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SOS-Kinderdorf ergreift Partei für Flüchtlingskinder

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Sie freuen sich, dass sie im Landkreis angekommen

Mohammad, Ali, Obayd, Charles und Khalid haben bei SOS-Kinderdorf in Landsberg ein neues Zuhause gefunden.

SOS-Kinderdorf fordert gesicherten Aufenthaltsstatus während der Ausbildung

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am Juni forderte SOS-Kinderdorf Flüchtlingskindern, endlich Zugang zu Bildung und Ausbildung zu garantieren. Ein eingeschränkter Zugang zu Sprachkursen und Bildungsangeboten erschwert nicht nur die Integration von jungen Flüchtlingen in Deutschland, sondern steht auch im Widerspruch zum Recht auf Bildung der UN-Kinderrechtskonvention. „Diese jungen Menschen haben oft Schreckliches durchgemacht. Sie haben gerechte Bildungschancen verdient, denn nur so kann die Integration in ihre neue Umgebung gelingen. Den Bildungszugang vom Aufenthaltsstatus abhängig zu machen, ist eine Diskriminierung, die wir scharf kritisieren“, so Prof. Dr. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender des SOS-Kinderdorfvereins. „Nur ein gesicherter Aufenthaltstatus während der Ausbildung  ermöglicht es jungen Flüchtlingen,  ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen“, erklärt der Vorsitzende des Kinderhilfswerks, das sich schon lange für Flüchtlingskinder engagiert.

Die UN-Kinderrechtskonvention lässt keinen Zweifel: Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und Ausbildung. Das sollte auch für Flüchtlingskinder  gelten, die nach oft traumatischen Erlebnissen Schutz, Sicherheit und die Chance auf eine bessere Zukunft in Deutschland suchen. „Leider widerspricht die Gesetzeslage in Deutschland in diesem Punkt den Kinderrechten. Das Recht auf Bildung muss für alle Kinder und Jugendliche in Deutschland gelten und darf nicht durch den ausländerrechtlichen Status relativiert werden“, kritisiert Münder.

Unsicherer Status als hohe Hürde auf dem Weg zu einer Ausbildung

Viele Jugendliche, die nach Deutschland kommen, haben einen unsicheren Aufenthaltsstatus. Das ist für sie nicht nur persönlich extrem belastend, sondern schränkt ihren Zugang zu Sprachkursen und Bildungsmöglichkeiten massiv ein. So sind momentan Asylsuchende und Geduldete von Sprach- und Integrationskursen ausgeschlossen. Viele Jugendliche sind hochmotiviert, eine Ausbildung anzufangen oder Praktika zu absolvieren. Die rechtlichen Unsicherheiten halten viele Arbeitgeber jedoch davon ab, jungen Flüchtlingen eine Lehrstelle anzubieten und damit eine Perspektive zu eröffnen. SOS-Kinderdorf fordert daher, allen jungen Flüchtlingen bis mindestens zum Abschluss ihrer Ausbildung einen gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland zu garantieren. „Wir vermissen diese grundsätzliche Regelung im aktuellen Gesetzentwurf des Bundesfamilienministeriums zur verbesserten Versorgung ausländischer Kinder und Jugendlicher“, moniert der SOS-Vorsitzende.

Vielfältige Angebote für junge Flüchtlinge

SOS-Kinderdorf engagiert sich schon seit vielen Jahren an verschiedenen Standorten in Deutschland für Flüchtlingskinder. Seit dem letzten Jahr hat der Verein auf den vermehrten Zuzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge reagiert, indem Angebote neu aufgebaut oder erweitert wurden. Das praktische Engagement des Kinderhilfswerks reicht vom Betrieb eines Clearinghauses über betreute Jugendwohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, spezifische berufsorientierte Angebote und Bildungsangebote bis hin zur Aufnahme ganzer  Flüchtlingsfamilien. Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen zeigt immer wieder die große Bedeutung von Bildung für diese oftmals benachteiligte Gruppe. SOS-Kinderdorf agiert daher nach dem Grundsatz, Flüchtlingskinder nicht nur mit dem Nötigsten zu versorgen, sondern ihnen auch Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und Bildung zu eröffnen.

SOS-Kinderdorf ergreift Partei für Flüchtlingskinder

Neben einer Vielzahl von Angeboten für Flüchtlingskinder und ihre Familien setzt sich SOS-Kinderdorf auch aktiv für ihre Rechte und Belange ein. Insbesondere fordert der Verein, die UN-Kinderrechtskonvention und die zentralen Prinzipien des Kindeswohlvorrangs, der Nichtdiskriminierung und der Beteiligung zur Grundlage für den Umgang mit Flüchtlingskindern zu machen. „Immer mehr junge Flüchtlinge suchen Schutz, Sicherheit und Zukunftsperspektiven in Deutschland. Wegen überholter gesetzlicher Grundlagen, wegen Sprachbarrieren und kultureller Unterschiede sind sie oft besonders benachteiligt. Dabei sollte gerade für junge Flüchtlinge gelten: Jedem Kind eine faire Chance! Wir machen uns daher mit Angeboten vor Ort und mit unserem anwaltschaftlichen Engagement für sie stark.“, erklärt Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Johannes Münder.

Jedem Kind eine faire Chance!

Daniela Schadt zu Gast beim SOS-Jahresempfang in Berlin / Foto: Jens Winter Bild vergrößern

Daniela Schadt bei Ihrer Rede anlässlioch des SOS-Jahresempfangs in Berlin

Dies würdigte auch Daniela Schadt, Lebensgefährtin des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Bei der Betreuung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen ist SOS-Kinderdorf Vorreiter und kehrt gerade auf diesem Gebiet zu seiner Gründungsidee zurück: Kindern und Jugendlichen, die Schlimmes – häufig Krieg und Zerstörung – erlebt haben, ein Obdach, eine Gemeinschaft, ein sicheres Zuhause zu geben. Und auch eine Chance darauf, irgendwann einmal ihr Leben nicht nur in Sicherheit, sondern auch selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu gestalten. Dieses Engagement verleiht Hoffnung und Zuversicht.“
60 Jahre SOS-Kinderdorf in Deutschland – das ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann! Der Verein hat sich stets einen offenen Blick bewahrt und die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen immer auch aus der Perspektive der ihm anvertrauten Kinder beobachtet. So kam es nie zu einem Stillstand.“