Neue Hoffnung für Kinder mitten im Krieg

Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf füllt Kindern Wasser in ihre Eimer

Im schwer vom Krieg gekennzeichneten Damaskus wird ein neues SOS-Kinderdorf für schwer traumatisierte Kinder gebaut.

SOS-Kinderdorf baut seine Hilfe innerhalb Syriens massiv aus: In der Nähe von Damaskus wurde eine ehemals private Ferienanlage gekauft, in der rund 150 Kinder ein neues Zuhause finden werden. Die Umgebung gilt als sicher, bislang kam es dort zu keinen Kampfhandlungen.

Gebäude der ehemaligen Ferienanlage Bild vergrößern

Diese ehemalige Ferienanlage wird nun zum Kinderdorf umgebaut

"Für die Kinder, die dort unterkommen werden, ist das ein kleines Weihnachtswunder", sagt Dr. Wilfried Vyslozil von SOS-Kinderdörfer weltweit. "Die Lage der Kinder in Syrien nach fast sechs Jahren Bürgerkrieg ist katastrophal: Hundertausende sind auf der Flucht, Zehntausende haben ihre Eltern verloren und sind der Gewalt schutzlos ausgeliefert. Es war eine sehr glückliche Fügung, dass dieses Objekt gefunden wurde. Für uns ist es ein Zeichen der Hoffnung und ein Signal für die Menschen in Syrien, dass wir der Gewalt nicht weichen. Jetzt kann aus der reinen Nothilfe im Land endlich verlässliche, langfristige Hilfe werden."

In Syrien gibt es bisher zwei SOS-Kinderdörfer. Wegen schwerer Kämpfe musste allerdings das SOS-Kinderdorf in Aleppo 2012 evakuiert werden. Die Mädchen und Jungen wurden damals nach Quodsaya/Damaskus gebracht, wo die SOS-Familien im Kinderdorf zusammenrückten. Doch auch hier sind die Auswirkungen des Krieges deutlich zu spüren: als 2012 und 2016 Gefechte in der Nähe aufflammten, mussten die Kinder und Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden. In dem neuen Kinderdorf in Damaskus werden die Kinderdorfkinder nun ein neues Zuhause finden. Hierhin können Kinder und Mitarbeiter auch ausweichen, wenn sich die Sicherheitslage rund um das bestehende Dorf in Quodsaya erneut verschärft.

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Syrisches Mädchen hinter zerbrochener Glastür

Ein neues Zuhause für notleidende Kinder in Syrien: Unterstützen Sie den Bau des neuen SOS-Kinderdorfs in Damaskus mit Ihrer Spende.

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Die Lage der Menschen in Syrien ist nach fast 6 Jahren Bürgerkrieg katastrophal. In den furchtbaren Kriegswirren geben die Mitarbeiter in Syrien ihr Bestes, um die Kinder und Jugendlichen zu schützen und Familien mit dem Notwendigsten zu helfen.

Hintergrundinformationen: Besonders Kinder sind schrecklicher Gewalt ausgesetzt

SOS-Kinderdorf unterstützt Flüchtlinge Bild vergrößern

Laut UN-Berichten sind rund 10 Millionen Menschen in Syrien auf der Flucht vor  Kämpfen. Die Flüchtlingsströme in die Nachbarländer Türkei, Jordanien und Libanon reißen nicht ab. Die Zahl der Menschen in Not steigt weiterhin, an jeder Straßenecke lauert Gefahr. Viele Menschen sind arbeitslos, die verarmten Familien verzweifelt, Kinder können nicht mehr zur Schule gehen. Die Notquartiere sind überfüllt. Zudem fehlt es am Nötigsten, die Grundversorgung von Familien wird immer schwieriger und die Preise für Lebensmittel steigen ins Unermessliche. Erschreckend ist, dass besonders die Kinder in Syrien derzeit extremer Gewalt ausgesetzt sind. SOS-Kinderdörfer haben die Regierung, die oppositionellen Kräfte, alle Hilfsorganisationen und die internationale Gemeinschaft dazu aufgefordert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, dass Kinder nicht verletzt werden – weder physisch noch psychisch.

Obhut für Kinder, die ihre Eltern verloren haben

SOS-Kinderdorf ist seit 1980 als nationale Organisation in Syrien tätig und betreibt in Aleppo und in Damaskus Kinderbetreuungsprojekte und Familienprogramme. Im September 2012 musste das SOS-Kinderdorf in Aleppo bereits evakuiert werden, weil die Sicherheitslage immer problematischer wurde. In den furchtbaren Kriegswirren geben die Mitarbeiter in Syrien ihr Bestes, um die Kinder und Jugendlichen zu schützen und Familien mit dem Notwendigsten zu helfen. Seit Beginn der Nothilfe hat SOS-Kinderdorf rund 300.000 Menschen erreicht. So wurden in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen vertriebene Familien in Damaskus, in Rakka, in Aleppo und in dessen Umland mit Lebensmitteln, spezieller Babynahrung, Hygieneartikeln, Matratzen, Medikamenten und Kleidung versorgt.

SOS-Mitarbeiterin hilft einem kleinen Mädchen Bild vergrößern

Seit Beginn der Evakuierung aus Aleppo werden Flüchtlinge zunächst in einer  Fabrikhalle im Umland der Stadt untergebracht. Es ist kalt dort, aufgrund der hohen Decke lässt sich die Halle kaum beheizen. Es gibt keine Sanitäranlagen oder fließend Wasser. Die Menschen schlafen auf Matratzen auf dem Boden. Zusätzlich zu der Versorgung mit Lebensmitteln verteilt SOS-Kinderdorf Winterkits an die Flüchtlinge. Jedes dieser Kits enthält 5 Matratzen,  Kissen, Thermounterwäsche, Jacken, Schals, Mützen und Socken.

In zwei SOS-Übergangscamps in Damaskus werden unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte Kinder so lange aufgenommen, bis Verwandte oder Pflegefamilien gefunden werden. Falls dies nicht möglich ist, bleiben die Kinder in der Obhut der SOS-Kinderdörfer.

Wie geht es den SOS-Mitarbeitern und Betroffenen in Aleppo? Lesen Sie hier ihre Geschichten:

Salma: mit drei Kindern auf der Flucht

Salma lebte mit ihrem Ehemann und ihrer kleinen Tochter in der Altstadt von Aleppo. Ihr Ehemann arbeitete als professioneller Sänger und war Alleinverdiener der kleinen Familie. „Ich erinnere mich, wie wir im Winter immer um den kleinen Ofen saßen und im Warmen den Schneeflocken draußen zusahen. Mein Mann sang für uns, und wir waren erfüllt von Glück“, erzählt Salma.

2013 wurden die Kämpfe in der Altstadt immer heftiger, und die Familie entschloss sich in ein sicheres Viertel von Aleppo zu fliehen. Kurz nach ihrer Flucht wurde ihr Haus von Raketen getroffen und komplett zerstört. 2014 traf ein Granatsplitter Salma’s Ehemann am Bein und verletzte ihn schwer. Bis heute leidet er unter den Folgen seiner Verwundung. Kurz davor hatte Salma erst von ihrer zweiten Schwangerschaft erfahren.

„Es war sehr hart für mich, mich um meine Tochter und meinen Mann zu kümmern, während ich mit meiner zweiten Tochter schwanger war. Ich hatte niemanden, der mich unterstützen konnte. Unsere Familien lebten in anderen Stadtteilen von Ost-Aleppo, und es war kaum möglich, Kontakt zu halten. Ich weiß nur, dass meine zwei Brüder tot sind“, berichtet Salma. Salma’s Kinder kennen nichts anderes als den Krieg. Die größte Zeit ihres Lebens verbrachten sie in einer vom Krieg geschüttelten Umgebung. Sie haben Angst aus dem Haus zu gehen. So oft mussten sie schon Schreckliches mitansehen.

Wie sollte ich mein Baby ernähren?

Anfang 2016 wurde Salma zum dritten Mal schwanger. Die Lage in Aleppo hatte sich weiter verschlechtert, ihr Wohnviertel wurde heftig umkämpft. Sie waren nicht mehr sicher, hatten nichts zu essen und kaum Kleidung. „Der Druck war für mich kaum auszuhalten, wenn ich an mein Baby dachte. Ich wusste nicht, wie ich es warm halten konnte, woher ich Babymilch bekommen sollte. Wie sollte es weitergehen?“

Einzige Hoffnung: die Flucht

Kurz nach der Geburt ihres Sohnes, beschloss die Familie erneut zu fliehen. Stundenlang waren die sie unterwegs. „Ich war mir sicher, wir würden alle sterben. Tausende Menschen waren mit uns auf der Flucht. Ich sah auch viele Kinder, die ganz alleine da waren. Niemand begleitete sie. Ich hatte große Angst um meine Familie. Was sollte aus meinen Kindern werden, wenn mir etwas zustoßen würde?“, erinnert sich Salma. Aber sie schafften es und erreichten eine Flüchtlingsunterkunft im Umland von Aleppo, in der SOS-Kinderdorf Flüchtlinge mit Nahrung versorgt. Auch Babymilch für ihr Neugeborenes gab es.
Salma erzählt von ihrer neuen Unterkunft: „Es ist kalt hier, es gibt keine Sanitäranlagen, Heizung und auch kaum Wasser. Meine Kinder frieren. Aber dank der Versorgung durch SOS-Kinderdorf werden sie dennoch stärker und gesünder. Sie sind glücklicher und beginnen zu spielen anstelle über den Krieg zu sprechen. Wir haben wieder Hoffnung!“

Ein Arzt: "Die Sorge um meine Patienten treibt mich an"

SOS-Kinderdorf Syrien unterstützt bis zu 12.500 Menschen mit medizinischer Beratung und Betreuung. Wir sprachen mit einem jungen Arzt, der seit Ende August für SOS-Kinderdorf in Syrien arbeitet. Da sich viele Menschen aus Angst vor Anschlägen nicht mehr trauen, Krankenhäuser aufzusuchen, besucht er die Familien in ihren Häusern.

Mit was für Risiken leben die Menschen in den temporären Unterkünften?

SOS-Nothilfe: Junger Arzt behandelt die Menschen in Aleppo Bild vergrößern

Helfen Sie mit, die Gesundheitsversorgung in Aleppo aufrecht zu erhalten!

Die Gesundheitsrisiken sind sehr groß. Wenn Menschen auf so engem Raum zusammenleben und nur wenig Wasser zu Verfügung haben, breiten sich Krankheiten sehr schnell aus.
Viele der Kinder leiden an Magen-Darm-Erkrankungen oder Unterernährung. Blutarmut, Bluthochdruck, aber auch Hautkrankheiten wie Läuse und Krätze breiten sich aus.

Wie wichtig ist die medizinische Betreuung der Flüchtlinge, besonders für Schwangere und Kinder?

Bei Frauen, die während der Schwangerschaft medizinisch begleitet werden, z.B. ausreichend Vitamine und Nährstoffe erhalten, kommt es während der Schwangerschaft und Geburt zu weniger Komplikationen. Auch die Kinder zeigen weniger Auffälligkeiten.
Bei den Kindern ist es am wichtigsten einen umfassenden Impfschutz zu erlangen und sie gesund zu erhalten. Durch regelmäßige Gesundheitschecks können Probleme bereits frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Wie ist es für Sie, als Arzt in Aleppo zu arbeiten?

Die Arbeit in Aleppo hat meine Sicht auf die Dinge verändert. Es fällt mir sehr schwer, nicht an meine Patienten zu denken. Sie sind ständig für mich präsent, ihre Not und wie ich Medikamente für sie bekommen könnte.


Spenden für die Nothilfe in Krisengebieten

Drei Mädchen sitzen auf Schotter in einem Krisengebiet

Um in Krisen den Menschen vor Ort rasch helfen zu können, gibt es die Nothilfe-Spende. Sie können uns heute schon unterstützen – damit SOS-Kinderdorf im Notfall schnell handeln kann.

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Eine Schwangere: "Meine größte Angst ist es, erneut vertrieben zu werden"

Mehr als 250 Mütter erhielten letzten Monat Unterstützung in Form von Aufklärungskursen zu Gesundheitsfragen und Baby-Erstlings-Paketen durch SOS-Kinderdorf. Mittelfristig sollen sich die Hilfsmaßnahmen auf 2.000 Frauen (150 alleinerziehende Mütter) und ca. 1.200 Kinder unter 2 Jahren ausweiten. Wir sprachen mit einer Schwangeren, deren erste Tochter ebenfalls in den Kriegswirren zur Welt kam.

Wann trat der Krieg in Ihr Leben?

SOS-Nothilfe in Syrien: Schwangere mit ihrer großen Tochter Bild vergrößern

Sie brauchen eine Zukunft - helfen Sie mit!

Vor dem Krieg in 2011 lebten wir südöstlich von Aleppo. Der Konflikt vertrieb uns von dort. Im letzten Monat gab es wieder viele Gefechte, und ich hatte große Angst um meine Tochter und das ungeborene Baby. Nach zehn Tagen Dauergefecht wurde uns die Situation zu gefährlich und wir flohen aus unserem Haus.
Ich werde diesen Moment nie vergessen, als alle Menschen auf die Straße liefen, ihre Kinder auf dem Arm. Wir liefen in einen öffentlichen Park, in dem wir oft zum Spielen waren. Drei Tage lang blieben wir dort und schliefen unter einem Baum. Das waren die längsten Tage meines Lebens.
Jetzt sind wir zum Glück hier im SOS-Zentrum. Das ist das Beste, was uns in diesen schwierigen Zeiten passieren konnte. Ich bin so froh, dass meine Familie zusammen sein kann.

Mit welchen Schwierigkeiten müssen schwangere Frauen aktuell kämpfen?

Vor dem Krieg erhielten schwangere Frauen alle notwendigen medizinischen Behandlungen. Sie konnten jeden Monat zur Vorsorgeuntersuchung in die Krankenhäuser gehen. Heute ist das sehr schwierig, und viele Leute haben Angst eine Klinik aufzusuchen, da diese als Bombenziele gelten.
Während der Geburt meines ersten Kindes schlugen mehrere Bomben in der Nähe des Krankenhauses ein. Ich hatte schreckliche Angst. Direkt nach der Geburt brachte mein Mann mich und unsere Tochter raus aus der Klinik. Ich fürchte mich davor, so einen Moment wieder zu erleben.

Es muss unglaublich schwierig sein, in der aktuellen Lage ein Kind zu erwarten?

Meine größte Angst ist es, erneut vertrieben zu werden. Ich lebe im SOS-Zentrum, aber wer weiß, ob sich die Lage hier erneut verschlechtern wird oder nicht. Mein Baby kommt im Winter zur Welt und ich habe schreckliche Angst davor, dass ich es während der kalten Winternächte nicht warm halten kann.
Ich hoffe, dass die Situation sicher wird bevor das Baby kommt. Ich wünsche mir, dass unsere momentanen Lebensbedingungen nur noch eine Erinnerung sein werden, die ich ihm erzählen kann, wenn es groß ist. Ich wünsche mir, dass dieses Kind die Schrecken des Krieges niemals erleben wird.


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Drei Mädchen sitzen auf Schotter in einem Krisengebiet

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Eine Mutter: "Wir kämpfen täglich darum, unsere Kinder gesund zu ernähren"
SOS-Nothilfe Syrien: Kinder bei der Essensausgabe Bild vergrößern

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SOS-Syrien verteilt 2.400 Mahlzeiten pro Tag an Flüchtlinge in Aleppo. Unter diesen befindet sich auch eine 4-köpfige Familie, die vor den Kämpfen geflohen ist. Wir haben mit der Mutter und ihrem 14-jährige Sohn gesprochen.



Wie leben Sie seit Ihrer Flucht?

Sohn: In unserem alten Haus hatten wir eine große Tür, die mein Vater selbst gebaut hatte. Wir hatten fließend Wasser, ein eigenes Badezimmer und eine Küche. Unser Haus war hell und gemütlich. Es war wunderschön, und ich dachte, dass wir für immer dort wohnen würden.
Heute schlafen wir auf dem Fußboden. Früher hatten wir regelmäßig Besuch von Verwandten. Wir veranstalteten Grillfeste oder kochten Mlokhia (Gemüse mit Reis oder Brot), mein Lieblingsgericht. Jetzt essen wir das, was wir vom SOS-Kinderdorf erhalten. Es schmeckt wirklich gut, aber meine Mutter kocht dennoch besser.
Ich ging früher in die vierte Klasse. Aber seit wir 2012 flüchten mussten, konnte ich nicht mehr zur Schule gehen.

SOS-Nothilfe Syrien: Mutter füttert Kind Bild vergrößern
Mutter: Aufgrund der permanenten Kämpfe mussten wir fliehen. Früher konnten wir selber kochen und unsere Kinder zur Schule schicken. Jetzt kämpfen wir täglich darum, unsere Kinder gesund zu ernähren und ihnen etwas Bildung mitzugeben.

Glauben Sie, dass sich die Lage wieder bessern wird?

Mutter: Natürlich habe ich die große Hoffnung, das seines Tages wieder Frieden in unserem Land herrschen wird. Ich wünsche mir, dass meine Kinder zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen können. Ich möchte sie aufwachsen sehen. Sehen, wie sie groß werden, heiraten und selber Kinder haben.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten und sich einen bestimmten Moment zurückwünschen könnten, was wäre das dann?

Sohn: Mein einziger Wunsch ist es, nach Hause zurückgehen zu können. Ich hoffe, unser Haus steht noch, aber ich habe so ein Gefühl, dass es nicht so ist. Ich wünschte, ich könnte den Moment noch einmal erleben, als ich mit meinen Brüdern auf dem Fahrrad fuhr.

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