SOS-Berufsausbildung: Eine Chance fürs Leben

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Manchmal verläuft das Leben nicht nach Plan und Jugendliche brauchen jemanden, der ihnen neue Perspektiven aufzeigt. Zwei SOS-Azubis aus Nürnberg und Berlin bekamen eine tolle Chance.

Sven hat seinen Arbeitsplatz verloren, weil er seinem früheren Arbeitgeber "zu lange im Krankenhaus" lag. Melanie hat trotz mittlerer Reife und unzähligen Bewerbungen keinen Ausbildungsplatz gefunden. Das SOS-Kinderdorf Nürnberg und das SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin helfen Jugendlichen, die bisher nur wenig Glück hatten. In "ihrem BAZ" können sie ihre Ausbildung nachholen, Wissen, Qualifikationen und Mut für die Zukunft sammeln. Sven und Melanie durften nun ein Praktikum in einem Hotel mit internationalem Flair machen – dem Münchner Marriott.

Kämpfen für den Traum

Sven aus dem BAZ Nürnberg lernt im Marriott Servietten-Falten Bild vergrößern

Sven Anders hat einen Traum. Für den will er kämpfen – egal was kommt. Der 20-jährige Nürnberger möchte irgendwann eine eigene Bar haben. Daran glaubt er, auch wenn sein Leben bisher alles andere als nach Plan verlief. Seinen ersten Ausbildungsplatz hat Sven verloren, weil er sich lange krank gemeldet hatte – nach dem Geschmack seines Arbeitgebers zu lange. Danach folgten viele erfolglose Bewerbungen, ein paar Gelegenheitsjobs und jede Menge Enttäuschungen. Sven: "Dabei will ich wirklich arbeiten." Seit September 2006 macht er im SOS-Kinderdorf in Nürnberg eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe.

Träume motivieren die Auszubildenden

Auch für Melanie ist das Berufsausbildungszentrum die letzte Chance. Nach der mittleren Reife hat die 23-Jährige rund 50 Bewerbungen geschrieben. Der erhoffte Ausbildungsplatz war nie dabei. Dabei ist ihr Ziel eigentlich sehr bescheiden. "Ich würde sehr gerne mal in einem kleinen Gasthof auf dem Land arbeiten", sagt sie. Die Ausbildung zur Köchin im SOS-Ausbildungsrestaurant Rossi in Berlin ist nun der erste Schritt in Richtung auf dieses Ziel. Mit dem Praktikum im Marriott-Hotel in München wollen Sven und Melanie ihrem ganz persönlichen Traum ein kleines Stück näherkommen.

Aber auch im Viel-Sterne-Hotel bedeutet ein Praktikum: Servieren, Tische decken und Zimmer aufräumen – schnell und zuverlässig. Sven hilft im Room-Service aus und versucht, sich an der Rezeption nützlich zu machen. "Ich war sehr gespannt, wie die Arbeit in so einem großen Hotel ist", sagt Sven. Sein Fazit nach zwei Wochen: "Die Arbeit macht Spaß, die Kollegen sind richtig nett. Aber an meinem Englisch muss ich noch feilen."

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Und Melanie? "Ich habe heute schon 300 Vorspeisenteller vorbereitet", verrät sie stolz. "Ich wusste gar nicht, dass man Glasnudeln auch frittieren kann." Am Anfang hatte Melanie ein bisschen Angst, in der großen Hotelküche nicht mithalten zu können. Mittlerweile ist sie sich sicher: "Im Berufsausbildungszentrum habe ich viel gelernt, was ich auch hier gut gebrauchen kann."

Volles Engagement ist gefragt

Dabei stellt Marriott-Küchenchef Christian Egerer durchaus hohe Anforderungen. "Wer bei uns arbeiten möchte, muss sich total engagieren und echtes Interesse zeigen. Nur wenn jemand immer bei der Sache ist und wirklich lernen will, passt er zu uns." Das gilt auch für den Service-Bereich des Marriott. "Für mich zählen vor allem Herzlichkeit gegenüber den Gästen und ein guter Blick für die Arbeit", sagt Restaurantleiter Tino Marten. "Wer im Service arbeiten will, muss sich schnell auf die unterschiedlichsten Gäste und Situationen einstellen können. Sven hat das schon ganz gut raus. Außerdem ist er pünktlich, freundlich und sehr fleißig." Prima Noten für den Praktikanten aus dem SOS-Berufsausbildungszentrum.

Im Speisesaal des Marriott isst eine Gruppe von Geschäftsleuten zu Mittag. Vorsichtig schiebt Sven den Geschirrwagen an ihnen vorbei. "Bloß nicht stören", heißt die Devise. Leise räumt er Hunderte Tassen in den Geschirrschrank und nutzt die Gelegenheit, um ein bisschen zu träumen: "Vielleicht mache ich ja noch eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Das wäre sicher gut." Viel Zeit zum Nachdenken bleibt Sven nicht. Der Gast aus Zimmer 129 wartet auf seinen Nachmittagskaffee.