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Klein gegen groß: Die Kleidertauschbörse hilft Familien am Existenzminimum
„Mama, ich bekomme meine Hose nicht mehr zu“, jammert die sechsjährige Vanessa. Bei diesen Worten bekommt Carina S. Herzklopfen. Ihre Tochter ist in den vergangenen Monaten ein großes Stück gewachsen, mit Schrecken hat die alleinerziehende Mutter beobachtet, wie die Hosen erst zu kurz und jetzt zu eng wurden.
Eine neue Garderobe für ihre Große kann sich Carina S. nicht leisten. Der Vater ihrer zwei Kinder hat sie verlassen, zahlt keinen Unterhalt. Mit der finanziellen Grundsicherung kommt die Familie kaum über die Runden. "Da ist jeden Monat nur das allernötigste drin – auch wenn wir penibel sparen", weiß Carina S.. Über fünf Ecken erfährt die Mutter schließlich von der Kleidertauschbörse im SOS-Kinderdorf Saarbrücken und macht sich auf den Weg in den kleinen Laden im SOS-Mütterzentrum. "Mir fällt ein großer Stein vom Herzen. Ich habe jede Menge brauchbarer Wintersachen in der passenden Größe gefunden und eine andere Familie freut sich über die Anziehsachen meiner Mädchen", ist Carina S. nach dem Durchstöbern der gut sortierten Regale dankbar. Eine ganze Tüte nimmt sie mit nach Hause – und wird bestimmt bald wiederkommen.
Eine "Herzenssache" findet viel Zuspruch
Vor zwei Jahren haben vier junge Frauen – alle in einer ähnlichen Situation wie Carina S. heute – die Kleidertauschbörse ins Leben gerufen: „Die zu klein gewordenen Kleider meiner Kinder waren noch Top in Ordnung, aber ich konnte nichts mehr damit anfangen. In der Familie oder in der Bekanntschaft gab es niemanden, der mir etwas dafür gegeben hätte", erinnert sich Initiatorin Renate, die seit Jahren mit ihren drei Kindern das SOS-Mütterzentrum in Saarbrücken besucht.
Wegwerfen wollte sie die Kleider auch nicht – zum Glück. Bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee wurde die Idee der Tauschbörse geboren – und im SOS-Mütterzentrum fand sich schnell ein kleines Zimmer, das als Laden genutzt werden konnte. Eine tolle Symbiose: In dem Laden können Eltern gebrauchte Kleidung abgeben und sich im Gegenwert andere, passende Stücke mitnehmen. Die Kinder können gleichzeitig spielen und die Mütter und Väter haben die Möglichkeit, bei einer Tasse Kaffee zu plaudern oder eines der vielfältigen Angebote des SOS-Mütterzentrum-Teams in Anspruch zu nehmen. Eine Idee, die großen Anklang fand – und auch von der SWR-Aktion "Herzenssache" gefördert wurde.
Tausche Kuchenbacken gegen T-Shirts
Und wer keine gebrauchten Kleider zum Tauschen hat? „Der hilft einfach mit!“, erzählt Leiterin Tanja Duttlinger. „Einige Familien, die zu uns kommen, leben wirklich am Existenzminimum. Da sind die Hosen und Pullover über Generationen so aufgearbeitet dass sie kein weiteres Kind mehr tragen kann. Aber diese Mütter und Väter sind dankbar, wenn sie stattdessen einfach einen Kuchen backen oder beim Aufräumen oder Abspülen im SOS-Mütterzentrum mithelfen können." Gemeinsam mit den Auszubildenden, die bei SOS-Kinderdorf die Chance bekommen, beruflich Fuß zu fassen, wird die Tauschbörse nun ausgebaut. „Die Idee, einen eigenen Spielwaren-Tauschladen zu eröffnen, hilft doppelt: Zum einen können wir benachteiligte Familien unterstützen und so Kindern eine Freude machen und zum anderen bekommen die SOS-Azubis eine praktische Aufgabe, bei der sie viel Theoretisches in die Praxis umsetzen können: Die Spiele müssen auf Vollständigkeit überprüft und ausgezeichnet werden, der Verkauf muss organisiert und beworben und die Buchhaltung erledigt werden!".
Der große "Run" vor Weihnachten
Gerade jetzt – kurz vor Weihnachten – ist der Ansturm groß: Viele Familien mit leerem Portemonnaie kommen in die Tauschbörse in die Seilerstrasse 6 auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk, um die Kinderherzen am Heiligen Abend höher schlagen zu lassen. "Kurz vor Weihnachten ist natürlich viel los, schließlich will jeder seinem Kind eine Freude machen", erzählt Tanja Duttlinger, "da haben unsere Azubis jede Menge zu tun. Und wir freuen uns über jede Spende, die hereinkommt."
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