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Zé Roberto: Kinder fragen, der Fußballstar antwortet
Ein Fan unter Freunden
Vor ziemlich genau einem Jahr verabschiedete sich der brasilianische Fußballstar Zé Roberto mit den Worten „Ich würde gerne noch mal wiederkommen“ von den Kindern des SOS-Kinderdorfs Harksheide, nachdem er als Botschafter des HSV eine Spielzeugspende des HSV-Supporters-Club übergeben und massenhaft Autogramme geschrieben hatte.
Was für die Kinder ein Spektakel gewesen war und für den Star als üblicher PR-Termin begonnen hatte, hatte sich im letzten Februar überraschend zu einem sehr persönlichen Treffen entwickelt. Der heute weltweit bekannte Star, der in Brasilien in einfachsten Verhältnissen aufgewachsen ist und auf seinem Weg in die Stadien dieser Welt viele Widrigkeiten zu überwinden hatte, fühlte sich damals durch die Kinder des SOS-Kinderdorfs auch an seine eigene Jugend erinnert.
Als Zé an diesem Donnerstag sein Versprechen einlöste und am Nachmittag den Jugendtreff des Kinderdorfes betrat, wurde er von 11 meist schon etwas älteren Kindern des Dorfes bereits sehnsüchtig erwartet. „Ich wollte noch mal wiederkommen, um den Kinder zu erzählen, wie es mir ergangen ist. Ich wollte ihnen gerne davon erzählen wie wichtig es ist, nicht den Mut zu verlieren und niemals aufzugeben“, so der 84-malige brasilianische Nationalspieler. „Als ich die Kinder damals kennengelernt habe, war ich beeindruckt von ihrer Freude und ihrem Spaß, denn sie haben ja alle schon so viel erlebt“.
Der Star als Fan seiner Verehrer, keine alltägliche Geschichte
Steffi Wolak, Mitarbeiterin im Kinderdorf und dort auch für die offene Jugendarbeit zuständig, hatte die Jugendlichen zu diesem besonderen Event persönlich eingeladen. Eine geschlossene Gesellschaft, werden da nicht ein paar Kinder im Dorf neidisch werden? „Die Kleinen haben ihre Autogramme ja schon letztes Jahr sammeln können“, begründet die agile Fränkin ihre Entscheidung. „Das heute ist sicher eher etwas für die Großen, die auch schon das Zeug haben, mal zuzuhören und Fragen zu stellen. Tatsache ist, dass Zé Roberto seine Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde, damit taugt er für unsere Kinder schon mal prima als Vorbild. Aber das muss man natürlich auch verstehen können.
“Die erste Aufgabe des Abends bestand für die Jugend des Dorfes erst einmal darin, Ehrfurcht und Zurückhaltung abzulegen. Aber das Eis war bald gebrochen. Schnell und leicht kamen den Kindern die Fragen über die Lippen, die sich doch sehr von den üblichen Interviewfragen unterschieden.
Frage: Machst Du Deine Frisur selber?
Zé (lacht): Nein, das macht ein afrikanischer Friseur in Hamburg. Das dauert jedes Mal 2 Stunden, und das tut manchmal auch ein bisschen weh.
Was sagst Du, dass ihr gegen St. Pauli verloren habt?
Das war wirklich ein trauriger Tag für mich und die ganze Mannschaft, das war ziemlich hart. Aber es geht dann ja weiter.
Wie verständigt ihr euch eigentlich innerhalb der Mannschaft, da sind doch viele Ausländer dabei?
Ja, wir kommen aus vielen Ländern, aber wir sprechen alle deutsch miteinander.
Verstehst du die anderen denn immer?
Ja, ich verstehe deutsch sehr gut, ich habe das als ich nach Deutschland kam natürlich gelernt, aber sprechen finde ich immer etwas schwierig. (Anmerkung: Zé hat diese letzte Antwort auf Deutsch gegeben, sonst antwortet er aber auf Portugiesisch. Er wird von seinem Freund und Dolmetscher Dennis Pauschinger begleitet, der seine Antworten übersetzt. Die Fragen muss er tatsächlich nicht übersetzen, Zé versteht alles sofort.)
Nach so einem wichtigen Spiel, wenn man das verloren hat, hat man dann Stress, oder denkt ihr einfach gleich wieder an das nächste Spiel?
Man muss sich immer aufs Verlieren vorbereiten, vor jedem Spiel. Und nach so einem Spiel denkt man nicht gleich wieder an das nächste Spiel, sondern muss die Niederlage auch analysieren, sonst kann man ja auch das Positive nicht erkennen. Und wir waren gegen St. Pauli sehr lange sehr gut. Und dann eben nicht mehr.
Man darf auf dem Fußballplatz ja niemanden beleidigen, das geht ja gar nicht. Aber manchmal ist man doch echt sauer auf den Anderen. Was macht man denn da?
So was muss man sportlich lösen. Im Fußball gibt es viele Emotionen, natürlich wird man auch mal sauer. Aber dann muss man unbedingt den nächsten Zweikampf suchen und gewinnen! Den Gegner zu tunneln ist besser, als Unfairness mit gleicher Münze zurückzuzahlen.
Hast Du schon mal einen umgehauen?
Ich bin schon oft umgesenst worden, aber ich habe nie das Gleiche getan. Ich habe ihm dann gezeigt, dass ich besser bin als er.
Du spielst jetzt nicht mehr in der Nationalmannschaft, oder?
Nein, dafür bin ich zu alt (Lacht!). Aber ich bin 104 Mal eingeladen worden und habe dabei 84 Mal gespielt. Als ich das erste Mal berufen wurde, da ging ein großer Traum von mir in Erfüllung.
Hast Du wirklich nie eine rote Karte bekommen?
Nein, Rot wirklich nie. Aber einmal habe ich gelb-rot bekommen, das war noch in Brasilien. Mein Gegenspieler war einfach zu schnell, einmal habe ich ihn gefoult, und beim nächsten Mal habe ich ihn dann lieber festgehalten. Der Schiedsrichter hat nicht verstanden, dass ich das nett gemeint hatte.
Hast Du Hobbies?
Ich bin viel unterwegs und wenig Zuhause, viel Zeit hat man da nicht. Mein größtes Hobby ist meine Familie, meine Töchter, mein Sohn. Wir machen dann gerne Ausflüge oder spielen Playstation.
Wirst Du oft auf der Straße erkannt?
Ja, schon öfter, das ist okay. Aber es ist mir wichtig, dass das auf eine gute Art und Weise passiert.
Wie viele Kinder hast Du denn?
Drei, meine beiden Töchter sind 5 und 8 Jahre alt, und mein Sohn hat heute Geburtstag und wird 11 Jahre alt.
Gemurmel, alle durcheinander: Waaas, Dein Sohn hat heute Geburtstag und Du bist hier?
Ja, aber wir feiern heute Abend noch. Ich hatte das Treffen mit euch ja schon einmal verschieben müssen, und das wollte ich euch nicht noch mal antun.
Willst Du nach Deiner Karriere mal Trainer werden? Oder Sportchef so wie das jetzt Bastian Reinhardt beim HSV macht?
Sportchef werde ich bestimmt nicht! Aber ich werde nach meiner Karriere eine Stiftung für Straßenkinder in Brasilien gründen. Dazu wird auch ein Schulprojekt gehören. Ich will etwas gegen die Kriminalität auf den Straßen tun. Ich habe das Leben auf der Straße früher in Brasilien selbst erlebt, und ich weiß, wie schlimm das ist.
Sind Deine Kinder auch so gute Fußballer wie Du?
Meine Töchter interessieren sich überhaupt nicht für Fußball, und mein Sohn eigentlich auch nicht. Er sagt auch, dass er später einmal nicht das Leben seines Vaters führen möchte, weil ich so wenig Zuhause bin. Und ich möchte das eigentlich auch nicht. Wenn mein Sohn später einmal erwachsen ist, dann möchte ich, das er an meiner Seite ist und nicht dauernd unterwegs.
Macht Dich das nicht traurig?
Nein, meine Kinder sollen später einmal das tun, was sie wollen.
Auf was für eine Schule gehen Deine Kinder, auf eine Privatschule?
Nein, meine Kinder gehen in Hamburg aber auf eine internationale Schule, wo sie Englisch sprechen. Das war auch in München schon so. Zuhause sprechen wir aber Portugiesisch. Meine Kinder sind übrigens alle in Deutschland geboren und fühlen sich hier sehr Zuhause.
Hast Du schon mal im Tor gestanden?
Ich habe schon auf jeder Position gespielt, aber ich war nie Torwart. Ich will auch nie Torwart sein, weil die so viel leiden müssen.
Wird Dein Sohn von Mädchen umschwärmt, weil sein Vater so berühmt ist?
Nein, mein Sohn mag das gar nicht, dass ich so bekannt bin. Er ist sehr zurückhaltend. Ich fahre ihn immer zur Schule, aber er will nicht, dass ich ihn reinbringe, das ist ihm peinlich.
Hast Du eine Seite bei facebook?
Ja, aber ich benutze sie nicht. Die habe ich nur, weil andere Leute Webseiten mit meinem Namen haben und damit die menschen wissen, dass die nicht echt sind.
Darfst Du nach dem Spiel Dein Trikot an die Fans verschenken?
Ja, wir Spieler dürfen das zwar, aber unser Zeugwart sieht das nicht gerne. Der schimpft dann immer mit mir.
Hast Du ein Six-Pack am Bauch?
Das ist aber eine etwas peinliche Frage. Ja, ich habe eins, aber das ist auch so, weil ich täglich trainiere seit ich 7 Jahre alt bin.
Wie alt bist Du?
Schätz mal.
34?
Stimmt! (Zwischenruf) Der lügt, der ist 36! (Gelächter)
Du bist ein Weltklassefußballer, und Du hast unglaublich viel erreicht. Aber damals mit Bayer Leverkusen (2002 Vize-Meister, DFB-Pokalfinale und Champions League-Finale verloren) hast Du in kurzer Zeit drei schwere Schlappen ertragen müssen. Wie hast Du das ertragen?
Das war schwer, aber wir haben uns auch als Sieger gefühlt, weil wir so viel erreicht hatten. Aus einer Niederlage muss man erhobenen Hauptes heraus gehen. Man darf sich nicht unterkriegen lassen und muss versuchen, neue Ziele zu erreichen. Danach habe ich mit Bayern München viele Titel gewonnen.
Du hast mal gegen Zinedine Zidane gespielt. Warst Du da nervös?
Nur etwas vor dem Spiel. Auf dem Platz verfliegt die Nervosität.
Du bist ein Supersportler. Was hältst Du von McDonalds?
So ein Big Mäc schmeckt nun mal sehr gut, und ich gehe da auch ab und zu mal mit meinen Kindern hin. Das ist aber sehr selten, weil es eben auch nicht die beste Ernährung ist.
Was hältst Du vom FC St. Pauli?
Ich entschuldige mich am besten mal gleich bei allen Fans von St. Pauli, aber ich schaue denen nicht gerne zu. Bei denen geht alles über Kraft und Härte, das ist nicht mein Fußball. Am liebsten schaue ich Barcelona zu. Und dem HSV natürlich.
Hast Du schon schlimme Sachen im Stadion erlebt?
Persönlich eigentlich nicht, eher im Fernsehen. Die Aggression unter Fans finde ich furchtbar. Das gehört nicht zum Leben und das gehört nicht zum Sport.
Zum Ende ergreift Zé Roberto noch einmal das Wort:
Jeder hat einen Traum, und man muss immer weiter träumen, man darf damit nie aufhören. Als ich ganz jung war, wollte ich unbedingt Profi werden, aber eigentlich war ich chancenlos. Meine Mutter musste immer arbeiten und mein Vater war früh weg. Keiner war da, der sich tagsüber um mich und meine Brüder gekümmert hat. Ich war viel auf der Straße. Aber ein Lehrer hat mir viel geholfen und die Mutter von einem Nachbarsjungen, von denen habe ich viel gelernt. Ihr habt das auch nicht immer leicht. Aber es lohnt sich, den Erwachsenen zuzuhören. Macht das, träumt immer weiter!
Die letzte Frage stellt dann der kleine Leonardo, und er bringt die Atmosphäre des Nachmittags auf den Punkt:
Darf ich Dich mal drücken?
Er darf!……………….