Familienstärkung in Bolivien: Nach Schicksalsschlag zurück im Leben

Gabriela mit Baby

Gabriela ist vierfache Mutter und Teilnehmerin am Familienstärkungsprogramm von SOS-Kinderdorf. Sie lebt mit ihren Kindern und ihrem Mann in Potosi (Bolivien) und ist gerade dabei, ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Seitdem vor einigen Monaten in ihr Haus eingebrochen und ihr Hab und Gut gestohlen wurde, ist eine ganze Welt zusammengebrochen. Gemeinsam mit dem SOS-Familienstärkungsprogramm hat sie es geschafft, wieder auf die Beine zu kommen.

Ein Ausbildungsplatz dank guter Noten

Aufgewachsen ist Gabriela mit ihren Eltern und Geschwistern in La Paz. In der Schule hat sie Spanisch gelernt. Zwar konnten sie und alle ihre Geschwister ihre Ausbildung abschließen, aber so gut wie ihre Kinder heute leben, haben sie es damals nicht gehabt, sagt sie. "Wir haben alle in einem Zimmer geschlafen. Meine Kinder haben heute ihr eigenes Spielzeug, so was gab es bei uns damals auch nicht. Die ökonomische Situation war immer sehr schwierig und das Geld knapp." Gabriela kann sich damals dank ihrer guten Noten für eine technische Schule mit Ausbildung zur Schneiderin qualifizieren. In dieser Schule lernt sie auch Ruben kennen und wird mit 17 Jahren von ihm schwanger. "Ich konnte die Schule noch abschließen, aber am offiziellen Abschlussakt durfte ich nicht teilnehmen, das hat mir die Direktorin verboten", erzählt sie. Sie zieht gemeinsam mit ihrem Mann zu den Schwiegereltern, wo später auch ihre Tochter Karen aufwächst. "Wir hatten gar nichts, wir hatten auch keine Arbeit", sagt sie.

Einstieg in das Familienstärkungsprogramm 

Karen ist bereits neun und die zweite Tochter Angela ein Jahr alt, als die Familie nach Potosi zieht. Mit einem Kredit kauft die Familie das Haus, in dem sie heute wohnen. Als Gabriela erfährt, dass im Familienstärkungsprogramm von SOS-Kinderdorf Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren betreut werden und zu essen bekommen, bewirbt sie sich um die Teilnahme. Sie sieht eine Chance, selbst arbeiten zu gehen.

Gabriela mit Baby Bild vergrößern

Gabriela mit dem jüngsten ihrer vier Kinder. 

Die kleine Angela wird in die Betreuung aufgenommen. Ihre große Schwester Karen erinnert sich an die erste Phase: "Morgens sind wir gemeinsam zum Gemeinschaftszentrum gegangen, von dort habe ich mich auf den Weg zur Schule gemacht und Mama ist in die Arbeit gefahren." Gabriela fügt hinzu: "Zum Zentrum sind wir eine Stunde zu Fuß gegangen. Öffentlich zu fahren, hätten wir uns nicht leisten können." Gabriela macht sich als Schneiderin selbstständig. Zuhause  nimmt sie verschiedenste Aufträge für Kleidung an, während sie ihre Tochter bei SOS-Kinderdorf gut betreut weiß. Sie bat sich ein Netzwerk auf und nimmt auch aktiv an den angebotenen Kursen und Treffen im Familienstärkungsprogramm teil.

"Im Zentrum zu sprechen gelernt"

"Im Zentrum hat Angela gelernt, zu sprechen und sich richtig auszudrücken", erzählt Gabriela. Die Betreuung ihrer jüngeren Tochter erleichtert Gabriela auch den Arbeitsalltag. Als zwei Jahre nach Angela dann Noriko zur Welt kommt, steht schnell fest, dass auch sie in das Gemeinschaftszentrum kommen wird. Im Zentrum werden die Kinder auf verschiedenen Ebenen auf die Schule und das Leben vorbereitet. In ganz Bolivien bedient sich das Familienstärkungsprogramm der Montessori-Methode. So sollen die Kinder lernen, selbstständig zu entscheiden und den Raum der anderen zu respektieren. Die Familie war dank des Familienstärkungsprogramms von SOS auf einem guten Weg.

Leere und Verzweiflung

"Dann kam der Tag, der alles änderte. Der Dieb hat alles mitgenommen, alle meinen Nähmaschinen, den Fernseher... einfach alles", sagt Gabriela. "Ich war verzweifelt, ich wusste nicht, wie ich jetzt noch Geld verdienen sollte. Außerdem war ich schwanger und mein Ehemann war einfach nicht für uns da."

Gabriela mit Beispielen ihrer Textilmalerei Bild vergrößern

Gabriela mit Beispielen ihrer Textilmalerei 

Sie trifft im SOS-Sozialzentrum auf eine Gruppe, in der einige Mütter den Einstieg in die Selbstständigkeit erlernen sollen. Aus einem Angebot an verschiedenen Handwerkskursen wählen die Mütter "Malen auf Textilien". Neben Techniken erlernen sie, wie man ein kleines Unternehmen gründen kann, wie man es erhalten kann und wie man Gewinne dabei erzielt. "Jeden Samstag haben wir uns getroffen. Das war schön. Es war mehr als etwas Neues zu lernen. Es war eine Entspannung. Einmal in der Woche geht man morgens raus und macht etwas, was einem Spaß macht und womit man sich ablenken kann...", sagt Gabriela enthusiastisch.

Finanzieller Aufschwung dank Mikrokredit

Ebenso Teil dieses Zusatzkurses ist die Vergabe eines Mikrokredites. Jene Mütter, die jede Woche an der Gruppe teilnehmen und einen Plan zur Umsetzung einer Geschäftsidee haben, können um diesen kleinen Kredit ansuchen. Im Gegensatz zu den Banken verlangt SOS-Kinderdorf weder Zinsen noch Dokumente oder Bescheinigungen.Auch an Gabriela wird ein Kredit verliehen. Sie investiert gemeinsam mit ihrem Mann in dessen CD-Vertrieb. Bis heute verkaufen sie wöchentlich am Markt CDs und DVDs. Sie sagt: "Früher hat mein Mann unter einem Sonnenschirm verkauft, heute haben wir unseren eigenen Stand."Ihre Motivation steigt mit Hilfe des Familienstärkungsprogramms wieder Schritt für Schritt an. Sie schafft es, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und von der starken Verzweiflung und Resignation wegzukommen. "Damals hat mir das Programm sehr geholfen. Gerade in dieser Zeit, nachdem der Dieb hier war, habe ich Hilfe am allerdringendsten gebraucht. Dank der ökonomischen und psychologischen Unterstützung, bin ich heute da, wo ich bin."

Unser gemeinsames Ziel:

Familien in schwierigen Situationenfinden Rat und lernen, ihre Probleme zu lösen

Wie wir das schaffen?

SOS-Kinderdorf ist jederzeit ein vertrauensvoller Ansprechpartner für Familien. Egal, ob Kinder, Jugendliche oder Eltern, alleinerziehend, zu zweit oder als Patchworkfamilie - Mit zahlreichen Betreuungs- und Beratungsangeboten bieten wir Unterstützung in schwierigen Zeiten und Raum für Gemeinschaft.

  • Die 13 SOS-Kinder- und Jugendhilfen widmen sich ausschließlich den Sorgen der Jüngsten und bieten Unterstützung in den schwierigen Zeiten des Heranwachsens.
  • Die vier SOS-Mütterzentren sind ein ähnliches Angebot, jedoch für Alleinerziehende und junge Familien. Die Eltern können hier gegenseitig ihre Erfahrungen austauschen und finden für einige Stunden Entlastung vom Alltag.
  • In den 16 SOS-Beratungszentren erhalten Familien kostenlos Rat in vielen sozialen Fragen. Die Tür steht jedem offen und unser Fachpersonal behandelt die Gespräche absolut vertraulich.

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie hilfebedürftige Kinder in Deutschland oder weltweit

Jetzt informieren

Dorfpate im Ausland werden

SOS-Kinderdorf : Mit einer Dorfpatenschaft ermöglichen Sie den Kindern eine gute Schulbildung

Afrika, Asien, Südamerika, Europa: Helfen Sie allen Kindern in einem SOS-Kinderdorf, das Ihre Patenschaft am nötigsten hat oder in einem Land, zu dem Sie eine Verbindungen haben.

Jetzt informieren