Geglückte Integration: "Einfach ganz normal behandeln"

Dominic und Ali beim Fußballtraining

Dominic und Ali beim Fußballtraining

Als die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im SOS-Kinderdorf Ammersee ankommen, begegnet Dominic den Neuankömmlingen ohne Vorbehalt. Im Gespräch mit dem fast 14-Jährigen wird klar, warum seine Art der Integration so gut gelingt: Weil die unbegleiteten Minderjährigen in Dominics Augen einfach Jugendliche sind, von denen er manche sehr gern mag und andere weniger. Und die man vor allem genauso behandeln sollte, wie alle anderen auch. Ganz normal eben.

Im vergangenen Oktober sind die zwölf unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im SOS-Kinderdorf Ammersee eingezogen. Wann hast Du sie zum ersten Mal gesehen?
Das war bei der Erntefeier im Kinderdorf. Da waren sie erst vier Tage vorher oder so eingezogen. Wir haben aber zuvor schon über die Erwachsenen erfahren, dass sie kommen.

Wie ist denn die Idee entstanden, dass Du die neuen Mitbewohner begrüßt?
Eigentlich weil mir ziemlich langweilig war und ich jemand zum Fußball spielen haben wollte. Es spielen zwar nicht alle von ihnen Fußball, aber doch die meisten.

Hat es nicht Überwindung gekostet, mit ihnen Englisch zu reden?
Nein, mir fällt Englisch reden nicht schwer, ich hab Englisch schon seit der 3. Klasse und bin jetzt in der 8. Aber es war das erste Mal, dass ich fließend mit jemand Englisch gesprochen habe. Die meisten von den zwölf Jungs können ein bisschen Englisch, Ali konnte als Erster Deutsch und redet heute auch am besten Deutsch.

Du hast den unbegleiteten Minderjährigen ja auch ein bisschen Deutsch beigebracht.

Adrian Schmidt (links) und Ute Starck überreichten Dominic den Sozialpreis 2015. Bild vergrößern

Adrian Schmidt (links) und Ute Starck überreichten Dominic den Sozialpreis 2015.

Ja, vor allem Fußballbegriffe wie Eckball oder so. Die meisten kannten ja die Regeln nicht, da haben wir sie ihnen beigebracht. Das war ich aber nicht alleine, sondern auch zwei Freunde aus dem SOS-Kinderdorf, die meistens mitkicken.

War es für Dich anfangs nicht seltsam, dass die Jugendlichen aus Ländern wie Nigeria, Eritrea oder Afghanistan so fremd wirken?
Mich hat es eigentlich nicht gestört, dass sie fremd waren. Es war eher cool, weil sie neu waren. Mir ist es eher egal, woher sie sind. Manche finde ich sehr nett, manche auch nicht. Einer ist zum Beispiel ein richtiger Angeber. Mit Ali (16 Jahre, aus Kurdistan, Anm. der Redaktion) ist eine richtige Freundschaft entstanden.

Was machst Du sonst noch so mit den unbegleiteten Minderjährigen?
Mit vier von ihnen spiele ich regelmäßig Fußball oder Basketball, außerdem gehen wir auch mal zusammen ins Schwimmbad.

Trefft ihr euch zu festen Zeiten?
Nein, wir klingeln einfach und holen den anderen ab. Anfangs waren die Jungs, glaube ich, echt froh, dass man auf sie zugegangen ist. Inzwischen kommen sie aber auch zu mir und klingeln.

Gehst Du mit den Jugendlichen anders um als mit deutschen Gleichaltrigen?
Nein. Wichtig ist, dass man sie genauso behandelt wie alle anderen. Dass man sie nicht absondert, aber Fehler genauso wenig toleriert wie bei anderen.

Was treibst Du sonst noch so in Deiner freien Zeit?
Ich bin am Gymnasium und habe zweimal die Woche Nachmittagsunterricht. Und ich spiele Handball im Verein, gehe zum Training und am Wochenende zu Spielen. Da bleibt dann nicht mehr so viel Zeit.

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