Wie Integration laufen kann

SOS-Betreuerin hilft bei der Deutsch Intensivierung

Barbara Lauer übt regelmäßig mit Enaiat, um dessen Deutschkenntnisse zu verbessern

Enaiat* ist 18 Jahre alt, Afghane, und verbrachte jetzt schon seinen dritten Jahreswechsel in Deutschland. „Es geht mir gut, ich bin zufrieden“, sagt er und schaut auf die Uhr, denn gleich muss er los, zu seiner Ausbildung als Freizeitbetreuer für Schüler. Wenn man ihn so erlebt, hat man den Eindruck er sei ein ganz normaler 18-Jähriger, der hier in die Schule geht, ein leidenschaftlicher Sportler und Volleyballspieler ist und gerne etwas mit seinen Freunden unternimmt. Aber Enaiat hat schon mehr erlebt, als sich die meisten von uns vorstellen können.

„Meine Heimat ist Afghanistan“

Enaiats Schule in seinem Heimatland Afghanistan Bild vergrößern

Hier ging Enaiat zur Schule, bevor ihn seine Eltern auf die Flucht nach Europa schickten.

Enaiat war erst 13 Jahre alt, als ihn seine Eltern mit Hilfe eines Schleusers auf den Weg nach Europa schickten. Sie hatten Angst um sein Leben und Sorge, ihn nicht schützen zu können, so dass sie nur diesen einen Ausweg sahen. Nachdem der Schleuser in Griechenland verhaftet wurde und für eineinhalb Jahre ins Gefängnis kam, verzögerte sich die Flucht des Jungen nach Europa. Erst drei Jahre nach seinem Aufbruch in Afghanistan wurde Enaiat von der Saarbrücker Polizei aufgegriffen. Dort kam er zunächst ins Clearinghaus, das vom SOS-Kinderdorf Saarbrücken zusammen mit dem Diakonischen Werk betrieben wird. Nach drei Monaten zog der junge Afghane in die Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von SOS-Kinderdorf, in der die Jugendlichen rund um die Uhr betreut wurden. Die nächste Station war für ihn das Haus der Mobilen Betreuung, wo er eine größere Selbständigkeit lernen konnte, da er jetzt mit zwei oder drei anderen Jugendlichen am Wochenende und nachts ohne Betreuer klar kommen musste. In dieser kleinen Lebensgemeinschaft lernte er einen anderen jungen Afghanen namens Sukha* kennen, der sein bester Freund wurde und mit dem er dann schließlich innerhalb des Betreuten Wohnens in die erste eigene Wohnung ziehen konnte.

„Es macht mich froh, ihn so glücklich zu sehen“

Das sagt Barbara Lauer, Enaiats Betreuerin von SOS-Kinderdorf. Sie kommt einige Stunden in der Woche zu den beiden afghanischen Jugendlichen, um sie bei alltäglichen Dingen zu unterstützen und mit ihnen ihr Deutsch zu intensivieren. „Die Wohnung ist immer tipptopp aufgeräumt und ich bekomme jedes Mal etwas zu essen bzw. zumindest einen Tee serviert“ erzählt die Betreuerin. „Die beiden sind so höflich und respektvoll, dass es eine Freude ist, sie zu besuchen.“

Gedeckter Tisch in der WG von Enaiat und Sukha Bild vergrößern

Als Dankeschön luden Enaiat und Sukha ihren Vermieter und ihre Pateneltern zum Essen ein.

Enaiat und Sukha sind einander wie Brüder und achten aufeinander. Seit sie in die neue Wohnung eingezogen sind, haben sie außerdem eine „Ersatzfamilie“ gefunden, denn die Vormieterin und ihr Partner interessieren sich für das Schicksal der Jugendlichen und unterstützen sie. Manchmal gehen sie mit ihnen ins Kino oder laden sie zum Abendessen ein und das immer in Absprache mit ihrer Betreuerin, Barbara Lauer: „Diese Paten sind ein Glücksfall für Enaiat, denn dieser Kontakt und die Nähe tun ihm so gut.“ Durch das Erlebnis seiner jahrelangen Flucht hatte Enaiat anfangs große Probleme. Schon eine schlechte Note konnte ihn in einen Strudel aus negativen Gedanken hinabziehen. „In der Betreuung konnten Methoden umgesetzt werden, wie er da wieder herauskommt, und zusätzlich gibt ihm die Patenfamilie menschliche Wärme und Unterstützung“, erzählt die SOS-Mitarbeiterin.
Und Enaiat kann sich sichtlich Schritt für Schritt weiter entfalten.

Die Zukunft planen

Menschen in Afghanistan spielen eine Variation von Boule Bild vergrößern

Solche Bilder aus Afghanistan bedeuten für Enaiat Heimat.

Seine Familie vermisst der junge Mann zeitweise sehr und seine Heimat ist für ihn immer noch Afghanistan. Wenn er mit seiner Mutter telefoniert, lässt ihr SOS-Betreuerin Barbara Lauer immer ausrichten: „Sie können stolz auf ihren Sohn sein.“
Enaiats großer Traum ist es, eine Lehrstelle als Automechaniker zu bekommen. Der Anfang ist gemacht, denn seine „Ersatzfamilie“ hatte sich stark gemacht, für ihn eine Praktikumsstelle bei einem großen Autobauer zu besorgen. Ob er weiß, warum sie ihn und Sukha so tatkräftig unterstützen? Auf diese Frage antwortet Enaiat ganz schlicht: „Aus Menschlichkeit.“
Und ist es nicht genau diese Menschlichkeit, die uns allen helfen kann, die große Herausforderung der Flüchtlingsintegration zu meistern?

* Die Namen der Jugendlichen wurden geändert

Schenken Sie Glück

Lecker: ein gemeinsames Frühstück

Regelmäßige Spenden helfen besonders nachhaltig. Fördern Sie monatlich eine besondere Idee – damit Chancen wachsen.

Fördermitglied werden

Sie möchten selbst aktiv werden und sich ehrenamtlich engagieren?
Auf unserem Fachportal finden Sie weitere Informationen

Dieses Video zeigt, wie Sie uns ehrenamtlich unterstützen können: