlich ihre Kinder zu versorgen, sie zu erziehen und liebevoll auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Der merkbare Unterschied ist, dass Alleinerziehende sich den Nöten und Sorgen des Alltags häufig ohne Unterstützung stellen müssen: Bewältigung der Trennung oder Scheidung, materiellen Sorgen, Existenzängsten, der Organisation der Kinderbetreuung, dem Gefühl der Einsamkeit und der Isolation, und leider immer noch, Vorurteilen und Ressentiments gegenüber Ein-Eltern-Familien.

Auf der anderen Seite sehen viele Alleinerziehende diese Situation auch als eine Chance, persönlich an der Krise zu wachsen und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten. Diese positive Haltung ist ein Schlüssel, die Situation nicht nur als Belastung zu erleben, sondern aktiv und offen nach Lösungen im Alltag zu suchen.

Die Verantwortung für ein Kind zu tragen - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr - ist eine große Herausforderung. Um die Erziehung des Kindes erfolgreich meistern zu können, ist es deshalb unbedingt erforderlich, auch für sich selbst freie Zeiten zu schaffen, um Energie tanken zu können. Die Formel gilt übrigens für alle Familienformen: Geht es den Eltern gut , geht es auch den Kindern gut. Dies erfordert jedoch, dass Hilfen und Menschen zur Verfügung stehen, die die Betreuung der Kinder übernehmen. Wichtige Anlaufstellen sind dabei das Jugendamt, Beratungsstellen und Familien- bzw. Mütterzentren. Der Verband für Alleinerziehende Mütter und Väter und Freie Wohlfahrtsverbände, wie z.B. der Caritasverband, bieten Seminare bzw. Freizeiten für Alleinerziehende an, bei denen eine Kinderbetreuung miteingeschlossen ist.

Ein Begleiter vieler Alleinerziehender ist das "Schlechte Gewissen", vor allem wenn etwas nicht glatt läuft. Alleinerziehende fühlen sich für das Wohlergehen ihres Kindes allein verantwortlich und wollen deshalb alles besonders gut machen. Weil ihnen der Erfolg in der Erziehung so wichtig ist, leiden sie dann auch stärker unter Enttäuschungen und Fehlschlägen, die in den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern unvermeidbar sind. Alleinerziehende, die andere "Standbeine" haben, wo sie Lob und Anerkennung bekommen können, erleben dies als Möglichkeit ihren Perfektionsanspruch und damit auch Stress zu reduzieren.

Kontakte nach Außen oder die Berufstätigkeit schaffen Gesprächspartner und beugen vor, das Kind als "Ersatzerwachsenen" zu behandeln. Erwachsenenthemen, wie z. B. materielle Sorgen, sollten nicht mit Kindern besprochen werden. Außerdem lernen die Kinder berufstätiger Eltern frühzeitig selbständiges Arbeiten und für sich selbst Verantwortung zu tragen. Gleichzeitig erleben die Kinder ihre "Freiräume" als größer und schlussendlich mögen sie es auch, wenn man ihnen etwas zutraut. Das Verhalten ihres Kindes wird ihnen zeigen, wann ihr Kind unter- bzw. überfordert ist.

Das Fehlen des anderen Elternteiles, zumeist des Vaters, lässt sich auffangen und ausgleichen, aber ersetzen lässt es sich nicht. Eine liebevolle Erziehung kann deshalb heißen, dem Kind ein objektives Bild vom Vater zu geben, auf abwertende Äußerungen zu verzichten und den Kontakt zum Vater zu ermöglichen. Wenn ein neuer Partner hinzu kommt, sollte dieser nicht versuchen, den Platz des leiblichen Vaters einzunehmen oder sich vor dem Kind kritisch über ihn zu äußern.

Wer allein für alle Bereiche des Lebens verantwortlich ist - Erziehung, Haushalt, Geldverdienen, Freizeitgestaltung -, braucht, wenn zu den normalen Alltagssorgen noch massive Erschwernisse dazukommen, z. B. schulische Probleme des Kindes, jemanden, bei dem man/frau sich aussprechen oder das Für und Wider einer Entscheidung bereden kann. Suchen sie sich einen Menschen ihres Vertrauens; im Gespräch entwickeln sich manchmal sehr unerwartete und kreative Lösungen. Der Gesprächskreis für Alleinerziehende oder ein Gespräch an der Beratungsstelle kann Rat und Hilfe bieten.