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Weil Kinder ein Zuhause brauchen
Klara* (10) wohnt seit sechs Jahren mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Maximilian* und drei weiteren Kindern im SOS-Kinderdorf in Worpswede. Ihr Vater verunglückte tödlich bei einem Verkehrsunfall, ihre Mutter ist seitdem schwer krank und kann sich nicht mehr um die beiden Kinder kümmern. Die Geschwister fühlen sich heute in ihrer Kinderdorf-Familie wohl und geborgen.
"Eigentlich ist es bei uns wie in jeder anderen Familie auch", erzählt Klara. "Um 7 Uhr weckt uns unsere Mutter. Nach dem Frühstück gehe ich mit meinem Bruder und Carolin zur Schule. Carolin und ich besuchen gemeinsam die vierte Klasse. Wir sind zwar keine echten Geschwister, verstehen uns aber super. Mittags essen wir alle zusammen, Wichtiges wird besprochen und der Nachmittag geplant. Montags übe ich nach den Hausaufgaben meistens Flöte, am Dienstag sind wir alle in der Kunstwerkstatt im SOS-Kinderdorf und malen und basteln. Wenn wir am Abend im Bett liegen, hat Bettina*, unsere Kinderdorfmutter Zeit für sich. Sie sagt zwar, dass ihr Beruf oft ganz schön anstrengend sei, aber dass sie es toll findet zu sehen, wie wir uns entwickeln."
Karina (9) hat seit zwei Jahren ein neues Zuhause in einer Kinderdorffamilie mit insgesamt fünf Kindern gefunden. Mit manchen versteht sie sich gut, mit anderen nicht so besonders – wie dies in fast allen Familien vorkommt. Ein besonders gutes Verhältnis hat sie zu ihrer Kinderdorfmutter. "Die ist ganz, ganz, ganz lieb", sagt sie. "Und das nicht nur, weil sie so selten schimpft, sondern auch, weil sie so gut trösten kann und wir fast nie Ärger kriegen."
"Meine Kinderdorfmutter ist das Beste, was mir je passieren konnte. Sie war wie eine leibliche Mutter und immer für mich da, wenn es irgendwelche Probleme gab". Diese und ähnliche Antworten geben auch ehemalige Kinderdorf-Kinder, die heute als Erwachsene ihren Weg gefunden haben, wenn man sie nach ihren Erfahrungen fragt.
Hilfe für Kinder in Not
Die Arbeit der SOS-Kinderdörfer beruht auf dem Prinzip, Kindern, die nicht bei ihren eigenen Familien aufwachsen können, ein neues Zuhause zu geben, um damit eine Basis für ihren weiteren Lebensweg zu schaffen. Die Kinder werden häufig auch noch nach der Schul- und Berufsausbildung betreut – bis sie als selbständige Erwachsene eine eigene Familie oder einen eigenen Hausstand gründen können. Die SOS-Kinderdorfmütter und -väter arbeiten an sechs Tagen in der Woche. Für ihren Beruf, der fast immer eine Berufung ist, le-gen sie eine überdurchschnittliche Motivation an den Tag. Marianne Liebscher vom SOS-Kinderdorf Saar machte einst ein Praktikum – und blieb. Sie erzählt: "Kein Kind ist wie das andere. Aber fast alle haben Probleme. Manche sind aggressiv, andere haben Sprachschwierigkeiten oder werden von Ängsten geplagt. Hier ist viel Einfühlungsvermögen, aber auch viel Geduld gefragt. Und genau das ist es, was mir an diesem Job so viel Freude bereitet. Wenn die Kinder Vertrauen gefasst haben, ist das der schönste Lohn."
Oder Kinderdorf-Mutter Christine Müller aus Berlin. "Meine Kinder", wie die 38-Jährige sie nennt, "sind zwischen acht und 14 Jahre alt. Hier sehe ich, dass meine Arbeit tatsächlich Früchte trägt, dass ich etwas verändern kann. Durch die lange Zeit, die man zusammen verbringt, entsteht eine enge Bindung." Die Gründe, warum Kinder in ein SOS-Kinderdorf kommen, sind vielfältig. Häufig sind Krankheit, Alkohol, Gewalt in der Familie oder finanzielle Not der leiblichen Eltern der Grund für eine Einweisung durch das Jugendamt. Die Kinder verhalten sich auffällig, haben emotionale, soziale und schulische Entwicklungsrückstände und oft auch ein schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Auch Waisenkinder gibt es in den SOS-Kinderdörfern, sie sind aber nicht die Regel. Übrigens: Die Einweisung in eine Kinderdorffamilie erfolgt stets in Abstimmung mit den Eltern. So gibt es auch Kinder, die nach der Bereinigung einer bestimmten Notsituation, wieder ins elterliche Heim zurückkehren können.
Grundsätzlich besteht jede SOS-Kinderdorffamilie in Deutschland aus fünf bis sechs Kindern verschiedenen Alters. Leibliche Geschwister werden in der Regel nicht getrennt. Familienoberhaupt und Bezugsperson sind die Kinderdorfmütter und -väter. Jede Familie lebt in einem eigenen Wohnhaus. Ein Dorf besteht aus zehn bis 15 Häusern (Familien) sowie pädagogischen Einrichtungen wie Kindergärten oder Wohngruppen. in denen die älteren Jugendlichen auf ein selbständiges Leben vorbereitet werden.
Wie alles begann
Begründer der SOS-Kinderdörfer ist der Österreicher Hermann Gmeiner. In Innsbruck gründete er 1949 den Verein „Societas Socialis“ (SOS). Dieser war zunächst ein Auffangbecken für Kinder, die durch die Nach-kriegswirren verwahrlost und verwaist durch die Straßen liefen. Der Medizinstudent Hermann Gmeiner sah das Elend, brach sein Studium ab und widmete sein Leben ganz den Kindern. Seine Idee: Dort, wo Familien durch Krieg oder andere Umstände ausein-ander gebrochen sind, sollen wieder neue entstehen. 1949 wurde in Imst in Tirol das erste SOS-Kinderdorf gebaut, das ein Jahr später bezogen werden konnte. Heute gibt es rund 500 Kinderdörfer in 132 Ländern der Erde, unter anderem in Sri Lanka, Brasilien und Nepal. 15 Kinderdörfer gibt es bislang in Deutschland
Eine besondere Auszeichnung erhielt SOS-Kinderdorf International im Juli 2009. Im Rahmen einer großen TV-Gala wurde der Organisation aufgrund ihres weltweiten Engagements für Kinder der Preis „Save the World Award“ verliehen.
Highlights durch prominente SOS-Botschafter
Welches Kind träumt nicht davon, einmal mit einem echten Schauspieler ein Theaterstück zu spielen oder mit einem Sterne-Koch ein leckeres Essen zuzubereiten? Ein Traum, der für manche Kinder in den SOS-Kinderdörfern Wirklichkeit wird. Denn zu den prominenten Botschaftern gehören unter anderem Star-Koch Alfons Schuhbeck, Moderator Cherno Jobatey oder die Schauspieler Elisabeth Lanz und Michael Mende. Alle engagieren sich ehrenamtlich und auf eigenen Wunsch.
Mit Spenden helfen
Ohne Spenden wäre die Arbeit der SOS-Kinderdorforganisation und damit die Hilfe für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nicht möglich. So werden die Kinderdörfer zu 65 Prozent aus Spenden finanziert. In Deutschland sind das beachtliche 1,8 Millio-nen Spender! Die restlichen Gelder stammen aus öffentlichen Mitteln, vor allem aus den Tagessätzen der Jugendämter.