Jedes Kind soll in einer Familie aufwachsen

Eine glückliche Familie

"Jedes Kind soll in einer Familie aufwachsen – geliebt, beachtet, gefördert und behütet." So lautet das zentrale Anliegen von SOS-Kinderdorf und der Wunsch von Gründer Hermann Gmeiner. Seine vier Grundprinzipien sollten Kindern und Jugendlichen helfen, zu lebensfrohen, selbstständigen und verantwortungsvollen Menschen heranzuwachsen. Sie gelten noch heute:

Die vier tragenden Säulen der SOS-Familie

Die Mutter
Eine lachende Mutter wird von ihren beiden Söhnen umarmt. Bild vergrößern

Kinderdorfmütter und Kinderdorfväter haben ein gemeinsames Ziel:

Kindern, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, ein Zuhause und Geborgenheit schenken. Sie begleiten und stärken auf dem Weg in ein selbstständiges Leben. SOS-Kinderdorfmütter und -väter widmen sich dieser Aufgabe mit viel Liebe, Fürsorge und großem persönlichem Engagement. Die mütterliche Fürsorge war für Hermann Gmeiner ein Grundsatz der SOS-Kinderdorfarbeit:

Eine SOS-Kinderdorfmutter hilft, schützt und knüpft mit sanfter Hand die Fäden wieder zusammen, die zwischen dem verlassenen oder einsamen Kind und der Welt zerrissen sind. Jedes Kind hat ein angeborenes Bedürfnis nach mütterlicher Fürsorge. Es braucht diese ebenso wie einen Schlafplatz, seine Kleidung und das tägliche Brot.

Sie wissen, was jedes Kind braucht

Zeit haben und zuhören können. Trösten, wenn etwas nicht so gut geklappt hat, zum Beispiel in der Schule. Geduldig helfen, wenn Unterstützung gefragt ist, und sich über Geschafftes gemeinsam freuen: SOS-Kinderdorfmütter wissen, wie wichtig das für jedes Kind ist. Im Alltag bekommen SOS-Kinderdorfmütter Unterstützung von weiteren Fachkräften und einer Hauswirtschaftskraft. Alle arbeiten im Team zusammen. Immer ist eine vertraute Person für die Kinder da, auch wenn die SOS-Kinderdorfmutter mal nicht im Haus ist.

Sie haben eine Ausbildung und bringen Lebenserfahrung mit

Viele SOS-Kinderdorfmütter waren vorher in anderen Berufen tätig und bringen bereits Lebenserfahrung mit. Bevor sie eine eigene SOS-Kinderdorffamilie gründen, machen sie ein Praktikum in einem SOS-Kinderdorf. Es folgt eine begleitende Ausbildung zur Erzieherin, falls sie diese noch nicht haben. Dabei lernen sie viel Wissenswertes über das Zusammenleben mit Kindern, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Selbstverständlich können auch Männer die Ausbildung als zukünftige SOS-Kinderdorfväter absolvieren.

Die Geschwister
In der Familie Bild vergrößern

"Wir sind einfach Geschwister!"

So manches SOS-Kind ist stolz auf den kleinen Bruder oder die große Schwester. Und wenn erwachsene SOS-Kinderdorfgeschwister sich wiedersehen und miteinander reden, weiß man angesichts der Vertrautheit oft nicht: Sind das nun leibliche Geschwister oder Kinderdorfgeschwister? Auf Nachfrage heißt es dann oft: "Ach, das spielt doch keine Rolle. Wir sind einfach Geschwister!"

Eine ganz besondere Beziehung

Wenn Kinder nicht bei ihren eigenen Eltern aufwachsen können, sind Geschwister besonders wichtig. In SOS-Kinderdorffamilien leben aber nicht nur leibliche Geschwister. Auch Einzelkinder haben hier die Chance, Geschwister dazuzugewinnen. Miteinander spielen und Erlebnisse teilen, Kräfte messen und kleine Abenteuer bestehen.

Kinderdorfgeschwister stehen einander bei und machen sich gegenseitig Mut. Natürlich gehört auch das Sich-Streiten- und Sich-Versöhnen-Können dazu. Für Hermann Gmeiner waren Geschwister deshalb ein weiterer wichtiger Grundsatz der SOS-Kinderdorfarbeit:

Dann hat das kleine Kind genügend ‚Große’ um sich, an denen es sich orientieren, von denen es lernen kann und Liebe bekommt. Auch den Größeren bietet sich eine Vielfalt von Möglichkeiten, soziale Bindungen zu knüpfen und Aufgaben in der kleinen Gemeinschaft einer Kinderdorffamilie zu übernehmen und zu erfüllen.

Ein Haus
SOS-Mutter und Kind beim Kochen Bild vergrößern

Ein Nest, ein bergendes Gehäuse wie eine schützende Hülle

Das wünschte sich Hermann Gmeiner für jedes Kind. Das Haus ist einer der vier Grundsätze der SOS-Kinderdorfarbeit:

Die Wohnstube tritt an die Stelle des Speisesaals, der Herd an die Stelle der Großküche. Der Schlafsaal wird durch kleine Schlafzimmer ersetzt. Im Kinderdorfhaus findet ein Kind Ruhe. In dieses Haus kann es zurückkehren nach seinen Begegnungen mit der Welt. Hier hat es das Gefühl, ein Daheim zu haben.

Damals wie heute leben die Mitglieder einer SOS-Kinderdorffamilie zusammen in einem Haus, wie in anderen Familien auch. Ob Küche, Bad oder Wäscheraum, jeder hat im Haushalt seine Aufgaben. Genauso wichtig ist es, dass jedes Kind seinen eigenen ruhigen Platz zum Lernen, Lesen und Nachdenken findet. Auch SOS-Kinderdorfmütter oder SOS-Kinderdorfväter haben innerhalb des Hauses einen persönlichen Bereich zum Ausruhen und Kraftschöpfen.

Die Küche – das Herzstück des Hauses

Die Küche ist auch im SOS-Kinderdorf bei den Jüngsten besonders beliebt. Wenn es nach frisch gebackenem Kuchen duftet. Zuschauen und selbst ausprobieren. Wie schält man einen Apfel? Was gehört in einen Teig? Für viele Kinder ist der erste selbst gebackene Kuchen ein echtes Erlebnis. Und nach dem Kuchenessen räumen alle gemeinsam das Geschirr weg. Ordnung spielt im SOS-Kinderdorfhaus eine wichtige Rolle. SOS-Kinderdorfhäuser sind so bunt und vielfältig wie das Leben in den unterschiedlichen Familien. Je nach ihren Vorlieben und Hobbys richten SOS-Kinderdorfmütter und -väter die Häuser individuell ein. Aber überall findet man Bilder und Gebasteltes der Kinder an den Wänden und auf Regalen. Die kleinen Kunstwerke signalisieren schon an der Eingangstür: Hier stehen Kinder mit ihren Begabungen und Wünschen im Mittelpunkt. Und in diesem Haus haben sie ein Zuhause gefunden.

Das Dorf
Dorfansicht von oben Bild vergrößern

Ein guter Ort zum Aufwachsen


Schon auf den ersten Blick wirkt ein SOS-Kinderdorf freundlich und offen. Die Häuser sind so angeordnet, dass jedes genügend Platz hat, und trotzdem ist es zum nächsten Nachbarn nie weit. Blumen, Büsche und Bäume, die Schatten spenden. Zäune gibt es nicht, dafür überall viel Platz zum Spielen, Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen. Für Hermann Gmeiner war das Dorf einer der Grundsätze der SOS-Kinderdorfarbeit:

Es ist die miterziehende Gemeinschaft und bietet dem Kinde die Möglichkeit, förderliche Kontakte auf breiter Basis anzuknüpfen. Das Leben im SOS-Kinderdorf soll den gegebenen Verhältnissen angepasst sein als Teil einer gewachsene Stadt oder Gemeinde. Es ist für die Kinder eine Brücke zur Umwelt.


Eine starke Gemeinschaft

Das SOS-Kinderdorf ist eine lebendige Gemeinschaft, in der viele mitwirken: die Dorfleitung, die SOS-Kinderdorfmütter und -väter und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich ins Kinderdorf kommen, die pädagogischen Fachkräfte, die gezielte Unterstützung leisten. Immer ist jemand da, der ein offenes Ohr hat. Jugendliche können im betreuten Wohnen den Wechsel aus der Kinderdorffamilie in die Selbstständigkeit erproben. Man hilft sich gegenseitig und freut sich über Fortschritte und Erfolge. Besonders schön sind die gemeinsamen Feste mit Musik, Spaß und vielen Gästen.

Herzliche Nachbarschaft und soziale Anbindung

SOS-Kinderdorfkinder besuchen die örtlichen Schulen. Oft sind sie Mitglied in einem Sportverein oder einer Jugendgruppe in ihrer Gemeinde oder im Stadtteil. Freunde kommen gerne zu Besuch ins SOS-Kinderdorf. Hier können sich Kinder frei bewegen, Verstecken spielen, auf Bäume klettern und Skateboard fahren. Die SOS-Kinderdorfmütter und -väter gehen wie andere Elternteile auch in der Freizeit ihren persönlichen Interessen nach und pflegen ihre Freundschaften. So erleben die Kinder ihrer Kinderdorffamilie sie auch in diesem Bereich als ganz normales erwachsenes Vorbild. Täglich bringen Eltern aus der Stadt ihre Kinder hierher ins SOS-Kinderdorf in den Kindergarten oder in die Kinderkrippe. Denn diese nehmen nicht nur Kinder aus SOS-Kinderdorffamilien auf.

Wir machen uns stark für die Bedürfnisse, Anliegen und Rechte von Kindern

Im Jahr 1949 baut Hermann Gmeiner gemeinsam mit seinen Freunden das erste SOS-Kinderdorf in Imst, Tirol. Seine simple wie geniale Idee findet so großen Zuspruch, dass es im Jahr 1960 in Europa bereits zehn SOS-Kinderdörfer mit rund hundert Familien gibt. Möglich gemacht haben das etwa eine Million Freunde, die die Organisation mit regelmäßigen Spenden unterstützen. Und die Hermann Gmeiner Idee wandert weiter in die Welt.

Heute setzen sich SOS-Mitarbeiter in mehr als 130 Ländern für die Bedürfnisse, Anliegen und Rechte von Kindern ein. Seit der Gründung vor mehr als 60 Jahren konnte SOS-Kinderdorf Tausenden von Kindern und Jugendlichen in Not ein neues Zuhause geben, eine Familie und damit auch eine Zukunft.

SOS-Kinderdorf hilft mit eigenen Einrichtungen. In Deutschland und weltweit.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen weiterhin alleingelassene oder vernachlässigte Mädchen und Jungen. Aber auch benachteiligte Familien sowie Menschen in Krisengebieten und am Rande der Gesellschaft erhalten Hilfe in den zahlreichen SOS-Einrichtungen, die dank Spenden in Deutschland und der Welt entstehen konnten. Menschen in den ärmsten Ländern der Welt erhalten Bildung, Betreuung und medizinische Versorgung. Viele Mädchen und Jungen besuchen zum ersten Mal überhaupt eine Schule. Die Hermann Gmeiner Idee ist unser ehrgeiziges Ziel: Kinder auf die Anforderungen des Lebens vorzubereiten und ihnen eine echte Chance auf eine lebenswerte Zukunft zu geben!

Weltweit profitieren aktuell über 2,2 Millionen Kinder von SOS-Kinderdorf

Die SOS-Familie ist eine Erfolgsgeschichte

Dank Ihrer Hilfe können wir vielfach helfen! Zum Beispiel Kindern wie dem 5-jährigen Farias aus Burundi. Bereits als Baby kam er völlig unterernährt in das SOS-Kinderdorf Rutana. SOS-Kinderdorfmutter Agnes päppelte Farias auf. Heute ist er ein selbstbewusster und glücklicher Junge, der gern zur Schule geht.

Neues Dokument

Große Augen, eine Hand auf der Tischplatte: Die Hand ist runzlig, die Haut trocken wie Pergament - die Hand eines alten Mannes. „Er sagte kein Wort, das erschreckte uns am meisten“, erinnert sich Aline. Obwohl er erst sechs Monate alt war, wirkte Farias wie ein Greis, der dem Tod ins Auge blickt. „Wir machten uns ernsthaft Sorgen, dass er es nicht schaffen würde.“

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