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Lottomittel für ein Projekt des SOS-Familienzentrums Weimar zur Entwicklung verantwortungsbewusster Esskultur
„Du bist, was Du isst“ heißt das neue Kooperationsprojekt zwischen dem SOS-Familienzentrum Weimar und SlowFood Convivium Weimar – Thüringen.
Am 22. September 2011 war es soweit. Direkt aus den Händen von Oberbürgermeister Stefan Wolf erhielt Herr Hofmann, Leiter des SOS-Beratungs- und Familienzentrum Weimar und die Mitarbeiterinnen des Familienzentrums einen Scheck über exakt 2623 Euro. Bei dem Geld handelt es sich um Lottomittel aus dem Topf des Thüringer Sozialministeriums.
Oberbürgermeister Wolf betonte in diesem Zusammenhang die besondere Bedeutung der Einrichtungen des SOS-Kinderdorf e.V. für die Stadt Weimar: Das Kooperationsprojekt mit dem SlowFood-Convivium sei „exemplarisch für die nachhaltige Arbeit des Familienzentrums“.
Projektbeschreibung:
Im Mittelpunkt des Projektes steht die Beziehung der Teilnehmer zum Essen mit seinen vielfältigen Facetten. Durch das sinnliche Erleben von Lebensmitteln hoher Qualität, das Kennenlernen handwerklicher Lebensmittelherstellung bei Betrieben in der Region sowie praktische Erfahrungen in Bezug auf Alternativen beim alltäglichen Einkauf, sollen die Teilnehmer angeregt werden, eine Beziehung herzustellen, zwischen den eigenen Entscheidungen hinsichtlich der täglichen Ernährung und deren Konsequenzen.
Im Einzelnen können als wesentliche Ziele des Projektes benannt werden:
- Kennenlernen handwerklich erzeugter Lebensmittel als Alternative zu industriell erzeugten Nahrungsmitteln
- Förderung des sinnlichen Zugangs zu Lebensmitteln
- Förderung des Bewusstseins, dass Lebensmittel einen hohen Wert für unser Leben haben
- Herstellung einer Verbindung zwischen dem Lebensmittel und den Menschen, die es herstellen als Gegengewicht zur Anonymität globaler Warenströme
- in der Summe Anregung zu einem verantwortungsbewussteren Umgang mit Lebensmitteln und Fragen der Ernährung im eigenen Lebensumfeld
Was wollen wir anderen mit unserem Projekt vermitteln?
Jeder Mensch isst täglich, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung verbringen wir mit unseren Mahlzeiten rund sechs Jahre des Lebens. Rechnet man noch die Zubereitungszeit hinzu, sind es sogar zehn Jahre. Bei aller Distanz moderner Gesellschaften zu natürlichen Prozessen bestimmt das Essen also immer noch einen großen Teil unseres Lebens.
Umso erschreckender ist der Befund, dass die meisten Menschen ihren alltäglichen Lebensmitteln nur noch eine geringe Wertschätzung entgegen bringen und sich immer weiter von ihnen entfremden. In Europa werden Lebensmittel größtenteils von einer mit industriellen Methoden arbeitenden Landwirtschaft erzeugt und mit ebenso industriellen Methoden verarbeitet. Immer mehr Konsumenten verlieren in Deutschland den natürlichen Kontakt zum Lebensmittel, das sie nur noch verpackt, eingeschweißt und vorgekocht kennen. Ein starkes Indiz für diese Entfremdung ist, dass mittlerweile 85 Prozent der Lebensmittel in Supermärkten erworben werden.
Zu dieser Situationsbeschreibung passt, dass immer weniger Zeit für das Essen und dessen Zubereitung aufgewendet wird. Nur noch 40 Minuten verwendet der Durchschnittsdeutsche für alle Mahlzeiten eines Tages. Die Durchschnittsfamilie kennt gerade eine gemeinsame Mahlzeit täglich. Nun geht beim Thema „Essen“ unsere Verantwortung aber über uns und unsere Kinder hinaus. Sie erstreckt sich auch auf unsere Umwelt und die Menschen, die mit uns diese Erde teilen.
Mit welchen Maßnahmen setzen wir unser Projekt um? Was sind konkret unsere nächsten Schritte?
Als erste Schritte wollen wir mit unseren „Café-Feen“ (den Damen, die unser Familiencafé bewirtschaften) folgende Unternehmungen beginnen:
„Anders einkaufen“: Alternativen zum „normalen“ Einkaufsverhalten zu zeigen, steht im Mittelpunkt dieses Teils. Die Teilnehmer sollen angeregt werden, darüber nachzudenken, dass das Einkaufen gesunder und umweltverträglicher Lebensmittel auch mit begrenztem Budget möglich ist und vor allem einer veränderten Prioritätensetzung bedarf. In einem ersten Schritt werden „normale“ Warenkörbe gemeinsam untersucht: was können wir über die Herkunft, die Inhaltsstoffe, die Umweltkosten, etc. der ausgewählten Lebensmittel an Hand der Etiketten oder Umverpackungen in Erfahrung bringen.
In einem zweiten Schritt werden Warenkörbe gepackt, die sich an den Idealen einer gesunden Ernährung und eines nachhaltigen Konsums orientieren. Auch diese werden gemeinsam unter die Lupe genommen: Enthalten sie alles, was zum Leben notwendig ist? Wie sieht es mit dem Genuss aus? Was fehlt? Thematische Schwerpunkte sind der Einkauf von Obst und Gemüse nach den Kriterien „regionale Herkunft“ und Saisonalität sowie die Sensibilisierung für einen verantwortungsbewussten Einkauf von Fleisch und Fisch.
Exkursionen zu Erzeugern in der Region
Im Mittelpunkt der Exkursionen steht die sinnliche Erfahrung und der Genuss der Produkte. Die Teilnehmer sollen erleben können, wie unverfälschte Lebensmittel schmecken, riechen und sich anfühlen. Darüber hinaus gewinnen die Teilnehmer bei den Besuchen einen unmittelbaren Eindruck von der Arbeit der Produzenten.
Mit den während dieser Aktivitäten erlangten Erfahrungen wollen wir das Angebot unseres Familiencafé umgestalten und weitere Maßnahmen, gemeinsam mit unseren Besucherinnen und Besuchern, beginnen.