Unverständnis für das Vorgehen gegen jungen Afghanen

Hände aufeinander

München/Nürnberg, 1. Juni 2017: SOS-Kinderdorf ist entsetzt über das Vorgehen der Behörden gegenüber einem jungen Afghanen gestern in Nürnberg. Der 21-Jährige lebt seit vier Jahren in Deutschland und wird von SOS-Kinderdorf betreut. Er ist gut integriert, besucht die Berufsschule mit großem Erfolg und hat im September einen Ausbildungsplatz als Schreiner sicher. „Es kann nicht angehen, dass ein junger Mensch mitten aus dem Unterricht geholt wird, um ihn in ein Flugzeug zu setzen und ihn abzuschieben“, sagt Bärbel Bebensee, Einrichtungsleiterin SOS-Kinderdorf Nürnberg. „Dieser Umgang mit Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen.“

„Unsere Gesellschaft muss sich auch daran messen lassen, wie sie in schwierigen Situationen mit den Menschen umgeht, die in ihr leben“, erläutert Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin bei SOS-Kinderdorf e.V. „Ein junger Mensch, der sich gut in unsere Gesellschaft integriert, einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat und in seinem Umfeld geschätzt wird, ist eine Bereicherung für unsere Gemeinschaft!“ Die Kinderhilfsorganisation fordert die zuständigen Stellen auf zu überprüfen, welche Möglichkeiten es für den Aufenthalt des jungen Mannes gibt. Zudem appelliert sie an die Politik bei der Prüfung, in welche Länder abgeschoben wird, die humanitären Werte und die aktuelle Lage nicht außer Acht zu lassen.

SOS-Kinderdorf setzt sich seit seiner Gründung dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen dieser Welt unter menschenwürdigen Bedingungen aufwachsen können. Somit ist es für die Kinderhilfsorganisation selbstverständlich, geflüchteten jungen Menschen weltweit und in Deutschland zu helfen, ihnen Schutz zu geben, Wege zum Bildungserwerb zu ermöglichen und Unterstützung bei der Orientierung in der fremden Umgebung zu bieten. Und dies ist unabhängig von ihrem Herkunftsland, Aufenthaltsstatus oder ihrer Rückkehrperspektive.