Legasthenie besiegt: "Jetzt weiß ich, dass ich etwas kann"

Ein Junge sitzt am Schreibtisch, vor sich ein Blatt Papier, und schreibt

Im SOS-Beratungszentrum bekommt Lukas' Problem endlich einen Namen: Legasthenie

Lukas* (11) ist stolz auf sich. Gerade hat er einen Lesewettbewerb gewonnen. Das Besondere: Lukas lernt erst seit zwei Jahren richtig schreiben und lesen.

Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Lese- und Schreibschwäche. Bei vielen Betroffenen wird diese – Legasthenie genannte – Störung erst spät oder gar nicht erkannt. Lukas ist einer von ihnen. Als er in der ersten Klasse nicht wie die anderen Kinder lesen und schreiben lernte, dachten seine Eltern sich noch nicht viel dabei. Als Lukas die zweite Klasse wiederholen musste, reagierten sie mit Vorwürfen anstatt mit Hilfe. Erst nach langem Zögern entschieden sie sich, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Hilfe und Beratung für die ganze Familie

Lukas' Eltern suchten Rat in einem SOS-Beratungszentrum. Die Mitarbeiter dort hörten zu und fragten nach, nahmen die Sorgen der Familie sehr ernst. Im Laufe vieler Gespräche zeigte sich, dass Lukas' Probleme in der Schule nicht die einzigen Schwierigkeiten waren, mit denen die Familie zu kämpfen hatte. Nicht nur Lukas musste an sich arbeiten, auch seine Eltern lernten durch die Beratungsgespräche viel dazu. Mit der Hilfe externer Experten gelang es den Mitarbeitern des SOS-Beratungszentrums schließlich, Lukas' Problem einen Namen zu geben: Legasthenie.

"Und endlich habe ich gemerkt, dass ich auch was kann."

Eine von SOS-Kinderdorf vermittelte Therapeutin zeigte Lukas, wie er trotz seiner Schwäche lesen und schreiben lernen kann: "Vorwürfe und Strafen helfen nicht weiter. Stattdessen sollten die betroffenen Kinder motiviert werden, die Eltern sollten ihnen immer wieder Mut machen, ein Buch in die Hand zu nehmen und ihnen vorzulesen."

In den vergangenen Monaten hat Lukas große Fortschritte gemacht. Das Lesen klappt schon prima. Und auch wenn es mit dem Schreiben noch nicht so flüssig geht, ist Lukas viel selbstbewusster geworden: "Jetzt weiß ich, dass ich nicht dumm bin, sondern Legasthenie habe und deshalb so schlecht lesen und schreiben konnte."

Mittlerweile findet Lukas einige Bücher sogar richtig gut. Wenn er nicht gerade in der Schule ist oder mit seinen neuen Freunden aus dem SOS-Beratungszentrum Fußball spielt, liest er alles, was er in die Finger bekommt. Das zeigt sich auch in der Schule. Lukas: "Ich bin sogar im Diktat besser geworden. Beim letzten hatte ich schon viel weniger Fehler."

*Name von der Redaktion geändert