Internationaler Tag der Familie



Weil jeder eine Familie braucht

Am 15. Mai 2018 findet wie jedes Jahr der internationale Tag der Familie statt. Er entstand 1993 durch eine Resolution der UN-Generalversammlung. An diesem Tag soll an die Bedeutung der Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft erinnert werden. Die Bedeutung von Familie ist die gleiche wie noch vor 25 Jahren, die Definition von Familie hat sich über die Jahre allerdings verändert. Mit ihr gehen Fragen zur Rolle der Familie in der Gesellschaft, gesellschaftliche Gleichberechtigung, Recht auf freie Wahl des Ehepartners, Frauen- und Kinderrechte und Schutz der Familie vor staatlichen Eingriffen einher.

Definition von Familie

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Aber was bedeutet Familie denn eigentlich? Früher war der Begriff Familie klar definiert und wurde mit Blutsverwandtschaft gleichgesetzt. Heutzutage gilt der Spruch „Blut ist dicker als Wasser“ nur noch begrenzt, denn Familie ist mehr als biologische Verwandtschaft. Patchwork- oder Regenbogenfamilien sind schöne Beispiele dafür. Familie ist etwas sehr persönliches und so ist auch ihre Definition heute eine ganz individuelle: Familie ist primär ein sozialer Raum, der von Geborgenheit, Nähe, Vertrauen, Verlässlichkeit und Solidarität geprägt ist. In der Familie lernen Kinder und Jugendliche die elementaren Dinge des Lebens, können ihre Fähigkeiten und Grenzen erproben, erwerben soziale Kompetenz und lernen, Rücksicht zu nehmen. Gemeinsame Rituale, Strukturen und Erlebnisse spielen dabei eine besondere Rolle. Und weil Familie eben eine individuelle Definitionssache ist es nicht wichtig, wer alles zur Familie gehört, sondern dass man eine Familie hat, die für Einen da ist und Halt gibt – eben #WeilJederEineFamilieBraucht.

Wie wird Familie bei SOS-Kinderdorf gelebt?

Freundinnen aus dem SOS-Kinderdorf Bild vergrößern

Familien und der Gemeinschaftsgedanke stehen bei SOS-Kinderdorf im Mittelpunkt. Der Gründer von SOS-Kinderdorf Hermann Gmeiner hatte eine klare Vision: Ein Kind braucht eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf. Das ist auch heute noch so. Ein SOS-Kinderdorf setzt sich aus mehreren Kinderdorffamilien und in der Regel zusätzlichen offenen Angeboten zusammen. Die Kinderdorffamilien bestehen aus einer Kinderdorfmutter oder einem -vater und bis zu sechs Mädchen und Jungen. Zusätzliche SOS-Mitarbeiter ergänzen die Familie.
Auch über die SOS-Kinderdorffamilien hinaus unterstützt SOS-Kinderdorf Väter und Mütter bei der Wahrnehmung ihrer elterlichen Aufgabe von Beginn an – unter anderem mit Frühen Hilfen, Frühförderangeboten, Spielgruppen, Erziehungsberatung und der Möglichkeit, Kontakte und soziale Netze in den SOS-Einrichtungen zu knüpfen. Der Verein leistet Erziehungsbeistandschaft und familienaktivierende Hilfen, die Eltern so in ihrer Kompetenz stärken sollen, dass sie ihren Kindern ein geregeltes Zuhause bieten können.

Die Vereinten Nationen haben die Familie als fundamentale Einheit der Gesellschaft definiert und wir bei SOS-Kinderdorf haben unsere Programme entsprechend dieser Prinzipien aufgebaut:

  • Unsere Ziele
    Jedes Kind braucht ein liebevolles Zuhause, um sich entwickeln zu können. Aus diesem Grund ist es unser erklärtes Ziel, Familien in aller Welt zu helfen, genau dies erreichen zu können.
  • Unser Ansatz
    Durch unsere Arbeit helfen wir Familien, ein liebevolles Umfeld zu schaffen, in dem ein Kind Kind sein kann. Wir unterstützen Familien dabei, sich adäquat um ihre Kinder kümmern zu können und, wenn ein Kind dennoch nicht länger in seiner Familie bleiben kann, bieten wir ihm eine familienorientierte alternative Betreuung.
  • Unsere Vorstellung von Familie
    Alle Kinder sollten weltweit in einem Umfeld aufwachsen, welches sie dabei unterstützt, ihr Können und ihre Fähigkeiten zu entfalten.

National und International

Diese Prinzipien gelten für uns nicht nur in Deutschland, sondern werden in unseren SOS-Kinderdörfern weltweit gelebt. Drei SOS-Kinderdorfmütter berichten hier aus ihrem Familienleben.

Tatiana arbeitet als Familienhelferin im SOS-Kinderdorf in Costa Rica

Tatiana, Familienhelferin im SOS-Kinderdorf in Costa Rica

"Tatiana, warum kann ich nicht bei meiner Familie leben"? Manche Fragen der Kinder kann SOS-Familienhelferin Tatiana leicht beantworten. Bei einigen Fragen aber tut auch Sie sich schwer. Trotzdem versucht Sie es immer und immer wieder - mit ganz viel Liebe.

Tatiana arbeitet als SOS-Familienhelferin. Sie unterstützt die SOS-Mütter im SOS-Kinderdorf Tres Ríos in San José. Sie bereitet das Essen vor, hilft dabei, die Kinder für die Schule fertig zu machen, unterstützt sie bei den Hausaufgaben und greift der SOS-Kinderdorfmutter bei sämtlichen Haushaltsarbeiten unter die Arme. Aber hauptsächlich ist sie immer für die Kinder da und hat ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Zweifel. Manchmal, wenn schwerwiegende Themen aufkommen, hält Tatiana eine "Familienkonferenz" ab. Durch die offene Diskussion können die Kinder schwierige Belange noch besser verstehen. „Wenn die Kinder nicht verstehen, warum manche Dinge geschehen, sprechen wir darüber. Manchmal dauert es auch mal eine ganze Woche, bis ein Thema zufridenstellend beantwortet wurde. Aber es ist wichtig. dass den Kindern zugehört wird und sie sich verstanden fühlen." erklärt Tatiana.

Tatiana gibt den Kindern Halt, wenn sie Zweifel haben oder durcheinander sind. "Vor kurzem war ich mit einem der Jungen einkaufen. Als wir nach Hause kamen, wurde er sehr traurig und begann zu weinen. Der Junge verstand nicht, warum seine leibliche Mutter nicht in der Lage war, mit ihm einkaufen zu gehen. Er war durcheinander, fühlte sich innerlich zerrissen, weil er sowohl an seiner leiblichen Mutter hing als auch an seiner SOS-Familie.“
Ein Erlebnis, das Tatiana sehr bewegte. Sie nahm sich ausgiebig Zeit, um mit dem Jungen zu reden und ihn zu trösten. Ihm zu erklären, dass es ihm im SOS-Kinderdorf besser gehe, weil sich seine leibliche Mutter aufgrund vieler Probleme und Krankheiten nicht um ihn kümmern kann. „Ich tröstete ihn und erklärte ihm, dass er nichts falsch mache und es nicht an ihm läge. Und ich erklärte ihm, dass er beide 'Mütter' lieben dürfe.“

Waletor ist SOS-Kinderdorfmutter in Liberia

Alphia und ihre SOS-Kinderdorfmutter

Drei Monate lang sprach die kleine Alphia kein Wort, so traumatisch was das Erlebte. Doch ihre SOS-Kinderdorfmutter gab nicht auf.

Gleichzeitig beide Eltern zu verlieren, ist für Kinder eines der schlimmsten Erlebnisse. Die 6-jährige Alphia und ihr kleiner Bruder Morgan kamen 2015 ins SOS-Kinderdorf, nachdem beide Eltern an Ebola gestorben waren. "Wir freuten uns auf Alphia und Morgan", erinnert sich Waletor. „ Aber mir fiel schnell auf, dass es Alphia nicht gut ging. Sie war stets traurig, wie traumatisiert, antwortete nicht. Sie war fixiert auf ihren kleinen Bruder Morgan, wollte ihn keine Sekunde alleine lassen und führte ständig stumme  Gespräche mit ihm. Sie wirkte so müde und schwach, weil sie so unendlich viel Kummer und Leid erfahren hatte Alphia war an einem dunklen Ort gefangen und ich musste sie da raus holen".

Anfangs verweigerte Alphia jeglichen Kontakt, wollte ständig alleine sein. Sie aß nicht, trank kaum. Ein Psychologe im SOS-Kinderdorf half Alphia schließlich, ihre Trauer und ihren Schmerz zu bewältigen und unterstützte Waletor dabei, zu verstehen, was in dem Mädchen vor sich ging.

„Ich musste ihr Vertrauen gewinnen und ihr Freund werden“, erinnert sich Waletor. "Jeden Tag unterhielt ich mich mit ihr. Am Anfang waren es Monologe. Als das nicht funktionierte, begann ich, allen Kindern Geschichten zu erzählen, ohne spezifisch auf Alephia einzugehen. Nach einer Weile bemerkte ich, wie Alephia anfing zu lächeln.“ Im Laufe der Zeit gelang es Waletor Alphias Vertrauen für sich zu gewinnen und sie in die Familie zu integrieren. Ihre Mühen fruchteten: "Eines Tages kam Alphia völlig unverhofft auf mich zu und meinte, sie wolle mir eine Geschichte erzählen. Es war das erste Mal nach drei Monaten, dass ich sie sprechen hörte. Das war ein wunderschöner Moment!“
Mittlerweile ist aus Alphia ein lebhaftes Mädchen mit einem äußerst gewinnenden Lächeln geworden. Sie macht gerne Sport und singt im Chor. Durch die sichere und liebevolle Atmosphäre in ihrer SOS-Kinderdorffamilie konnte sie die Gespenster der Vergangenheit hinter sich lassen und einfach wieder Kind sein.

Zahlen und Fakten

  • 250 Millionen Kinder leben in Ländern, in denen Krieg herrscht. (UNICEF 2016)
  • 2,7 Milliarden Menschen weltweit leben von weniger als 2 US$ am Tag (UN)
  • 264 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren haben weltweit keinen Zugang zu Bildung. (UNESCO 2017)
  • Familien mit zwei Elternteilen werden immer seltener. Auch in Deutschland wird mit knapp 40 Prozent fast jede zweite Ehe geschieden. (Statista 2017)

Unser gemeinsames Ziel:

Kinder in den ärmsten Regionen der Weltdürfen in eine lebenswerte Zukunft starten

Wie wir das schaffen?

Das Beste fürs Kind: "Die Mutter, die Geschwister, das Haus und das Dorf", so einfach beschrieb SOS-Gründer Hermann Gmeiner vor mehr als sechs Jahrzehnten die Grundbedürfnisse und die Grundrechte eines jeden Kindes. Diese vier Säulen sind bis heute die Grundlage der SOS-Kinderdorf-Arbeit weltweit.

  • Weltweit sind in SOS-Kinderdörfern bereits über 59.000 Kinder aufgewachsen. Die meisten von ihnen hat SOS-Kinderdorf bis zum Erwachsenenalter begleitet.

Mit einer Patenschaft unterstützen Sie ein Kind im Ausland nachhaltig

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Liselle - auf dem Weg in die Schule

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