SOS-Kinderdorfkind Andreas Krause: Stimmig werden mit sich selbst

Der Musiker Andreas Krause spielt Digeridoo

Stille erfüllt das Hauptschiff der St. Petri Kirche in Hamburg. Gespannt stehen an die 200 Menschen um den Mann mit dem langen Pferdeschwanz und der umgehängten Gitarre. Konzentriert zählt er das nächste Lied an und mehrstimmiger Gesang erfüllt den hohen Raum. Nach Zwei Stunden gemeinsamen Singens verabschieden sich die Frauen und Männer beschwingt von ihrem Chorleiter. „Das ist es was ich möchte: Menschen zum Singen bringen“, sagt Andreas Krause.

Schwerer Start, neue Familie

Andreas Krause war zweieinhalb Jahre alt, als er ins SOS-Kinderdorf Harksheide am nördlichen Stadtrand von Hamburg kam. Seine Eltern lernten sich in einem Psychiatrischen Pflegeheim kennen und lieben. Als ihr Sohn Andreas geboren war, wurde ihnen das Sorgerecht entzogen. Bis heute hat er seine leiblichen Eltern dreimal gesehen, Mitte dieses Jahres starb sein Vater.
Andreas war der jüngste Zuwachs der SOS-Kinderdorffamilie von Frieda Bolduan. Zusammen mit drei älteren Schwestern und einem Bruder wuchs er bei einer Frau auf, „die großes Talent darin hatte, SOS-Kinderdorfmutter zu sein“, beschreibt sie der Musiker. Er bewundert noch heute, wie Frieda Bolduan es geschafft hat, dass alle Kinder sich mögen und zusammen eine richtige Familie wurden. Noch heute halten die Geschwister untereinander Kontakt; jeder weiß, was der andere gerade macht. Regelmäßig besuchen sie auch ihre mittlerweile 80-jährige Kinderdorfmutter.

Eine sorglose Kindheit im SOS-Kinderdorf

Andreas Krause mit Hermann Gmeiner in Caldonazzo Bild vergrößern

Im SOS-Feriendorf Caldonazzo bekam Andreas Krause von Hermann Gmeiner eine Urkunde überreicht.

Bereits als Junge zeigte Andreas großes musikalisches Talent, das seine SOS-Mutter nach allen Möglichkeiten förderte. Er bekam Flöten-, Klavier-, und Posaunenunterricht sowie die entsprechenden Instrumente, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Der Posaunenchor des SOS-Kinderdorfs und das Landesjugend-Blasorchester waren erste Stationen auf seinem Weg zum Profimusiker. Aber auch die anderen Aktivitäten kamen nicht zu kurz: „Jedes Kind durfte in den Sportverein, ein Instrument lernen und stundenlang konnten wir auf dem großen Gelände des Kinderdorfs toben“, erinnert sich Andreas Krause. In den Ferien ging es zusammen nach Dänemark oder nach Caldonazzo, dem großen Feriendorf von SOS-Kinderdorf in Italien. „Dort lernte ich sogar Hermann Gmeiner persönlich kennen“, erzählt Andreas Krause und sucht ein altes Foto heraus, auf dem er mit dem Begründer der SOS-Kinderdorf-Idee gemeinsam abgebildet ist.

„Endlich hatte ich das gefunden, was mir entspricht“

Der Musiker Andreas Krause am Mikro Bild vergrößern

Im SOS-Kinderdorf wurde der Grundstein für Andreas Krauses Musiker-Karriere gelegt.

Der Weg zum Abitur war steinig, aber „meine Mutter hat mich sehr motiviert“, so Andreas Krause. Ein Studium der Musiktherapie brach er nach einigen Semestern ab. Gearbeitet hat er, um Geld zu verdienen, doch seine Erfüllung fand der Musiker erst, als er in einem Konzert saß, in dem er die faszinierende Welt des Obertongesangs kennenlernte. Dabei handelt es sich um eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der menschlichen Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden können und der Höreindruck der Mehrstimmigkeit entsteht. „Endlich, wusste ich, was ich machen wollte.“ Inspiriert von den neuen Klängen bildete er sich in allen Facetten der meditativen Weltmusik weiter, baute und lernte die japanische Koto (ein Zither-Instrument), begeisterte sich für das australische Digeridoo (das traditionelle Musikinstrument der australischen Ur-Einwohner) und ließ sich im Obertongesang schulen. 15 Jahre ist es her, dass er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, heute hat er sich als ernstzunehmender Künstler und Musiklehrer etabliert.
Sein größter Traum ist es, einmal in die Mongolei zu reisen, um den Ursprüngen des Obertongesangs nachzuspüren. – Wer Andreas Krause kennt, weiß dass er ihn sich eines Tages erfüllen wird.

Noch mehr Infos unter www.andreaskrause.com

Unser gemeinsames Ziel

Vernachlässigte Kinder und Jugendlichefühlen sich geborgen und erhalten eine faire Chance

Wie wir das schaffen?

Soziale Armut, häusliche Gewalt, Verwahrlosung: SOS-Kinderdorf bietet Kindern und Jugendlichen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in ihrer eigenen Familie leben können, ein neues Zuhause. Hier finden die Mädchen und Jungen Familie, erfahren Geborgenheit, Halt und eine stabile Begleitung auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

In Deutschland gibt es 16 SOS-Kinderdörfer, zwei weitere sind geplant. In den SOS-Kinderdorffamilien in Deutschland werden derzeit 685 Kinder betreut. Seit Gründung der Gründung des Vereins vor mehr als 60 Jahren fanden über  5.200 Kinder in den deutschen SOS-Kinderdörfern ein neues Zuhause.

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