Nothilfe-Kitas auf der Flüchtlingsroute

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Die SOS-Kinderdorfmitarbeiter helfen wo sie können: sie versorgen kranke Kinder und betreuen diese, während die Eltern verarztet werden.

Sicherer Hafen für Familien

Mit letzter Kraft schiebt Hamida ihre vier Kinder in den warmen Wohncontainer von SOS-Kinderdorf in Tabanovce, an der Grenze zwischen Mazedonien und Serbien. Während sich die Kinder vorsichtig im Raum umsehen, laufen Hamida die Tränen über das Gesicht und sie bittet etwas auf Arabisch. "Meine Mutter braucht dringen einen Arzt", übersetzt der fünfzehnjährige Mohamed ins Englische.

Gut angekommen: Sicherheit im SOS-Nothilfecamp Bild vergrößern

Mehrere Wochen ist Hamdida mit ihren Kindern auf der Flucht gewesen. Allein unterwegs in einem Land, dessen Namen sie bislang nicht einmal kannte. Ein Arzt des Roten Kreuzes untersucht die kranke Frau und empfiehlt, sie schnellstmöglich von einem Spezialisten in der nächstgelegenen Stadt behandeln zu lassen. Doch Hamida klammert sich an ihre knapp zweijährige Tochter und rührt sich nicht von der Stelle. "Sie muss schnell zu einem Arzt", insistiert der Notarzt. "Können die Kinder hier bleiben?"

Hamida fasst Vertrauen

Hamida hat Angst: Wie soll eine Mutter ihre Kinder einfach bei fremden Menschen zurücklassen? Larisa, eine SOS-Mitarbeiterin, versucht zu vermitteln: "Mohamed, du und deine Geschwister könnt hierbleiben. Wir passen auf euch auf, bis eure Mutter zurückkommt. Bitte sag ihr, dass alles o.k. ist." Zögerlich stimmt Hamida schließlich zu, ins Krankenhaus gebracht zu werden.

Aufwärmen, spielen, endlich wieder Kind sein: in der SOS-Kinderdorf Nothilfe-Kita Mazedonien Bild vergrößern

Aufwärmen, spielen, endlich wieder Kind sein: in der SOS-Kinderdorf Nothilfe-Kita Mazedonien

Während Hamida im Krankenhaus ist, kümmert sich Mohamed um seine kleine Schwester Meysa, die durch den Container saust und ständig nach ihrer Mutter fragt. "Mama kommt bald wieder. Sie muss nur etwas holen", beruhigt er sie. Mohamed und seine Familie kommen aus Basra im Irak, wo sie vor dem IS geflohen sind. Schnell stellt sich heraus, dass Mohamed der einzige unter den Müttern, Kindern und Jugendlichen ist, der Englisch spricht. Gerne hilft er beim Übersetzen: Eine Familie braucht eine trockene Hose für ihren Sohn, eine Mutter mit Baby sucht ein Quartier für die Nacht, andere versuchen einem Polizisten zu erklären, dass sie keine Papiere mehr haben…

"Shukran" - Danke

Als Hamida ein paar Stunden später wieder zurückkommt, schließt sie die kleine Meysa fest in den Arm. Nun sind es Tränen der Erleichterung, die ihr über das Gesicht laufen. "Shukran" – Danke, wiederholt sie immer wieder. Gemeinsam mit rund 30 anderen Flüchtlingen bleibt Mohameds Familie über Nacht im SOS-Zentrum. Jacken dienen als Kopfkissen, es ist einfach, aber sicher, warm und trocken. Am frühen Morgen hört man das Pfeifen eines Zuges. Neue Flüchtlinge kommen an. Als Hamida sich verabschiedet übersetzt Mohamed: "Wir haben auf unserer Flucht noch keinen solchen Ort gesehen."

Die Nothilfe-Kita in Mazedonien
Auf ihrem Weg durch den Balkan müssen geflüchtete Familien zwar nicht mehr um ihr Überleben fürchten – aber viele Eltern und Kinder sind am Ende ihrer Kräfte und von den schrecklichen Erlebnissen in ihrem Heimatland traumatisiert. Um Eltern und ihren Kindern eine dringend benötigte Verschnaufpause zu ermöglichen, haben die SOS-Kinderdörfer in der mazedonischen Transitstation Tabanovce eine Nothilfe-Kita eingerichtet. Familien finden hier Schutz und Hilfe, es gibt Spielzeug und Tische zum Basteln. Hier können die Kleinen endlich wieder Kind sein, während ihre Mütter und Väter ihre Gedanken sortieren – wenn auch nur für ein paar Stunden. Hier gibt es bunte Spielteppiche, Tische zum Malen und Basteln, Spielzeug. Familien mit Kindern finden hier Schutz und Hilfe. Ein Ort zum Verschnaufen, zum Spielen, Windeln wechseln. Zusätzlich bieten Computer die Möglichkeit, sich zu informieren oder Kontakt zu Angehörigen aufzunehmen. Rund 50 Eltern und Kinder können hier gleichzeitig unterkommen. Manchmal sind es nur einzelne Eltern mit Kindern, manchmal viele Familien gleichzeitig. Einige bleiben nur kurze Zeit, andere über Nacht. Alle, die hierherkommen sind erschöpft, nicht selten ist ein Familienmitglied krank. Kinder können hier auftanken, während ihre Eltern ihre Gedanken neu sortieren: Wie soll es weitergehen, wohin werden wir gehen? Unterstützt werden Sie von Mitarbeitern von SOS-Kinderdorf, die helfen, so gut es geht.


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