Internationaler Tag der Familie

SOS-Kinderdorffamilie lacht ausgelassen

Weil jedes Kind eine Familie braucht

Am 15. Mai 2017 findet wie jedes Jahr der internationale Tag der Familie statt. Der Internationale Tag der Familie entstand 1993 durch eine Resolution der UN-Generalversammlung. An diesem Tag soll an die Bedeutung der Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft erinnert werden. Nicht zu vergessen die Rolle der Familie in der Gesellschaft, gesellschaftliche Gleichberechtigung, Recht auf freie Wahl des Ehepartners, Frauen- und Kinderrechte und Schutz der Familie vor staatlichen Eingriffen.

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Der Begriff Familie wird heutzutage definiert durch die Abstammung oder auch als Lebensgemeinschaft in Form einer Partnerschaft oder Heirat. Zur eigentlichen Kernfamilie, bestehend aus Eltern und Kindern, gehören außerdem weitere Verwandte, wie Großeltern, Onkel, Tanten, etc. In der Familie erfahren Kinder und Jugendliche Nähe und Geborgenheit, Verlässlichkeit und Solidarität. Sie lernen, die elementaren Dinge des Lebens und in einer Gemeinschaft zu leben. Sie können ihre Fähigkeiten und Grenzen erproben, erwerben soziale Kompetenz und lernen, Rücksicht zu nehmen.

Wie wird Familie bei SOS-Kinderdorf gelebt?

Auch bei uns wird versucht, dem klassischen Familienmodell nahezu kommen. So bilden eine SOS-Mutter sowie mehrere Kinder die Kernfamilie. Zusätzliche SOS-Mitarbeiter ergänzen die Familie. Die Vereinten Nationen haben die Familie als fundamentale Einheit der Gesellschaft definiert und wir bei SOS-Kinderdorf haben unsere Programme entsprechend dieser Prinzipien aufgebaut:

  • Unsere Ziele
    Jedes Kind braucht ein liebevolles Zuhause, um sich entwickeln zu können. Aus diesem Grund ist es unser erklärtes Ziel, Familien in aller Welt zu helfen, genau dies erreichen zu können.
  • Unser Ansatz
    Durch unsere Arbeit helfen wir Familien, ein liebevolles Umfeld zu schaffen, in dem ein Kind Kind sein kann. Wir unterstützen Familien dabei, sich adäquat um ihre Kinder kümmern zu können und, wenn ein Kind dennoch nicht länger in seiner Familie bleiben kann, bieten wir ihm eine familienorientierte alternative Betreuung.
  • Unsere Vorstellung von Familie
    Alle Kinder sollten weltweit in einem Umfeld aufwachsen, welches sie dabei unterstützt, ihr Können und ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Auch über die SOS-Kinderdorffamilien hinaus unterstützt SOS-Kinderdorf Väter und Mütter bei der Wahrnehmung ihrer elterlichen Aufgabe von Beginn an – unter anderem mit Frühen Hilfen, Frühförderangeboten, Spielgruppen, Erziehungsberatung und der Möglichkeit, Kontakte und soziale Netze in den SOS-Einrichtungen zu knüpfen. Der Verein leistet Erziehungsbeistandschaft und familienaktivierende Hilfen, die Eltern so in ihrer Kompetenz stärken sollen, dass sie ihren Kindern ein geregeltes Zuhause bieten können.

Kinder haben Rechte!

Eine große Bedeutung haben im SOS-Kinderdorf die Kinderrechte, die am Internationalen Tag der Familie ebenfalls im Mittelpunkt stehen. Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder zum Beispiel das Recht auf Bildung oder das Recht auf Beteiligung. Bei SOS-Kinderdorf werden die Kinder und Jugendliche an diese Rechte herangeführt, indem sie sich im Kinder- und Jugendrat engagieren können oder ihre Anliegen in der jährlichen Kindervollversammlung vorbringen können. 

National und International

Diese Prinzipien gelten für uns nicht nur in Deutschland, sondern werden in unseren SOS-Kinderdörfern weltweit gelebt. Drei SOS-Kinderdorfmütter berichten hier aus ihrem Familienleben.

Im Video: SOS-Kinderdorfmutter Khun Krongtip aus Thailand

Eine SOS-Kinderdorfmutter aus Thailand gibt rührende Einblicke in ihren Alltag.

Tatiana arbeitet als Familienhelferin im SOS-Kinderdorf in Costa Rica

Tatiana, Familienhelferin im SOS-Kinderdorf in Costa Rica

"Tatiana, warum kann ich nicht bei meiner Familie leben"? Manche Fragen der Kinder kann SOS-Familienhelferin Tatiana leicht beantworten. Bei einigen Fragen aber tut auch Sie sich schwer. Trotzdem versucht Sie es immer und immer wieder - mit ganz viel Liebe.

Tatiana arbeitet als SOS-Familienhelferin. Sie unterstützt die SOS-Mütter im SOS-Kinderdorf Tres Ríos in San José. Sie bereitet das Essen vor, hilft dabei, die Kinder für die Schule fertig zu machen, unterstützt sie bei den Hausaufgaben und greift der SOS-Kinderdorfmutter bei sämtlichen Haushaltsarbeiten unter die Arme. Aber hauptsächlich ist sie immer für die Kinder da und hat ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Zweifel. Manchmal, wenn schwerwiegende Themen aufkommen, hält Tatiana eine "Familienkonferenz" ab. Durch die offene Diskussion können die Kinder schwierige Belange noch besser verstehen. „Wenn die Kinder nicht verstehen, warum manche Dinge geschehen, sprechen wir darüber. Manchmal dauert es auch mal eine ganze Woche, bis ein Thema zufridenstellend beantwortet wurde. Aber es ist wichtig. dass den Kindern zugehört wird und sie sich verstanden fühlen." erklärt Tatiana.

Tatiana gibt den Kindern Halt, wenn sie Zweifel haben oder durcheinander sind. "Vor kurzem war ich mit einem der Jungen einkaufen. Als wir nach Hause kamen, wurde er sehr traurig und begann zu weinen. Der Junge verstand nicht, warum seine leibliche Mutter nicht in der Lage war, mit ihm einkaufen zu gehen. Er war durcheinander, fühlte sich innerlich zerrissen, weil er sowohl an seiner leiblichen Mutter hing als auch an seiner SOS-Familie.“
Ein Erlebnis, das Tatiana sehr bewegte. Sie nahm sich ausgiebig Zeit, um mit dem Jungen zu reden und ihn zu trösten. Ihm zu erklären, dass es ihm im SOS-Kinderdorf besser gehe, weil sich seine leibliche Mutter aufgrund vieler Probleme und Krankheiten nicht um ihn kümmern kann. „Ich tröstete ihn und erklärte ihm, dass er nichts falsch mache und es nicht an ihm läge. Und ich erklärte ihm, dass er beide 'Mütter' lieben dürfe.“

Waletor ist SOS-Kinderdorfmutter in Liberia

Alphia und ihre SOS-Kinderdorfmutter

Drei Monate lang sprach die kleine Alphia kein Wort, so traumatisch was das Erlebte. Doch ihre SOS-Kinderdorfmutter gab nicht auf.

Gleichzeitig beide Eltern zu verlieren, ist für Kinder eines der schlimmsten Erlebnisse. Die 6-jährige Alphia und ihr kleiner Bruder Morgan kamen 2015 ins SOS-Kinderdorf, nachdem beide Eltern an Ebola gestorben waren. "Wir freuten uns auf Alphia und Morgan", erinnert sich Waletor. „ Aber mir fiel schnell auf, dass es Alphia nicht gut ging. Sie war stets traurig, wie traumatisiert, antwortete nicht. Sie war fixiert auf ihren kleinen Bruder Morgan, wollte ihn keine Sekunde alleine lassen und führte ständig stumme  Gespräche mit ihm. Sie wirkte so müde und schwach, weil sie so unendlich viel Kummer und Leid erfahren hatte Alphia war an einem dunklen Ort gefangen und ich musste sie da raus holen".

Anfangs verweigerte Alphia jeglichen Kontakt, wollte ständig alleine sein. Sie aß nicht, trank kaum. Ein Psychologe im SOS-Kinderdorf half Alphia schließlich, ihre Trauer und ihren Schmerz zu bewältigen und unterstützte Waletor dabei, zu verstehen, was in dem Mädchen vor sich ging.

„Ich musste ihr Vertrauen gewinnen und ihr Freund werden“, erinnert sich Waletor. "Jeden Tag unterhielt ich mich mit ihr. Am Anfang waren es Monologe. Als das nicht funktionierte, begann ich, allen Kindern Geschichten zu erzählen, ohne spezifisch auf Alephia einzugehen. Nach einer Weile bemerkte ich, wie Alephia anfing zu lächeln.“ Im Laufe der Zeit gelang es Waletor Alphias Vertrauen für sich zu gewinnen und sie in die Familie zu integrieren. Ihre Mühen fruchteten: "Eines Tages kam Alphia völlig unverhofft auf mich zu und meinte, sie wolle mir eine Geschichte erzählen. Es war das erste Mal nach drei Monaten, dass ich sie sprechen hörte. Das war ein wunderschöner Moment!“
Mittlerweile ist aus Alphia ein lebhaftes Mädchen mit einem äußerst gewinnenden Lächeln geworden. Sie macht gerne Sport und singt im Chor. Durch die sichere und liebevolle Atmosphäre in ihrer SOS-Kinderdorffamilie konnte sie die Gespenster der Vergangenheit hinter sich lassen und einfach wieder Kind sein.

Zahlen und Fakten

  • 50% der Familien in Entwicklungsländern leben von weniger als 2 US$ am Tag (UN)
  • Über eine Billion Kinder lebt in Ländern, in denen Krieg herrscht (UNICEF 2009)
  • 151 Millionen Kinder weltweit haben einen oder beide Elternteile verloren (UNICEF 2011)
  • 67 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen nicht zur Schule (UNESCO 2011)
  • Familien mit zwei Elternteilen werden immer seltener. In Afrika sind 30% der Familien in den SOS-Familienstärkungsprogrammen alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern.
  • In Deutschland wird jede zweite Ehe geschieden (UN 2012)

Unser gemeinsames Ziel:

Kinder in den ärmsten Regionen der Weltdürfen in eine lebenswerte Zukunft starten

Wie wir das schaffen?

Das Beste fürs Kind: "Die Mutter, die Geschwister, das Haus und das Dorf", so einfach beschrieb SOS-Gründer Hermann Gmeiner vor mehr als sechs Jahrzehnten die Grundbedürfnisse und die Grundrechte eines jeden Kindes. Diese vier Säulen sind bis heute die Grundlage der SOS-Kinderdorf-Arbeit weltweit.

  • Weltweit sind in SOS-Kinderdörfern bereits über 59.000 Kinder aufgewachsen. Die meisten von ihnen hat SOS-Kinderdorf bis zum Erwachsenenalter begleitet.

Mit einer Patenschaft unterstützen Sie ein Kind im Ausland nachhaltig

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