Mit Beats und Moves zum Spracherwerb

Funkymoves

Jugendliche Flüchtlinge präsentieren ihre „Moves“ und Deutschkenntnisse beim „Refugee Jam II“

Das Projekt „Funky-Wisdom“ fördert auf kreative Weise junge Flüchtlinge im SOS-Kinderdorf Düsseldorf

Voller Elan machen sich acht junge Flüchtlinge aus Afghanistan auf den Weg ins Tanzhaus NRW in Düsseldorf. Dort nehmen sie an einem Pilotprojekt „Funky Wisdom“ der Folkwang-Hochschule Essen teil.

Ziel des Projekts ist es, geflüchteten Jugendlichen einen etwas anderen Einstieg in die deutsche Sprache zu eröffnen. Dafür werden typische Rap- und Hip-Hop-Elemente mit basalen Elementen der sprachlichen Kommunikation verknüpft. Sich auf die Brust klopfen bedeutet z.B. „Ich“, eine Drehung „bin“ und die Arme in die Luft strecken steht für das Wort „glücklich“. Gemeinsam mit der Projektleiterin Dr. Daniela Schwarz, dem Tanzlehrer Takao Baba und einigen Studierenden werden die verschiedenen Moves kombiniert und eingeübt. Dadurch entsteht eine besondere Dynamik, welche die Koordination der jungen Flüchtlinge so fordert, dass sie einmal richtig abschalten und die teilweise erschütternden Erlebnisse ihrer Flucht für einen Moment vergessen können.

Tänzerisch den deutschen Satzbau lernen

Zudem erlernen die jungen Flüchtlinge so den deutschen Satzbau, der sich von dem der afghanischen Sprache sehr unterscheidet und trauen sich, die neue fremde Sprache - gegen die laute Musik anschreiend -vernehmbar auszusprechen.

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Jugendliche Flüchtlinge präsentieren ihre „Moves“ und Deutschkenntnisse beim „Refugee Jam II“

Refugee Jam: stolz zeigen die Jungen das Gelernte

Nach vier Wochen ist es dann soweit: Beim „Refugee Jam II“ zeigen die Jungs vor ihren Freunden und einigen Besuchern, was sie können. „Die Jugendlichen haben sich geöffnet, sie trauen sich, die erlernten Elemente der deutschen Sprache zu nutzen“, berichtet die Projektleiterin Dr. Daniela Schwarz nicht ohne Stolz. Auch in der praktischen Arbeit im SOS-Kinderdorf Düsseldorf fällt auf, dass selbst die ruhigeren Jungs mehr aus sich heraus kommen und von sich aus mehr auf Deutsch kommunizieren.

Gut integriert - dank SOS-Kinderdorf

Die acht Jungen aus Afghanistan leben seit Oktober 2015 in den Räumlichkeiten des SOS-Jugendtreffs. Durch die schnell steigenden Flüchtlingszahlen Mitte letzten Jahres von vor allem minderjährigen Flüchtlingen stand die Stadt Düsseldorf vor der Herausforderung, die überwiegend männlichen Jugendlichen adäquat unterzubringen und zu betreuen. Der SOS-Kinderdorf Düsseldorf e.V. sprang aufgrund der brisanten Situation sofort ein. Einrichtungsleiter Herbert Stauber mobilisierte alle verfügbaren Kräfte: Innerhalb von zwei Wochen wurde die Turnhalle des Jugendtreffs umgebaut und ein Netzwerk aus Angestellten und freiwilligen Helfern geschaffen, um die Jungs rund um die Uhr betreuen zu können. Mittelweile haben sich die acht 14-17-jährigen Jungs, die aus unterschiedlichen Gebieten in Afghanistan geflüchtet sind, gut eingelebt. Sie haben eine feste Tagesstruktur, sind an einer Schule angemeldet, bekommen Deutschunterricht und machen in verschiedenen Projekten mit. In ihrer freien Zeit nutzen sie die Angebote des Jugendtreffs, spielen Billard oder Playstation oder chillen auf der Couch mit anderen Jugendlichen aus Düsseldorf. Von diesen Erfahrungen profitiert auch eine zweite Wohngruppe mit acht unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen , die seit Ende Januar in einem von SOS-Kinderdorf Düsseldorf angemieteten Familienhaus untergekommen ist.

Der Start und das Einleben in die neuen Verhältnisse fallen den Jugendlichen aufgrund ihrer verschiedenen Bildungsstufen und Erlebnisse unterschiedlich schwer. In einem Punkt sind sie sich jedoch einig: Tanzen ist cool und macht Freude. Und wenn man nebenbei die deutsche Sprache lernen kann, umso besser!