Happy End für Rose*

Afrikanisches Mädchen mit traditionellem Haarschmuck

Manche Kinder erleben im SOS-Kinderdorf zum ersten Mal Liebe und Zuneigung. In der herzlichen Umgebung einer SOS-Kinderdorf-Familie blühen sie dann regelrecht auf. Hier erzählt ein SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter die Geschichte eines kleinen Mädchens.

Als ich ein Familienhaus im SOS-Kinderdorf Entebbe in Uganda besuche, kommt mir fröhliches Kinderlachen entgegen. Und als ich die Haustüre öffne höre ich, wie ein Junge, der offensichtlich hinter einem Kasten versteckt ist, laut ruft "Komm und suche mich". Scheinbar sind die Kinder in ein Spiel vertieft. Da ich keinen Grund habe, sie zu unterbrechen, sehe ich ihnen einfach eine Weile zu. Als das kleine Mädchen ihren großen Bruder schließlich entdeckt, sind beide ganz aufgeregt. Er wirft sie hoch in die Luft und die beiden umarmen sich laut lachend.

Ich bin vollkommen erstaunt über das, was ich beobachte. Nicht weil ich noch nie vorher gesehen habe, wie zwei Kinder so sehr ihre Zuneigung füreinander zeigen, sondern viel mehr wegen der unglaublichen Veränderung, die ich bei dem kleinen Mädchen feststellen kann, das erst ein paar Wochen zuvor ins SOS-Kinderdorf gekommen ist.

Ein scheues und unterernährtes Kind

Ich werde nie mein erstes Zusammentreffen mit Rose* vergessen. Ich sah ein kleines, verschüchtertes Mädchen, das nicht aussah, als wäre sie bereits vier Jahre alt, was wohl an ihrer Unterernährung lag. Sie schien gemischte Gefühle bezüglich den Geschehnissen um sie herum zu haben und klammerte sich an ihren Vater.

Ein Sozialarbeiter hatte Rose während seiner täglichen Arbeit in der Gemeinde entdeckt. Sie lebte gemeinsam mit ihrem Vater und anderen erwachsenen Männern in einer kleinen Lehmhütte mit nur einem Zimmer und einem rostigen Blechdach. Die Mutter von Rose hatte das Mädchen gleich nach der Geburt verlassen und ließ das Mädchen mit ihrem Vater, einem Gelegenheitsarbeiter, allein.

Den ganzen Tag allein daheim

Jeden Morgen gingen die Männer los um anderer Leute Felder zu bestellen und Rose blieb allein zu Hause, bis die Männer spät abends zurückkamen. Das Mädchen konnte erst essen, wenn der Vater nach Hause kam und ein kärgliches Mahl mitbrachte. Das Hausinnere war bis auf zwei alte Plastikcontainer, eine Pfanne und ein paar Plastiksäcke, die als Bettzeug dienten, vollkommen leer. Obwohl Rose bereits vier Jahre alt war, konnte sie nicht sprechen und wenn sich andere unterhielten, sah sie nur zu.

Die kleine Rose lernt Lachen

Es war sehr schwer, Rose ins SOS-Kinderdorf zu bringen, da es einen langen und strengen Gerichtsprozess gab. Ihr Vater war sich bewusst, dass Rose in einem SOS-Kinderdorf am besten aufgehoben war, aber trotzdem wollte er das zuerst nicht zulassen. Nach vier langen Monaten ließ er Rose dann aber doch in ihr neues Zuhause, das SOS-Kinderdorf Entebbe, übersiedeln.

Rose wird immer in Kontakt mit ihrem Vater bleiben, da SOS-Kinderdorf überzeugt ist, dass es gut und förderlich ist, für alle Kinder die Beziehung zu ihrer leiblichen Familie aufrecht zuerhalten, wenn das irgendwie möglich ist.

Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages mit eigenen Augen sehen würde, wie die kleine Rose aus ihrem "Schneckenhaus" hervor kommt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie so gut in die Familie integriert antreffen würde, mitten in einem fröhlichen Spiel und vor allem aus ganzem Herzen."

* Name geändert