Von Beruf Mutter

SOS-Kinderdorfmutter Marianne Liebscher

Gemeinsamkeit wird bei SOS-Kinderdorfmutter Marianne Liebscher groß geschrieben.

16 Jahre hat Marianne Liebscher als Bankberaterin gearbeitet. Durch eine Zeitungsannonce wurde sie auf SOS-Kinderdorf aufmerksam, krempelte ihr komplettes Leben um – und wurde Kinderdorfmutter. An sieben Tagen in der Woche kümmert sie sich um ihre fünf Kinder Jonas, Sebastian, Florian, Lukas und Nathalie im SOS-Kinderdorf Saar. Zweifel an ihrer Entscheidung hatte sie nie, obwohl ihr Umfeld nicht durchweg positiv auf ihren neuen Berufswunsch reagierte – und Bedenken äußerte, ob ein Leben, in dem sie ihr eigenes Privatleben und die Familienplanung hintenanstellte, der richtige für sie sei. Doch das hielt Marianne Liebscher nicht ab. Sie wollte Kindern, die Schlimmes erlebt hatten, ein liebevolles Zuhause schenken und ein Stück Unbeschwertheit zurückgeben.

Schwieriger Spagat

Im ersten Jahr hat sie kaum eine Nacht richtig geschlafen. Einer der drei Jungen, die sie betreute, wachte immer wieder auf, begann zu schreien – und Marianne Liebscher nahm ihn jede Nacht in den Arm und tröstete ihn. "Als Kinderdorfmutter ist man nicht nur emotional gefordert, diese Aufgabe geht manchmal auch an die körperlichen Grenzen", sagt sie. Wenn sie an ihre Grenzen gerät, holt sich Marianne Liebscher Hilfe. Im Kinderdorf gibt es Teamsitzungen, bei denen sich die Kinderdorfmütter und Pädagogen gegenseitig austauschen. „So bekommt man noch einmal einen anderen Blick auf die Dinge – und kann sie auch mit dem nötigen Abstand betrachten“, sagt Liebscher.

Liebe und Geborgenheit

Marianne Liebscher übernimmt die Mutterrolle und schenkt den Kindern Liebe und Geborgenheit. Obwohl die fünf Kinder, mit denen sie in einem Haus im Kinderdorf Saar lebt, sie auch Mama nennen und Marianne Liebscher deren Hauptbezugsperson ist: Der Spagat ist manchmal schwer. „Alle Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen aber ich bin eben nicht ihre leibliche Mutter. Ich erkläre den Kindern, dass sie zwei Mütter haben: Eine, die sie geboren hat und eine, die sich jetzt um sie kümmert “, sagt die 49-Jährige. Was sie an ihrem Beruf glücklich macht? „Es gibt viele schöne Erlebnisse mit den Kindern, viele Kleinigkeiten, an denen ich mich mit ihnen freuen kann, beispielsweise, wenn sie Fahrradfahren oder Schwimmen lernen“, sagt Marianne Liebscher. „Ich versuche diese Momente dann voll zu genießen, denn Kinderdorfmutter zu sein, das ist nicht immer nur heile Welt. Es ist auch anstrengend und in vielen Situationen schwierig“. Trotzdem will sie ihr Leben zusammen mit den Kindern  auf gar keinen Fall missen: Marianne Liebscher hat als Kinderdorfmutter ihren Weg und ihre Bestimmung gefunden.

Die schönsten Fotos von SOS-Kinderdorfmutter Marianne Liebscher