Internationaler Tag der Familie

SOS-Kinderdorffamilie lacht ausgelassen

Weil jedes Kind eine Familie braucht

Am 15. Mai 2016 findet wie jedes Jahr der internationale Tag der Familie statt. Der Internationale Tag der Familie entstand 1993 durch eine Resolution der UN-Generalversammlung. An diesem Tag soll an die Bedeutung der Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft erinnert werden. Nicht zu vergessen die Rolle der Familie in der Gesellschaft, gesellschaftliche Gleichberechtigung, Recht auf freie Wahl des Ehepartners, Frauen- und Kinderrechte und Schutz der Familie vor staatlichen Eingriffen.

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Der Begriff Familie wird heutzutage definiert durch die Abstammung oder auch als Lebensgemeinschaft in Form einer Partnerschaft oder Heirat. Zur eigentlichen Kernfamilie, bestehend aus Eltern und Kindern, gehören außerdem weitere Verwandte, wie Großeltern, Onkel, Tanten, etc. In der Familie erfahren Kinder und Jugendliche Nähe und Geborgenheit, Verlässlichkeit und Solidarität. Sie lernen, die elementaren Dinge des Lebens und in einer Gemeinschaft zu leben. Sie können ihre Fähigkeiten und Grenzen erproben, erwerben soziale Kompetenz und lernen, Rücksicht zu nehmen.

Wie wird Familie bei SOS-Kinderdorf gelebt?

Auch bei uns wird versucht, dem klassischen Familienmodell nahezu kommen. So bilden eine SOS-Mutter sowie mehrere Kinder die Kernfamilie. Zusätzliche SOS-Mitarbeiter ergänzen die Familie. Die Vereinten Nationen haben die Familie als fundamentale Einheit der Gesellschaft definiert und wir bei SOS-Kinderdorf haben unsere Programme entsprechend dieser Prinzipien aufgebaut:

  • Unsere Ziele
    Jedes Kind braucht ein liebevolles Zuhause, um sich entwickeln zu können. Aus diesem Grund ist es unser erklärtes Ziel, Familien in aller Welt zu helfen, genau dies erreichen zu können.
  • Unser Ansatz
    Durch unsere Arbeit helfen wir Familien, ein liebevolles Umfeld zu schaffen, in dem ein Kind Kind sein kann. Wir unterstützen Familien dabei, sich adäquat um ihre Kinder kümmern zu können und, wenn ein Kind dennoch nicht länger in seiner Familie bleiben kann, bieten wir ihm eine familienorientierte alternative Betreuung.
  • Unsere Vorstellung von Familie
    Alle Kinder sollten weltweit in einem Umfeld aufwachsen, welches sie dabei unterstützt, ihr Können und ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Auch über die SOS-Kinderdorffamilien hinaus unterstützt SOS-Kinderdorf Väter und Mütter bei der Wahrnehmung ihrer elterlichen Aufgabe von Beginn an – unter anderem mit Frühen Hilfen, Frühförderangeboten, Spielgruppen, Erziehungsberatung und der Möglichkeit, Kontakte und soziale Netze in den SOS-Einrichtungen zu knüpfen. Der Verein leistet Erziehungsbeistandschaft und familienaktivierende Hilfen, die Eltern so in ihrer Kompetenz stärken sollen, dass sie ihren Kindern ein geregeltes Zuhause bieten können.

Kinder haben Rechte!

Eine große Bedeutung haben im SOS-Kinderdorf die Kinderrechte, die am Internationalen Tag der Familie ebenfalls im Mittelpunkt stehen. Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder zum Beispiel das Recht auf Bildung oder das Recht auf Beteiligung. Bei SOS-Kinderdorf werden die Kinder und Jugendliche an diese Rechte herangeführt, indem sie sich im Kinder- und Jugendrat engagieren können oder ihre Anliegen in der jährlichen Kindervollversammlung vorbringen können. 

National und International

Diese Prinzipien gelten für uns nicht nur in Deutschland, sondern werden in unseren SOS-Kinderdörfern weltweit gelebt. Drei SOS-Kinderdorfmütter berichten hier aus ihrem Familienleben.

Im Video: SOS-Kinderdorfmutter Khun Krongtip aus Thailand

Eine SOS-Kinderdorfmutter aus Thailand gibt rührende Einblicke in ihren Alltag.

Maguette, SOS-Kinderdorfmutter in Afrika

"Wenn ich ein Problem habe, haben alle ein Problem, und wenn ich Frieden habe, haben alle Frieden, das ist der Geist des Dorfes."

Es ist der Geist der Großfamilie, der aus Maguette spricht: Auch sie wächst mit zwei Müttern, Geschwistern und Stiefgeschwistern auf, da ihr Vater zwei Ehefrauen hat. Die kulturell verankerte Familienstruktur und die Struktur des SOS-Kinderdorfes sind sich diesbezüglich ähnlich. Das gilt auch für die Anzahl der Kinder in einer Familie: Neun bis zehn Kinder zu haben, ist im Senegal keine Seltenheit, denn „Kinder sind das Licht des Hauses“.

Nach zwei Scheidungen kam Maguette 1995 zu SOS-Kinderdorf. Erst als Tante und dann als SOS-Kinderdorfmutter. Momentan betreut sie acht Kinder, viele weitere haben das SOS-Kinderdorf bereits verlassen und stehen auf eigenen Füßen. Aber auch zu den Älteren pflegt sie einen engen Kontakt.

„Die Kinder meiner Kinderdorffamilie gehören natürlich auch zu meiner Familie. Bei den islamisch-religiösen Festen, zum Beispiel beim Tabaskifest (dem Hammelfest, Anm.), besuche ich nach den Feiern hier im Kinderdorf mit den Kindern meine Familie, um unsere Aufwartung zu machen. Sie nennen meine Mutter „Großmama“. Auch am Wochenende gehen wir oft zur Familie, und die Kinder spielen zusammen und lassen sich frisieren. Meine Familie akzeptiert und liebt die Kinder, da gibt es keinen Unterschied zwischen meinen eigenen Kindern und den Kindern aus dem Kinderdorf."

Vera ist SOS-Kinderdorfmutter in Russland

„Ich träumte immer von vielen Kindern. Ich bin dem Schicksal und Gott sehr dankbar, auch Hermann Gmeiner, dass sich Frauen wie ich hier selbst finden können. Ich glaube, es ist das größte Glück im Leben überhaupt, zu sehen, wie sich unsere Kinder entwickeln.“

Vera kommt letztlich immer auf ein Thema zurück – ihre Kinder. Ihre SOS-Kinderdorf-Familie besteht derzeit aus drei Mädchen und drei Buben, vier von ihnen sind biologische Geschwister. Die vier haben noch eine Schwester, die bereits verheiratet und Mutter eines Kindes ist. Sie ist also schon Großmutter, erzählt Vera voll Stolz.

Vera möchte noch viele Jahre als SOS-Kinderdorf-Mutter arbeiten. Sie hat bereits bei der Dorfleitung deponiert, dass sie zwei weitere Kinder in ihre Familie aufnehmen möchte, da ihr Ältester, Sascha, schon bald auf eigenen Beinen steht. Was beschäftigt Vera, wenn sie an ihre Zukunft denkt? „Wie ich den Sprung vom Extremberuf SOS-Kinderdorf-Mutter in ein Leben als Pensionistin bewältigen soll“, meint sie nachdenklich. Jetzt ist sie rund um die Uhr mit ihren Kindern beschäftigt – dann plötzlich ein Leben in Rente, ohne den ganzen Wirbel? Aber vielleicht kommt es ja auch ganz anders: „Wer weiß, vielleicht werde ich später einmal einen guten alten Mann heiraten, um mich nicht zu langweilen“, lacht sie. Und überdies ist sie sicher, immer mit ihren Kindern in Kontakt zu bleiben, und mit ihren „Enkeln“ natürlich auch.

Zahlen und Fakten

  • 50% der Familien in Entwicklungsländern leben von weniger als 2 US$ am Tag (UN)
  • Über eine Billion Kinder lebt in Ländern, in denen Krieg herrscht (UNICEF 2009)
  • 151 Millionen Kinder weltweit haben einen oder beide Elternteile verloren (UNICEF 2011)
  • 67 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen nicht zur Schule (UNESCO 2011)
  • Familien mit zwei Elternteilen werden immer seltener. In Afrika sind 30% der Familien in den SOS-Familienstärkungsprogrammen alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern.
  • In Deutschland wird jede zweite Ehe geschieden (UN 2012)

Unser gemeinsames Ziel:

Kinder in den ärmsten Regionen der Weltdürfen in eine lebenswerte Zukunft starten

Wie wir das schaffen?

Das Beste fürs Kind: "Die Mutter, die Geschwister, das Haus und das Dorf", so einfach beschrieb SOS-Gründer Hermann Gmeiner vor mehr als sechs Jahrzehnten die Grundbedürfnisse und die Grundrechte eines jeden Kindes. Diese vier Säulen sind bis heute die Grundlage der SOS-Kinderdorf-Arbeit weltweit.

  • Weltweit sind in SOS-Kinderdörfern bereits über 59.000 Kinder aufgewachsen. Die meisten von ihnen hat SOS-Kinderdorf bis zum Erwachsenenalter begleitet.

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