SOS-Kinderdorf hilft in der Ukraine

Insgesamt unterstützt SOS-Kinderdorf in der Ukraine derzeit 576 Familien und 1245 Kinder.

Insgesamt unterstützt SOS-Kinderdorf in der Ukraine derzeit 576 Familien und 1245 Kinder.

Die Krise in der Ukraine ist nicht vorüber. Auch wenn das Medieninteresse abgeebbt ist und die Konfliktparteien am Friedensplan von Minsk festhalten, flammen Kämpfe an neuralgischen Punkten immer wieder auf. Viele Menschen leiden unter der Situation und den Bedingungen, die das Leben in der Region prägen.

Über die aktuelle Situation vor Ort und die Arbeit von SOS-Kinderdorf in der Region berichtet Andriy Chuprikow, National Director von SOS-Kinderdorf Ukraine.*

Wie gestaltet sich der Alltag der Menschen in Lugansk momentan?

Andriy Chuprikow, National Director von SOS-Kinderdorf Ukraine Bild vergrößern

Andriy Chuprikow, National Director von SOS-Kinderdorf Ukraine

Es ist schwierig, zu überleben. Viele Menschen in Lugansk haben kaum Geld und sind auf die Verteilung von Nahrungsmitteln angewiesen. Das hängt damit zusammen, dass Löhne und Gehälter kaum gezahlt werden und dass der Wert unsere Währung innerhalb eines Jahres um 400% gefallen ist. Auch den Rentnern geht es nicht viel besser. Jeder hofft, dass er sein Geld später bekommen wird.

In welcher Weise hat der Krieg die Menschen verändert?

Medikamente. Nahrungsmittel, psychologische Hilfe: Die SOS-Mitarbeiter unterstützen die Kriegsopfer in der Ukraine. Bild vergrößern

Medikamente. Nahrungsmittel, psychologische Hilfe: Die SOS-Mitarbeiter unterstützen die Kriegsopfer in der Ukraine.

Der Konflikt hat jeden verändert. Erwachsene sind freundlicher zueinander geworden und helfen einander mehr als früher. Bei den Kindern ist mir aufgefallen, dass sie ihren Eltern viel leichter folgen als andere Kinder in ihrem Alter, weniger widersprechen. Es gibt unheimlich viele Leute, die psychologische Unterstützung bräuchten. Besonders die, die die ganze Zeit im Kriegsgebiet geblieben sind, haben stark gelitten. Sie haben das natürliche Gespür dafür verloren, was Gefahr bedeutet.

Welche Hilfe leistet SOS-Kinderdorf Ukraine momentan?

SOS-Kinderdorf unterstützt die Not leidenden Familien unter anderem mit Essens-Paketen. Bild vergrößern

SOS-Kinderdorf unterstützt die Not leidenden Familien unter anderem mit Essens-Paketen.

Ganz aktuell unterstützen wir Binnenflüchtlinge, die aus dem Gebiet in der Ostukraine geflüchtet sind. Sie sind ganz besonderen Herausforderungen ausgesetzt, was häufig zu enormen Belastungen und Problemen in den Familien führt. Wir helfen ihnen mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten. Bei Bedarf auch mit psychologischer Unterstützung. Speziell für die Kinder haben wir pädagogische Angebote eingerichtet und den Eltern helfen wir, eine Arbeit zu finden. Viele der Familien haben es hier sehr schwer, in der Bevölkerung fehlt leider häufig die Toleranz – daran versuchen wir etwas zu verändern und Vertrauen aufzubauen, damit ein Zusammenleben möglich wird. In Lugansk, das direkt in der Ostukraine liegt, gibt es darüber hinaus schon länger ein SOS-Kinderdorf. Insgesamt erreichen wir mit unserer Hilfe 576 Familien und 1245 Kinder.

Planen Sie, die Aktivitäten von SOS-Kinderdorf vor Ort noch auszubauen?

Die Not der Familien in der Ukraine ist immer noch groß Bild vergrößern

Die Not der Familien in der Ukraine ist immer noch groß

Ja, wir haben zum Beispiel ein Gemeinschaftsprojekt mit UNICEF gestartet, um unsere Maßnahmen im Norden von Lugansk noch zu erweitern. Insgesamt wollen wir mit dem UNICEF-Projekt über 9000 weitere Kinder erreichen. Dabei geht es sowohl um humanitäre Unterstützung, als auch um Alltagsbewältigung und psychologische Betreuung. Es besteht nach wie vor sehr großer Bedarf bei Familien. Da reichen unsere Familienstärkungsprogramme, die wir derzeit anbieten können, bei weitem nicht aus. Die Kinder und ihre Eltern sind häufig zwei Stunden zu Fuß zu unseren Angeboten unterwegs – daran möchten wir unbedingt etwas verändern. Wir sind dabei, neue Projekte in anderen Stadtbezirken von Lugansk für rund 500 Kinder aufzubauen, aber momentan reicht unser Budget noch nicht. Wir sind daher dringend auf Spenden angewiesen.

Wie verarbeiten Sie und Ihre Mitarbeiter die Belastungen?

Auch wenn wir selber in einer schwierigen Situation sind mit unseren Familien: Wenn Sie ein Kind sehen, das unter miserablen Lebensbedingungen aufwächst und dann die positiven Ergebnisse der SOS-Arbeit – das motiviert und hilft, die eigenen Probleme hintanzustellen.

*Hinweis der Redaktion: Das Interview fand im Mai 2015 statt und spiegelt die Situation zu diesem Zeitpunkt wider.

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